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Inselstolz Zwischen Strandkorb und Sturmflut - 25 Leben in der Nordsee von Waldherr, Gerhard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.09.2013
  • Verlag: Ankerherz Verlag
eBook (ePUB)
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Inselstolz

Sie leben an der Schnittstelle zwischen Land und Meer. Dort, wo der Wind wohnt und der Blick endlos ist. Wo morgens die Dünen glühen und abends kein Schiff mehr geht. Wie von einer Laune der Natur hingetupft liegen die norddeutschen Inseln und Halligen in der Gischt. Ihre Bewohner leben fernab von der Hektik der modernen Welt. Und sind doch mit ihr verbunden durch Schifffahrt, Handel und Tourismus. Es ist ein Leben, das geprägt wird von den Launen der Natur, der Faszination des Meeres und einer bewegten Historie. Lassen Sie sich diese Geschichten erzählen von Sylts Austernprinzessin, Borkums singendem Wattführer und Helgolands Robbenvater. Folgen Sie dem Chronisten von Amrum in die Zeit der Strandräuber, dem fliegenden Koch von Baltrum in die Lüfte und einem Schatztaucher in die geheimnisvollen Tiefen der Nordsee. Begleiten Sie Memmerts Vogelwart, Hooges Krankenpfleger und Pellworms Postboten, der für zwei Empfänger bis Süderoog geht. Und erfahren Sie, wie ein Bauer auf Langeneß die verheerende Sturmflut von 1962 erlebte, der Inselwirt von Neuwerk seine Gäste durch einsame Nächte begleitet und ein junger Musiker aufbricht nach Los Angeles, an der Filmmusik für Baywatch mitwirkt und doch nicht loskommt von Föhr. 25 große Erzählungen von Menschen, die sind wie ihre Heimat. Rau, charmant und einzigartig. Liebenswert, dramatisch und voller Überraschungen. Immer anders und nicht zu fassen. Inselstolz ist eine Hymne auf Norddeutschlands kleine Welten vor der Küste und das große Herz ihrer Bewohner.

Gerhard Waldherr, geboren 1960 in Bad Tölz, war Sportredakteur der Süddeutschen Zeitung, Reporter beim Stern, freier Korrespondent und Buchautor in New York; seit 2006 ist er Chefreporter beim Wirtschaftsmagazin brand eins. Verheiratet, ein Kind. Diverse Preise und Auszeichnungen, nominiert für den Egon-Erwin-Kisch-Preis und den Deutschen Reporterpreis. Wohnt in Berlin. Uwe Bahn, Jahrgang 1958, stammt aus einer Schifferfamilie. Sein Großvater fuhr Versorgungsschiffe und Eisbrecher auf der Elbe, sein Vater entwickelte Schiffsmotoren. Nach Kindheit in Lauenburg/Elbe und Lehramtsstudium in Lüneburg wechselte Uwe Bahn 1984 zum NDR und wurde einer der bekanntesten Moderatoren. Durch seine vielen TV-Sendungen im Norden lernte er die Nordseeinseln und ihre Bewohner kennen. Als Kreuzfahrtautor schreibt er für namhafte Zeitungen und Zeitschriften und gibt jedes Jahr den Kreuzfahrt Guide heraus. Er lebt mit Familie in Hamburg und auf See. Alexander Babic, geboren 1974 in Bielefeld, absolvierte eine Ausbildung zum Werbefotografen und studierte dann Visuelle Kommunikation mit Schwerpunkt Fotografie. Er arbeitet als freier Fotograf redaktionell für diverse Magazine sowie für Werbekunden. Babic lebt in Hamburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 230
    Erscheinungsdatum: 01.09.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783940138484
    Verlag: Ankerherz Verlag
    Größe: 9403 kBytes
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Inselstolz

Willi Jacobs, Jahrgang 1950, stammt aus einer alten Fischerfamilie in Neuharlingersiel. In der Hochsaison legt er jeden Tag in Spiekeroog und Neuharlingersiel ab und an, um Touristen das Meer, die Fischerei und die Seehundsandbänke näherzubringen. Regelmäßig finden auf der "Gorch Fock" auch Andachtsfahrten statt. Jacobs ist verheiratet, hat drei Töchter und einen Sohn.

Willis Welt

Seine Familie fährt seit Generationen zur See.
Den Fischer-Beruf hat Willi Jacobs schweren Herzens aufgegeben. Aber er kann nicht davon lassen, das Netz auszuwerfen.

E s war im Juli 2009, wir hatten Gäste an Bord und fuhren Richtung Langeoog. Gerade passierten wir die Seehundbänke vor der Insel, als ein Kollege über Funk hektisch eine Warnung durchgab. Im nächsten Moment konnte man nichts mehr sehen. Ich wusste nicht, woher der Sturm kam, es wirbelte einfach aus allen Richtungen.

Meine Gäste fragten mich: "Haben Sie Angst?" Und ich sagte: "Ich habe Gottvertrauen in die Mannschaft und in meinen Kutter."

Die Mannschaft, das war mein Decksmann Richard, der kommt aus dem Ural. Guter Mann, er fährt schon seit 1999 zur See. Und mein Boot, meine Gorch Fock , die habe ich gemeinsam mit meinem Vater bauen lassen. Ich weiß, was die abkann.

Die Bültjewerft baute unseren Familien-Fischkutter 1971. Das waren die einzigen in Ostfriesland, die noch Holzarbeiten machten. Gleich im darauffolgenden Frühjahr erhielten wir die Zulassung für Ausflugsfahrten. Fisch fangen und Gäste an Bord empfangen - ich habe immer beides gekannt. Schon mein Vater und mein Großvater waren sehr flexibel, wenn es darum ging, das Geld für die Familie zu verdienen. "Irgendwas läuft immer", pflegte mein Großvater zu sagen. Und wenn nicht, schoss er eben einen Seehund und handelte mit dem Tran.

Die Jacobs sind schon seit 1840 Fischer und Seefahrer, vermutlich noch länger. Die Jungen lernten von den Alten, so war das auch bei mir. Als ich klein war, erzählte mein Großvater mir Geschichten und brachte mir Knoten bei. Der Hafen von Neuharlingersiel war unser Spielplatz, wenn auch nicht ungefährlich. Ich war ungefähr fünf, als ich fast abgesoffen wäre. Meine Cousine und ich spielten mit einem Boot am Kai, stießen es fort und zogen es an einem Strick wieder heran. Ich wagte mich zu weit raus, fiel plötzlich ins Wasser - und ich konnte nicht schwimmen. Meine Cousine konnte mich gerade noch herausziehen. Wie ernst die Geschichte war, kann man an der Belohnung ablesen, die sie für ihre Rettungsaktion bekam: einen silbernen Löffel, mit ostfriesischen Ornamenten verziert.

Mit fünfzehn begann ich meine Ausbildung an Deck der Gorch Fock , so hieß schon damals der Kutter meines Vaters. Die Fischereischule in
Büsum, die Motorenprüfung, das nautische Fischereipatent, das packte ich alles locker. Seit 1997 gehöre ich selbst dem Prüfungsausschuss der Fischereischule an. Mein Problem war: Ich wurde immer seekrank. Mein Vater ging damit gut um, aber es half ja nichts, ich musste da durch. Wenn die Krabben an Deck kamen, kämpfte ich gegen die Seekrankheit und schuftete. Gott sei Dank wurde das besser, als ich erwachsen wurde.

Wir fischten Krabben und Plattfische, also Seezungen und Schollen, im Frühjahr und im Herbst. Jahrelang fuhr ich oft nachts raus zum Fischen, weil ich mich nach den Gezeiten richten musste und wir tagsüber die Ausflugsgäste an Bord hatten. Das waren die härtesten Monate im Jahr. In manchen Nächten fiel ich todmüde ins Bett, nur um zwei Stunden später wieder aufzustehen.

Wir Fischer hatten gute Zeiten in den 80er-Jahren, bis Anfang der 90er. Da zog ich auch mal 1000 Kilo Plattfisch aus der Nordsee. An Krabben bis zu 1500 Kilo. Und das alles in kurzer Zeit, wir liefen immer nach spätestens zwölf Stunden wieder in den Hafen. Wenn die Marktpreise stimmen, kann man als Fischer gut leben.

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