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Lilien und die steinigen Wege im geteilten Deutschland von Lilien Mergner (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.03.2014
  • Verlag: novum pro Verlag
eBook (ePUB)
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Lilien und die steinigen Wege im geteilten Deutschland

Die Gegensätze zwischen der BRD und der DDR verschärfen sich von Jahr zu Jahr. Lilien, das Mädchen aus Bayern, ist in der DDR zu einer jungen Frau herangereift. Immer wieder gerät sie als 'Westimport' in Konflikt mit anderen. Sie lernt das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen inmitten der einfachen Menschen zu meistern und beweist Humor und Durchhaltevermögen. Eine DDR-Geschichte voller Komik und Dramatik. Lilien Mergner, geboren 1943 in Schlesien, ist ausgebildete Pädagogin und arbeitete als Kindergärtnerin und Heimerzieherin. Kinder gaben und geben ihr noch heute einen Impuls zum Schreiben und zum Erfinden von Märchen. Die vorangegangenen Teile ihrer Biografie 'Lilien, ein Flüchtlingskind im Allgäu', 'Lilien, das bayrische Mädchen im DDR-Internat' und 'Pfüati Gott Bayern. Lilien und die Mauer' erschienen 2011 und 2013 im novum pro Verlag.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 284
    Erscheinungsdatum: 19.03.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783990381717
    Verlag: novum pro Verlag
    Größe: 488 kBytes
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Lilien und die steinigen Wege im geteilten Deutschland

Vorwort

Wieder einmal nahte ein Abschied, im Frühjahr 1966, der Abschied von meinem Kinderheim in der Stadt Gera, in dem ich drei Jahre lang arbeitete und wohnte.

Seit vier Monaten war ich verheiratet und sah Mutterfreuden entgegen. Mein Mann Michael und ich wohnten noch getrennt. Nachdem er beim "Alten", Herrn Bitter, der einen kleinen Handwerksbetrieb für Motorenwickelei besaß, gekündigt hatte, arbeitete er im VEB Carl Zeiss Jena, dem weltbekannten Betrieb, der auch in Gera eine Niederlassung hatte.

Seit Wochen war Michael auf der Suche nach einer Wohnung für uns. Wenn wir uns trafen, schilderte er mir, was für fragwürdige Behausungen man ihm angeboten hatte. Für eine dieser Unterkünfte mussten wir uns entscheiden. Ehe ich sie besichtigen konnte, meldete sich unser Baby. Viel zu früh erkämpfte es sich den Weg ins Licht.

Glücklich hielt ich das winzige Wesen mit seinen vielen rabenschwarzen Haaren in meinen Armen. Es war nur ein winziger Moment unserer Zweisamkeit, der uns gegönnt wurde. Die kleine Manuela kam in die "Frühchenstation". Eine quälende Zeit begann. In den Zimmern der Wöchnerinnen war alle paar Stunden das Geschrei ihrer Kleinen zu hören, die zum Stillen gebracht wurden. Nur ich bekam mein Kind nicht. Ich vergrub meinen Kopf im Kissen und litt. Meine viele Milch pumpte ich ab. Es herrschte eine aufgeschlossene, lustige Atmosphäre unter den Frauen. Nur wenn die Babys von den Schwestern der Säuglingsstation gebracht wurden, war jede Mutter ausschließlich auf ihr Kind fixiert. Sie sprachen mit den Kleinen und liebkosten sie. Ich sehnte mich so sehr nach meinem Kind, dass ich immer verzweifelter wurde. Bald verließ ich den Raum, wenn ich schon von ferne die ankommenden Babys schreien hörte. Fieber stellte sich ein – ein bisher fast unbekanntes Phänomen für meinen Körper. Als ich wieder einmal schluchzend im Gang stand, weil ich das Geschmatze und Gegrunze der Säuglinge nicht mehr ertragen konnte, kam ein Arzt.

"Fehlt Ihnen etwas? Kann ich Ihnen helfen?", erkundigte er sich besorgt.

"Mein Kind – mein Kind fehlt mir", schluchzte ich ihn an. "Es ist ein Frühchen."

"Ich ordne an, dass Sie Ihr Kind sehen dürfen", tröstete er mich.

Ab jetzt durfte ich einmal am Tag mein Baby durch die Scheibe ansehen. Sie war winzig, aber allerliebst. Man hatte ihr eine Sonde durch die Nase bis in den Magen gefädelt, weil sie zu schwach zum Trinken war. Auf diese Weise bekam sie meine Milch verabreicht. Das Sehen durch die Scheibe und unsere stumme Zwiesprache beruhigten mich kaum. Mein Fieber wollte nicht weichen. Nach den obligatorischen zehn Tagen Wöchnerinnen-Aufenthalt in der Klinik wurden meine Bettnachbarinnen entlassen. Wegen meines Fiebers musste ich bleiben und wurde in ein anderes Haus verlegt, in das sogenannte "Schlösschen", ein wunderschönes Gebäude aus der Zeit der "Reußischen Herrscher".

Mein Kind sah ich jetzt gar nicht mehr. Meine Milch wurde abgeholt.

Da ich wusste, dass das Fieber psychische Ursachen hatte, gab ich jetzt das Thermometer mit niedrigeren Temperaturen ab, um entlassen zu werden.

Michael hatte sich für eine der angebotenen Behausungen entschieden, damit wir gleich ein eigenes Zuhause hatten, wenn wir unsere Kleine holen durften. Er tapezierte und bereitete alles für uns vor. Wir besaßen Schlafzimmermöbel, die Rosa, seine Mutter, uns zur Hochzeit geschenkt hatte, und die alten Möbel aus Michas Kinderzimmer.

Als er mich aus der Klinik abholte, sah er mich bewundernd an. M

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