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Ich werde immer um Euch kämpfen Wie mein Exmann mir meine Kinder wegnahm von Kessler, Berit (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.09.2014
  • Verlag: Bastei Lübbe
eBook (ePUB)
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Ich werde immer um Euch kämpfen

Als die junge Deutsche Berit Kessler sich in einen Beduinen aus Israel verliebt, ahnt sie nicht, wie sehr das ihr Leben bestimmen wird. Nach fünf Jahren Beziehung zieht Berit mit dem gemeinsamen Baby nach Israel und heiratet Salim. Damit ändert sich vieles: Salim wird plötzlich tief religiös, und schließlich entdeckt Berit, dass er ein Doppelleben führt. Als er gewalttätig wird, flieht Berit mit den mittlerweile drei Söhnen. Doch Salims Einfluss in seiner Heimat ist groß. Er zieht sämtliche Fäden, und Berit muss machtlos zusehen, wie er ihr die Kinder entfremdet - bis sie sogar Angst vor ihr haben ...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 341
    Erscheinungsdatum: 16.09.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838758527
    Verlag: Bastei Lübbe
    Größe: 7001 kBytes
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Ich werde immer um Euch kämpfen

Kapitel 1

Der Aufbruch

E s war im August 1996, als ich in Jena meinen Rucksack packte. Ich hatte mein Abiturzeugnis frisch in der Tasche und fühlte mich wundervoll frei. Endlich konnte ich das tun, wovon ich immer geträumt hatte: reisen. Und obwohl ich das Flugticket schon im Oktober 1995, also bereits zehn Monate zuvor, gekauft hatte, wusste keine Menschenseele etwas von meinen Plänen.

Dass ich mich dazu entschied, als Volontärin in einem Kibbuz im Süden Israels zu arbeiten, hatte verschiedene Gründe. Es war nicht so, dass Israel auf der Liste meiner Wunschländer ganz oben gestanden hätte. Doch mit meinen achtzehn Jahren war ich für die meisten Auslandsprogramme in fernen Ländern noch zu jung. Und Europa war mir zu eng, zu klein.

Ich war fasziniert von den Bildern, die ich von den Landschaften der Judäischen Wüste und dem Negev gesehen hatte. Ein Gedi hieß die Oase in der Nähe des Toten Meeres, wo es heiße Mineralquellen gab, einen botanischen Garten, bizarre Felsformationen mit unerschlossenen Höhlen und einen spektakulären Wasserfall. Dieser Ort galt damals als Geheimtipp für einen etwas anderen Tourismus in dieser herben und doch reizvollen Landschaft, und ein Kibbuz , der dort eine Hotelanlage betrieb, suchte Volontäre.

Ich wollte unbedingt irgendwo hin, wo es ganz anders aussah als zu Hause in Deutschland. Und das, was ich auf den Prospekten sah, war ungefähr das Gegenteil von Thüringen: dramatische Steinwüsten versus beruhigend grüne Felder. Und so kam es, dass ich mich für Israel entschied. Wie lange ich bleiben wollte, das konnte ich nach den ersten beiden Monaten vor Ort entscheiden. Man würde sehen.

Frei zu sein, das bedeutete mir seit meiner frühesten Kindheit alles. Denn wir waren nicht frei in der Deutschen Demokratischen Republik. Für mich stand schon immer fest, dass ich meinen Ausreiseantrag stellen würde, sobald ich achtzehn wäre. Mir war damals klar, welche Konsequenzen dies für mich haben würde: Dass ich vier Jahre auf die Ausreise würde warten müssen, während derer ich vielen Schikanen ausgesetzt wäre. Ich konnte mir aber nicht vorstellen, mein Leben in einem Land zu verbringen, das ich nicht verlassen durfte.

Einen Ausreiseantrag musste ich nicht mehr stellen, die Wende kam mir glücklicherweise zuvor. Ich werde nie vergessen, wie mir damals am Morgen des 10. November 1989 meine Mutter sagte: "Wir können jetzt überall hinfahren. Heute Nacht ist die Mauer gefallen."

Ich weiß noch ganz genau, wie ich neben dem Sofa im Wohnzimmer stand, noch im Schlafanzug, und von einem Moment auf den anderen hellwach war.

"Lass uns gleich in den Westen fahren!", schlug ich vor.

"Jetzt gehst du erst einmal zur Schule", erwiderte meine Mutter, "vielleicht fahren wir am Wochenende."

Als ich an diesem Morgen den Klassenraum betrat, hatte unsere Lehrerin das Bild von Erich Honecker bereits abgehängt. Ich beobachtete fasziniert, wie sie alle über Nacht ihre Einstellung zur DDR änderten: Meine Russischlehrerin ließ sich umschulen und unterrichtete fortan Religion. Sogenannte Staatsbürgerrechtler unterrichteten jetzt Gesellschaftskunde. Gleich am ersten Tag nach dem Mauerfall fehlte die Hälfte der Klasse, alle waren sie in den Westen gefahren. Zwei meiner Schulkameraden sah ich nie wieder – sie blieben gleich drüben.

Ich gehörte zu denen, die nicht gegangen waren. Aber nun hatte ich die Schule abgeschlossen. Nichts hielt mich mehr. Ein Jahr wollte ich mir nehmen, ehe ich zu studieren beginnen würde. Ich hatte mich für Fremdenverkehrsgeografie entschie

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