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Lebe! Ich weiß, der Krebs wird siegen. Aber bis dahin gehört jeder Tag mir. von Maaskant, Laura (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.05.2015
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Lebe!

Ein Leben im Klinikbett, schwindende Kräfte - oder in der Sonne an der Gracht sitzen und Kaffee trinken, studieren, arbeiten, leben? Das eine ein bisschen länger, das andere ein bisschen kürzer, aber genau kann das keiner sagen. Laura ist erst zwanzig Jahre alt, aber sie kennt ihren Krebs schon. Nun ist er zurück, und es wird endgültig sein. Was ist wichtiger: Zeit oder Lebensqualität? 'Ein berührendes, ein mutiges Buch! Laura lehnt weitere invasive Therapien ab und bleibt so Autorin ihres Lebens - wir können alle von ihr lernen'. Angelika Kallwass Laura Maaskant, geboren 1994 in Emmeloord/Niederlande, studiert Kunstgeschichte in Amsterdam. Im August 2009, als sie fünfzehn Jahre alt war, wurde ein Tumor zwischen ihren Rippen gefunden, und 2013 entdeckten die Ärzte Metastasen in ihrer Lunge. Sie weiß, dass es keine Hoffnung auf Heilung gibt, und hat sich gegen eine Behandlung und für die Lebensqualität ihrer letzten Zeit entschieden. Laura lebt in Amsterdam, arbeitet bei einem Lieferservice und bloggt über ihr Leben auf www.lauramaaskant.nl

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 216
    Erscheinungsdatum: 15.05.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732509171
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: Leef!
    Größe: 9145 kBytes
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Lebe!

1

"And I'm calling you, dreamer.
Don't you ever wake up."

Dinand Woesthoff (Dreamer)

Im Juni 2009 habe ich einen Traum, an den ich mich noch gut erinnere, als ich morgens aufwache. In diesem Traum laufe ich mit meiner Freundin Dorien die Treppe zum besten Friseur am Ort hinauf. Es fällt mir schwer zu gehen, und so halte ich mich am Treppengeländer fest, um nicht zu fallen. Dorien ist an meiner Seite und stützt mich. Wir sind fröhlich in meinem Traum und plaudern angeregt über Frisuren, Haare und Haarefärben. Dann sind wir im Friseursalon, wo mir meine langen blonden Locken abgeschnitten werden. Stattdessen habe ich nun eine Kurzhaarfrisur. Ich schaue in den Spiegel und sehe meine kurzen Haare. Es sieht sexy aus, und ich bin schön. Und doch läuft mir eine Träne über die Wange. Auch Dorien weint. Uns ist beiden klar, dass dies keine Verwandlung nur so zum Vergnügen ist. In meinem Traum reden wir nicht darüber, aber ich weiß, dass Dorien und ich beim Friseur sind, weil mir wegen einer Chemotherapie die Haare in rasendem Tempo ausfallen. Wir hatten ausgemacht, gemeinsam zum Friseur zu gehen und mir die Haare schneiden zu lassen, bevor ich völlig kahl wäre. Nachdem unsere Tränen getrocknet sind und mir bewusst wird, dass ich schwer krank bin, wache ich auf.

In den Sommerferien desselben Jahres genieße ich die Sonne, die Zeit mit meinen Freundinnen und die Freiheit, nicht in die Schule zu müssen. Tagsüber habe ich einen Ferienjob in der Schulbibliothek meines Gymnasiums. Eigentlich sind es völlig normale Sommerferien, wie sie eben sein sollen für ein Mädchen meines Alters. Ich hatte gerade die Mittelstufe abgeschlossen und mir für die Oberstufe einiges vorgenommen: Spanisch und Wirtschaft, dazu kultur- und sozialkundliche Fächer. Ich freute mich auf die zusätzliche Herausforderung, denn die Mittelstufe war mir leichtgefallen. Ich war eine gesunde, strahlende junge Frau, die der Zukunft voll Vertrauen entgegensah.

Es muss an einem frühen Morgen im Juli gewesen sein, kurz bevor ich mich auf den Weg zu meinem Ferienjob machte. Ich stand nackt vor dem Badezimmerspiegel und wollte gerade unter die Dusche gehen, als mir eine kleine Schwellung auf der Höhe meiner linken Brust auffiel. Ich schaute genauer hin und tastete die Haut unter meinen beiden Achseln ab. Tatsächlich, die linke Seite war ein wenig dicker, aber ansonsten konnte ich nichts Besonderes wahrnehmen. Ich ging unter die Dusche, vergaß die Beule und erlebte so noch drei unbekümmerte Ferienwochen. Als die Schwellung mir drei Wochen später erneut auffiel, tastete ich genauer. Diesmal spürte ich tatsächlich etwas Seltsames, einen steinharten Knoten unter meiner Achsel. Ich zeigte ihn Mama und ging zur Sicherheit zu unserer Hausärztin. Die meinte zwar, dass es wahrscheinlich nichts zu bedeuten habe, aber um etwas Ernstes auszuschließen, wollte sie doch einige weitere Untersuchungen veranlassen. Ich wurde geröntgt und sollte mich ein paar Wochen später bei dem Chirurgen Doktor Ten Berge vorstellen. In der Zwischenzeit genoss ich weiter meine Ferien. Wer denkt schon an Krebs, wenn er fünfzehn ist?

Als wir an einem Freitag Ende August endlich einen Termin bei dem Chirurgen haben, ist der Knoten schon deutlicher spürbar. Gemeinsam gehen Mama und ich ins Krankenhaus. Dort ist es ruhig, ganz so, als wären in den Sommerferien weniger Menschen krank. Erst sitzen wir im Wartezimmer, später im Sprechzimmer, bis Doktor Ten Berge kommt. Ich kenne den Arzt, wir haben uns schon öfter gesehen. Als ich acht Jahre alt war, hatte ich mir den Arm gebrochen, und nach einigen Komplikationen hatte er mich schließlich wegen eines eingeklemmten Nervs operiert. Ich fand ihn damals ziemlich unheimlich. Er kam meist völlig unerwartet herein, wenn Mama und ich im Sprechzimmer auf ihn warteten. Er klopfte einmal an die Tür und öffnete dann, ohne auf eine Antwort zu warten.

Genau wie damals klopft er nur kurz und öffnet dann sofor

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