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Meine kleine Handvoll Leben Unser Baby kam viel zu früh auf die Welt von French, Kelley Benham (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.08.2016
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Meine kleine Handvoll Leben

Das Ehepaar Thomas und Kelly Benham French wünscht sich nichts sehnlicher als ein Kind. Nach mehreren Fehlgeburten kann Kelly mithilfe einer Eizellenspende schwanger werden, doch ihr Körper stößt auch dieses Kind ab. Juniper kommt nach nur 24 Wochen Schwangerschaft zur Welt - viel zu früh, kaum lebensfähig, wahrscheinlich schwerstgeschädigt - die Ärzte geben kaum Hoffnung.

Die ersten sechs Monate auf der Frühchenintensivstation kämpfen ihre Eltern um ihr Leben, und mehr als einmal stehen sie vor der schweren Frage, ob es gnädiger wäre, ihr Kind seinem Schicksal zu überlassen?

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 12.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732513130
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: The Zero Zone
    Größe: 759kBytes
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Meine kleine Handvoll Leben

1. Das Reich der vereitelten Schöpfung Kelley

Nicht immer sollten gefallene Geschöpfe gerettet werden. Das war mir immer bewusst. Und trotzdem. Als ich vierzehn war, brachte mir eine Freundin ein Vogelküken, streckte es mir auf der Hand entgegen. Auf der Pferdeweide in Florida, wo wir unsere Tage verbrachten, hatte sie es unter Kiefernnadeln entdeckt. Ihre Mom erlaubte nicht, dass sie es mit nach Hause brachte.

Sein kleiner Körper erinnerte an ein mit Reispapier umhülltes bläuliches Häufchen aus Zweigen, geädert und mit weißem Flaum überpudert. Sein Wackelkopf schwankte auf einem dünnen Hälschen, und die wie zugeschweißt wirkenden Augen glotzten blind. Der Mund war ein einziger klaffender Schlund, der große Not verhieß.

Das Vögelchen war exotisch, aufregend. Schon vorher hatte ich die nackten Rattenbabys in unserem Komposthaufen vor der drohenden Schaufel meines Vaters verteidigt oder um das Leben der Waschbärenfamilie auf unserem Dachboden gebettelt. Verschiedentlich hatte ich auch streunende Kätzchen in der Garage, Welpen im Wohnzimmer und Kaninchen auf der hinteren Veranda aufgezogen. So dass ich an jenem Tag, als meine Mutter mich abholte und ich mit meiner Schuhschachtel in ihren alten roten Ford Falcon stieg, nicht auf Einwände gefasst war. Meine Eltern waren bestimmt keine perfekten Menschen, aber sie hatten mir - ob nun in voller Absicht oder vor lauter Erschöpfung - stets Freiräume zum Erkunden und Ausprobieren gelassen.

Ich beendete damals gerade mein erstes Highschool-Jahr, war schüchtern und häufig allein. Ich wusste, dass dieser Vogel eigentlich nichts Besonderes war. Und doch zuckte sein Herz in meinen Händen. Ich trug ihn ins Wohnzimmer und setzte ihn in ein altes gesprungenes Aquarium, das ich in der Garage gefunden hatte. Dann legte ich einige Zweige von der Magnolie in unserem Hof dazu - ein etwas jämmerlicher Versuch, seine Umgebung ein wenig natürlicher erscheinen zu lassen.

Sehr wahrscheinlich hat mich damals jemand gefragt, was das Ganze eigentlich solle. Denn auch wenn ich ihn rettete, konnte er nicht wie ein Sittich bei uns im Haus leben, und einfach davonfliegen konnte er auch nicht. Doch solche Bedenken waren mir noch fremd. Ich weichte Hühnerfutter in warmem Wasser ein und bot es ihm alle zwei Stunden mit einer Futterspritze an. Mit fröhlichem Gluckern glitt es seinen Hals hinunter. Ich spürte die Kluft zwischen Wildheit und Zivilisiertem. War nicht auch ich selbst - wie ich ständig an unsichtbare Grenzen stieß und mir die Gestalt der Welt erst ertasten musste - nur notdürftig zivilisiert? Ich fühlte mich hilflos auf den Schulkorridoren, ratlos angesichts meiner zu großen Zähne, meiner widerspenstigen Haare und meines Vaters, der die Rattenbabys im Komposthaufen enthauptete, mit ballernder Jagdflinte die Waschbären vom Dachboden vertrieb, der meine Welpen verkaufte, meine Kaninchen weggab und meine Kätzchen ins Tierheim schaffte.

Das winzige Leben dieses Vogels lag, was immer auch daraus werden mochte, in meiner Hand. Ich würde es beschützen, solange ich konnte. Am nächsten Tag teilten sich langsam seine wimpernlosen Lider. Das Erste, was er sah, war ich, die ihn durchs Glas des Aquariums hindurch anstarrte.

Der Vogel wuchs und gedieh. Büschelweise sprossen ihm Federn. Und er verwandelte sich in einen schlauen, quäkenden Blauhäher. Er lebte in meinem Zimmer, weit genug vom Hauptwohnbereich des Hauses entfernt, so dass ich eine Weile ungestraft davonkam. Oft hockte er auf meinem Deckenventilator, unter den ich, um die Vogelkacke aufzufangen, die täglich erscheinende St. Petersburg Times platzierte. Jeden Morgen landete er auf meinem Kinn und tippte mit seinem Schnabel an meine Nase. Aufwachen. Aufwachen. Aufgewacht! Er trank Cola vom Rand meiner Dose. Er pickte am Vogelfutter oder an Resten meines Abendessens herum, das ich häufig allein in meinem Zim

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