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Mauerbruch Eine Heimatgeschichte von Schmidt, Martina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.07.2014
  • Verlag: Pro BUSINESS digital printing
eBook (ePUB)
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Mauerbruch

Martina und Rüdiger Schmidt leben in Lübeck. Geboren und aufgewachsen sind sie in Rostock. Dort engagierten sie sich in den achtziger Jahren in der evangelischen Landeskirche Mecklenburg. Sie erlebten die alltägliche Anpassung gegenüber Willkür und Bedrängung durch das DDR-Regime und suchten nach Wegen, ein selbst bestimmtes Leben zu führen. Aber sie fanden es nicht. 1986 durften sie die DDR verlassen. Sie gingen nach Bremen, doch erst in Lübeck entdeckten sie ihr neues Zuhause. In ihrem Buch beschreiben Martina und Rüdiger Schmidt die prägende Zeit in Rostock, die schwierigen Jahre nach ihrer Ankunft im Westen und ihren beruflichen Neubeginn in Lübeck. Ihr Kontakt zu den Weggefährten der achtziger Jahre in Rostock besteht bis heute. Zu ihnen zählen der Choreograph und Tänzer, Manfred Schnelle, Rostocks demokratisch eingesetzter Oberbürgermeister, Christoph Kleemann und Joachim Gauck. Einige der Freunde und Zeitzeugen kommen in dem Buch zu Wort und schildern ihre persönlichen Erinnerungen und Werdegänge. Mit 'MAUERBRUCH' taucht der Leser ein in die Vergangenheit. Es ist ein Buch gegen das Vergessen einer Zeit, die verrinnt. Es ist ein Buch für die Erinnerung an das Leben in zwei unterschiedlichen gesellschaftlichen Systemen in Deutschland. Die Autoren berichten von Anpassung und Neuorientierung und darüber, was es bedeutete, vom Osten in den Westen zu wechseln. Das Buch soll zum Nachdenken anregen. Es vermittelt Eindrücke vom Leben in Zeiten der Wende / hüben und drüben aus verschiedenen Perspektiven. Juni 2012: Nach einer Studie der Freien Universität Berlin können viele Jugendliche nicht zwischen Demokratie und Diktatur unterscheiden. Zahlreiche Schüler halten den NS-Staat und die DDR nicht für eine Diktatur. Die 'alte' Bundesrepublik und das wiedervereinigte Deutschland werden von ihnen nicht als Demokratie verstanden.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 284
    Erscheinungsdatum: 07.07.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783864601057
    Verlag: Pro BUSINESS digital printing
    Größe: 6585 kBytes
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Mauerbruch

Ausgebürgert

An Nadines sechstem Geburtstag hatten wir unseren letzten Termin bei der Abteilung Inneres. Eine Frau empfing uns und bat um unsere Personalausweise, die sie einbehielt. Im Gegenzug händigte sie uns drei Ausbürgerungsurkunden aus, für jeden eine. Sie sagte: " Mit diesen Urkunden gehen Sie zur polizeilichen Meldestelle, die wissen Bescheid. Dort bekommen Sie eine Identitätsbescheinigung mit einem Visum zur Ausreise. Sie haben die DDR innerhalb von 24 Stunden zu verlassen. " Im Anschluss holten wir, wie angeordnet, mit einem seltsamen Gefühl im Magen unsere Identitätsbescheinigungen ab. Nach DDR-Recht waren wir jetzt staatenlos.

Unsere Ausbürgerungsurkunde wurde am 13.5. ausgestellt und ausgehändigt am 23.5.1986.

Es gibt uns noch: Identitätsbescheinigung, ausgehändigt am 23.5.1986. Verbunden damit war die Aufforderung, die DDR bis zum 24.5.1986 zu verlassen.

Für Nadine und uns begann jetzt der Abschied von der gewohnten Umgebung, von unserem Geburtsort Rostock, einer Stadt, die uns lieb gewordene Heimat war. Der Abschied von unseren Familien, die uns Geborgenheit gaben, und von unseren Freunden, die auch in schwierigen Zeiten für uns da waren. Manfred Schnelle gab uns einen Satz mit auf den Weg, der uns in Zukunft begleitete: " Es werden erst einmal schwere Zeiten auf euch zukommen, denkt auch in diesen Situationen immer positiv. "

Am Sonnabend, dem 24. Mai 1986, gingen wir wie benebelt mit drei Koffern zum Rostocker Hauptbahnhof, um den Zug nach Lübeck zu nehmen, der gegen 9 Uhr abfuhr. Angekommen auf dem Bahnsteig bemerkten wir jedoch, dass Nadine nicht mehr bei uns war und begannen, von Angst gepackt nach ihr zu suchen. Kurz vor Abfahrt des Zuges kam eine Frau mit unserer Tochter angelaufen. Nadine war fasziniert vor einem blinkenden Fahrscheinautomaten stehengeblieben und hatte uns deshalb in der Bahnhofshalle verloren. Die Anspannung war groß. Für einen Moment hatten wir und unsere Begleiter Nadine aus den Augen verloren. Jetzt fiel uns ein Stein vom Herzen. Die Situation war verwirrend: " Woher wusste diese Frau, zu welchem Bahnsteig Nadine musste? " Der Rostocker Hauptbahnhof war an diesem Samstag voller Menschen. Wahrscheinlich wurden wir von der Stasi begleitet.

Unsere Fahrkarten der " Deutschen Reichsbahn " , wie sie in der DDR noch hieß.

Wir hatten Plätze in der ersten Klasse reserviert. In dem Abteil nahm mit uns eine Frau im Lodenmantel Platz, die zu Besuch in der DDR war und im Zug ihre Papiere ordnete. Kurz vor der Grenze entdeckte sie bei sich noch DDR-Geldscheine. DDR-Währung durfte nicht ausgeführt werden, das war ein Devisenvergehen. Erschrocken schaute sie sich um und meinte, ob wir das Geld nicht gebrauchen könnten. Für die Frau aus dem Westen waren wir DDR-Bürger. Dankend lehnten wir das DDR-Geld ab.

Am Grenzübergang Herrnburg kam der Zug zum Stehen. Nadine war zum ersten Mal im Besitz eines eigenen Ausweises, den sie den Grenzsoldaten stolz zeigte. Der Zoll schaute sich unsere Ausfuhrlisten an, wollte aber nichts überprüfen. Wir hörten lautes Bellen, Hunde liefen unter dem Zug durch, um Flüchtlinge aufzuspüren. Nach einer knappen Stunde setzte die Bahn sich wieder in Bewegung und durchfuhr langsam die Grenzanlagen. Es war ein trüber Sonnabend, aus dem Fenster sahen wir in einem Gewerbegebiet parkende Autos, Westautos.

Aus Akten der Bundesbehörde für die Stasiunterlagen geht hervor, dass man für uns am 20.8.1982 eine Akte bei der Hauptabteilung XX/5 und XX/4 angelegt hatte und uns von diesem Moment an beobachtete. Die Abteilung XX/5 des Ministeriums für Staatssicherheit war zuständig

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