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Mein Leben - ein Tanz Biografie einer Vertriebenen von Sigmund, Helga (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.12.2013
  • Verlag: novum pro Verlag
eBook (ePUB)
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Mein Leben - ein Tanz

Helga Sigmund kommt als quicklebendiges Kind nach dem Ersten Weltkrieg in Brünn zur Welt. Nur wenige Wochen nach der Hochzeit wird ihr Mann zum Militär einberufen und die großen Städte werden erbarmungslos bombardiert. Auf Anordnung des Staates verlässt sie mit ihrem Sohn, der 1942 auf die Welt kam, Dresden und zieht zu ihrem Vater zurück ins Sudetenland. Doch der Frieden ist nur von kurzer Dauer. Auch hier fallen Bomben. Sie und ihre Familie werden unter tragischen Geschehnissen vertrieben und nur durch die Hilfe eines russischen Offiziers gelingt ihr die Flucht nach Österreich. Doch auch hier erwartet sie zunächst kein einfaches Leben und nur ihre Leidenschaft für den Tanz gibt ihr Hoffnung in den schweren Zeiten. Helga Sigmund wurde 1920 in Brünn geboren. Sie erlernte und übte die Berufe der Schneiderin, Gymnastiklehrerin und der Technischen Zeichnerin aus. Während der Kriegsjahre heiratete sie und gebar ihr erstes Kind in Dresden. Nach der Vertreibung aus dem Sudetenland baute sich Helga Sigmund eine neue Existenz in Österreich auf.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 310
    Erscheinungsdatum: 02.12.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783990381199
    Verlag: novum pro Verlag
    Größe: 1200 kBytes
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Mein Leben - ein Tanz

Prolog

Es gibt ihn nicht mehr, den Salzburger "Schnürlregen", der wochenlang vom Himmel fiel, der die Gemüter verstimmte, der sie zur Verzweiflung brachte, wenn sie vergebens in den Himmel sahen, um ein wenig Blau zu entdecken, der sie der Freude beraubte, wenn sie in Vorfreude eines Urlaubs gedenken wollten. Genau wie in anderen Gegenden wechselt das Wetter nach Tagen wieder in Sonnenschein. Heute war kein schöner Tag. Es war Winter und das heftige Schneetreiben mit eisiger Kälte verbannte uns in unser gemütliches Wohnzimmer, wo wir auf der Bank vor unserem Kachelofen saßen, der so wohlige Wärme unserem Rücken gab, wenn wir den Schneeflocken zusahen, wie sie an die Fensterscheiben klatschten und zu Wasser geschmolzen an dem Glas herunterliefen. Die Scheiben waren trüb, das Hinaussehen machte Schwierigkeiten, verzerrte alle Bilder. Nur flüsternd regte sich im Moment ein Wind, doch rascher, als wir dachten, verwandelte er sich in einen peitschenden Sturm. Meine Kinder, Udo und Jutta, saßen neben mir, als sich meine Gedanken zurück in meine Heimat verirrten und ich ihnen erzählte, um wie viel rauer und ungastlicher das Wetter dort, im Sägewerk meines Vaters, im Sudetenland, war.

Sobald es draußen kalt wurde, saßen wir gerne auf dieser Bank hier, mit Fotoalben in der Hand, in welchen Bilder aus meinen jungen, längst vergangenen Jahren zu sehen waren. Es waren wenige Bilder, welche ich über den Krieg retten konnte. Einige schenkte mir meine Mutter, einige meine Verwandten, andere wurden mir von Bekannten überlassen, welche ich in späteren Jahren in meine Alben klebte. Es waren Bilder, welche die Erinnerung an schöne und bittere Erlebnisse wieder in mir weckten und wach hielten.

"Wer war das, wann war das, wie und wo war das?" Immer mehr und mehr Fragen wurden mir gestellt. Mir rauschte der Kopf wie ein Wasserfall vor so viel Neugierde und Wissensdurst. Weil meine Vergangenheit für meine beiden Kinder, meinen Sohn Udo und meine Tochter Jutta, teils lustig, teils verwegen, oft interessant und durch den Krieg schrecklich aufregend war, drängten sie mich immer wieder, davon zu erzählen, aber ihre Neugierde konnte nie gestillt werden.

In Gedanken versunken, schweiften meine Erinnerungen plötzlich weit ab von dem jetzigen Geschehen. Das momentane Schneetreiben erinnerte mich an längst vergangene Tage, und vor mir wurden Bilder wach, die längst vergessen waren. Ich wurde gedrängt, zu erzählen, denn anscheinend merkten meine beiden an meinem verträumten Gesichtsausdruck, dass sich meine Gedanken in eine andere Richtung verirrt hatten. Nur bruchstückweise kamen meine Erzählungen aus meinem Mund und der Schnee, der unentwegt draußen fiel – es war wirklich ein trostloser Tag – nahm kein Ende. Gleich einem Zuckerhut türmten sich die Schneemassen über unserem Gartenhaus und meine Gedanken waren nicht mehr in der Gegenwart, sie gingen zurück in meine Heimat, in welcher das Klima nicht mit dem hiesigen vergleichbar war. Der Wind wurde dort schnell zu Sturm, die Schneeflocken zu Hagelkörnern, die Gewitter tobten wie die Brandung am Meer, dass einem die Worte fehlten, um jemanden eine geringe Vorstellung der Wetterkapriolen zu machen. Meine Kinder fanden meine wenigen Beschreibungen faszinierend und um ihrem Drängen nachzugeben, entschloss ich mich, weiter aus meinem Leben zu erzählen:

Die Gegend, wo mein Vater arbeitete, lag zwischen der Wasserscheide – March und Oder. Vielleicht war dies der Grund, dass es hier immer raue und stürmische Winde gab. Jeden Augenblick konnte sich das Wetter ändern. Der

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