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Lieber spät als nie Wenn Mütter flügge werden von Seul, Michaela (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.12.2018
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Lieber spät als nie

'Das macht mein Mann.' Ein Satz, der die Autorin in die Verzweiflung treibt, denn der Mann ist ihr Vater und er ist alt und kann vieles nicht mehr erledigen wie gewohnt. Vom Wagen betanken über Bankgeschäfte zu alltäglichen Kleinigkeiten: Wenn Papa ausfällt, ist Mama hilflos. Soll nun die Tochter in die Rolle des Vaters schlüpfen? Die Autorin startet ihr Programm: Mama muss erwachsen werden! Stellenweise urkomisch, tiefsinnig, und mit hohem Wiedererkennungswert beschreibt Michaela Seul liebevoll, wie Frauen dieser Generation lernen, ihren Mann zu stehen. Michaela Seul, die mit diversen Literaturpreisen ausgezeichnete Autorin zahlreicher Bücher, hat auch unter Pseudonymen veröffentlicht. Zudem arbeitet sie seit vielen Jahren sehr erfolgreich als Ghostwriterin, womit sie sich so manchen Platz auf der Bestsellerliste erschrieben hat. Sie lebt im Fünfseenland bei München.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 238
    Erscheinungsdatum: 21.12.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732563418
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 629 kBytes
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Lieber spät als nie

Prolog:
Das hat immer mein Mann gemacht

Die Stimme meiner Mutter am Telefon klingt so aufgeregt, dass ich im ersten Moment befürchte, etwas Schlimmes sei geschehen. Mein Vater ist Mitte achtzig, und wann immer meine Mutter mich zu einer ungewöhnlichen Uhrzeit anruft, höre ich innerlich das Tuten der Alarmstufe Rot aus Raumschiff Enterprise, das wir früher zusammen anschauten, Mama, Papa, Bruder und ich, jeden Samstag.

"Ich habe es getan!", schreit meine Mutter ins Telefon. Keine Ahnung, wovon sie spricht. Es klingt wie ein Geständnis. Aber das kann nicht sein. Nicht bei uns. Wir sind eine tadellose Familie. Meine Eltern setzen seit einem halben Jahrhundert auf Harmonie, ich muss mir keine Sorgen machen, wenngleich das Konfliktpotenzial, das sie unter den Teppich gekehrt haben, mittlerweile auch erfahrene Familientherapeuten ins Straucheln bringen könnte.

"Was hast du getan?", brülle ich zurück, obwohl meine Mutter mit ihren über siebzig Jahren noch sehr gut hört.

"Ich war in der Waschanlage!"

"In welcher ...?", will ich nachfragen, werde aber sofort unterbrochen von einem Schwall: "Dreimal bin ich letzte Woche daran vorbeigefahren auf dem Weg zum Aldi. Immer habe ich gedacht, jetzt mach ich es. Gestern habe ich mir alles ganz genau durchgelesen. Vorne dran ist ein Schild. Aber dann bin ich doch in die Tankstelle reingegangen, und da war so ein netter junger Mann an der Kasse, und der hat gesagt, das ist keine große Sache, das kann jeder, und er hat mir alles genau erklärt. Man muss nur die Karte einstecken und auf den grünen Knopf drücken. Dann geht es automatisch."

"Super", sage ich.

"Ja, es war ganz einfach, also, das mache ich wieder, überhaupt kein Problem. Und so ein ausnehmend freundlicher junger Mann!" Ihr Strahlen dringt durchs Telefon.

"Das hast du ganz toll gemacht, Mama", sage ich.

"Ich wollte es dir unbedingt gleich erzählen."

"Total super, Mama", lobe ich erneut.

Dann lege ich auf und rufe meine beste Freundin an, um ihr brühwarm zu erzählen, was meine Mutter in Ekstase versetzt. Bei Sanne ist belegt, das nervt mich, weil die Geschichte abkühlen wird. Ich merke es ja jetzt schon, dass ich mich frage, ob das nicht Mutterverrat ist. Sie hat mir die Mission Waschstraße anvertraut. Ist sie bei mir in guten Händen? Oder sollte sie mir peinlich sein? Eine solche Mutter wirft einen Schatten auf meine Souveränität, offenbart sie doch einiges über meine Herkunft. Nein, meine Mutter war nicht maßgeblich beteiligt an der Gleichstellung von Frau und Mann im Grundgesetz oder hat mir zur ersten Menstruation ein Emma-Abo geschenkt. Und ich bin sogar froh um dieses Rollenmodell, das ich um keinen Preis imitieren wollte. Wer weiß, in welcher Küche ich schmoren würde, wäre sie eine gesellschaftspolitische Aktivistin gewesen. Hätte meine Revolution dann im Thermomix stattgefunden? Meine Mutter hat mir verboten, unter der Bettdecke mit Taschenlampe zu lesen, und als ich auf die Idee mit dem Kühlschranklicht kam, gab es Hausarrest. Von Energieverschwendung kein Wort, sie war ja auch nicht bei den Grünen, zumal mein Vater, der Familienpräsident, ihr diktierte, was sie bei Wahlen ankreuzen sollte. Politisch engagiert wäre sie sicher eine Kuchenfrau geworden, die bei Stadtteilfesten mit anderen Ehefrauen und Müttern um das lauteste Mmh gewettbackt hätte. Obwohl sie nicht gern bäckt. Klaglos hätte sie getan, was von ihr erwartet wurde. Heute sind Demut und Achtsamkeit in. Damals waren sie nicht der Rede wert, bei Frauen gehörten sie zur Zier.

Vielleicht sollte ich Mutters Begeisterung für die Waschstraße als Metapher verstehen. Waschen und Straße - Häuslichkeit und Freiheit vereint? Wie würde meine Waschstraße aussehen? Was bedeutet für mich eine Herausforderung? Jeder hat so seine Macken, gestehe ich meiner Mutter welche zu? Allmählich geht mir ein Licht auf. Nachdenklich melde ich mich am Telefon, als Sanne

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