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Liebesverrückt Ein Roman über die Frau, die Greta Garbo wurde von Einhorn, Lena (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.08.2016
  • Verlag: LangenMüller
eBook (ePUB)
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Liebesverrückt

Ich dachte, ich kenne Greta Garbo ... 33 Briefe waren ihr wertvollster Schatz - Mimi Pollak trug sie ein Leben lang in ihrer Handtasche bei sich. Briefe, die ihr Greta Garbo geschrieben hatte. Der Briefwechsel der beiden beginnt zu einer Zeit, als die Garbo noch Greta Lovisa Gustafsson heißt und auf die Schauspielschule in Stockholm geht. Dort lernt sie Mimi kennen und lieben, eine Freundschaft, aus der bald mehr wird. Sie sollte die nächsten turbulenten Jahrzehnte überdauern. Lena Einhorn erzählt in dieser Romanbiografie anschaulich und mitreißend von diesen prägenden Jahren im Leben der jungen Garbo - von einer Zeit, die sie später als die glücklichste in ihrem Leben bezeichnen sollte. Lena Einhorn, geboren 1954, ist eine der bekanntesten Dokumentarfilmerinnen und Buchautorinnen Schwedens. Ihr Buch Ninas Reise erhielt 2005 den 'Augustpreis', den renommiertesten Buchpreis Schwedens, und stand wochenlang auf Platz 1 der schwedischen Bestsellerliste. Sieben Jahre recherchierte sie das Leben von Greta Garbo. Daraus entstand dieses Buch.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 29.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783784481968
    Verlag: LangenMüller
    Größe: 1054 kBytes
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Liebesverrückt

3

Es hatte zwei Orte gegeben, die sehr lange geholfen hatten. Zwei rettende Engel, falls Orte Engel sein können.

Das Freilichtmuseum Skansen mit seinen historischen Gebäuden war als Erstes gekommen. Das war zu einer Zeit gewesen, als sie noch nichts mitzureden gehabt hatte, da sie jeden Tag in dem großen Kasten am Nytorget eingesperrt gewesen war. Dorthin hatten sie sie gebracht, als sie sieben gewesen war. Das Grauenvolle und gleichzeitig Fantasielose. Dieser hässliche Riesenkasten war irgendwie der Inbegriff dessen, was sie mit ihr machten, was sie mit ihr vorhatten. Sie hatte jeden Tag die Minuten gezählt und nicht begreifen können, warum es sie interessieren sollte, wie viele Liter durch einen Wasserhahn liefen oder warum ihre Sprache in kleine, seelenlose Skelettfragmente zerteilt werden musste, und sie war vollkommen außerstande zu verstehen, was sie mit den gleichaltrigen Personen gemeinsam hatte, die sie umgaben und die sich vollkommen reibungslos an die Ordnung der Dinge, von der sie nicht das Geringste begriff, anzupassen schienen. Wenn das Leben nur darauf hinauslief, zu beschreiben, zu organisieren und zu erklären, dann verstand sie nicht, wozu das Leben gut sein sollte. Das Schlimmste war, dass sogar das Spielen an diesem unerfreulichen Ort Regeln unterworfen werden sollte. Es graute ihr vor den Pausen. Sie fand es unerträglich, auf Befehl eine gewisse Anzahl Minuten ausgelassen zu sein. Sie fand es unerträglich, dass man von ihr erwartete, dass sie sich in einem Augenblick öffnete, im nächsten amüsierte und dann ganz hibbelig war, um diese Impulse dann ebenso schnell wieder abzuschalten. Diejenigen, die um sie herum lebten, die in ihrem Alter waren und deshalb und aufgrund einer gewissen geografischen Nähe in dieselbe Einrichtung geraten waren wie sie, schienen hingegen bereits auf dem Weg zum Schulhof auf den Murmelspielmodus, den Springseilmodus oder den Klatschmodus umgeschaltet zu haben. Sie fand es unerträglich.

Oder vielleicht war es ihre eigene Schüchternheit, die sie nicht ertrug.

Aber wie jemand, der sich nach etwas so stark sehnt und plötzlich und unerklärlich das Objekt seiner Liebe findet, hatte sie die Lösung entdeckt. Und es war in der Tat die verhasste Schule gewesen, die ihr diese Lösung beschert hatte. Es begann mit der Aufforderung, das Buch Selma Lagerlöfs über den Jungen zu lesen, der auf einem Gänserücken über ganz Schweden hinwegflog und alles über die Städte, Bauwerke und Landschaften wusste. Sie schlug das Buch gehorsam auf (denn gehorsam war sie), und während die anderen in dem dicken Wälzer lasen, ließ sie wie immer ihre Gedanken schweifen, wobei sie gleichzeitig trotzdem Fragmente des Texts aufnahm. Aber dann, plötzlich, entdeckte sie etwas, das ihre Aufmerksamkeit fesselte. Dieser Junge, der im Buch, Nils Holgersson, der fesselte sie. Ja, ihn konnte sie verstehen! So zu schweben, weit über der Erde, weit über den Köpfen aller Menschen ... Alles mit Abstand zu sehen ... Das einzige Lebewesen im All zu sein, der Junge und sein treuer Gänserich. Sich einfach wegträumen zu dürfen. Ja ...

Am Ende der Stunde erklärte Fräulein Rosenqvist, dass sie genau jetzt in diesem Buch lasen, weil die Schriftstellerin darin vom Skansen erzählte, "dem großen Park am Stockholmer Stadtrand, in dem man so viel Merkwürdiges zusammengetragen hat". Skansen entsprach außerdem in gewisser Weise der Reise Nils Holgerssons, nur halt auf einen einzigen Ort konzentriert: Straßen und Häuser aus allen Teilen des Landes, Bauernhöfe, Marktstände und Fabriken, das meiste aus vergangenen Zeiten. Die Lektüre dieses Buches, sagte die Lehrerin, solle auf den Besuch jenes Ortes vorbereiten. Vorbereiten, dachte Greta, damit einem nicht dieses Fürchterliche widerfuhr: überrascht zu werden! Aber dieses Mal überlistete sie alle. Sie las das dicke Buch nicht, um etwas zu lernen. Sie wurde Nils Holgersson, der Junge, der hoch über dem Land schwebte und flog,

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