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Miss Guggenheim Sie lebte die Liebe und veränderte die Welt der Kunst von Hayden, Leah (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.08.2020
  • Verlag: Aufbau Verlag
eBook (ePUB)

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Miss Guggenheim

'Ich war eine befreite Frau, lange bevor es einen Namen dafür gab.'. Lissabon, 1941: Endlich gelingt es Peggy Guggenheim und ihrer neuen Liebe, dem Maler Max Ernst in die USA auszureisen. Doch kaum angekommen, wird Max als Enemy Alien verhaftet, und Peggy fürchtet, dass ihr Geliebter nach Deutschland zurückgeschickt werden könnte. Zugleich setzt sie alles daran, ihren großen Traum zu verwirklichen: ein eigenes Museum, in dem sie ihre Sammlung der europäischen Moderne ausstellen will. Doch die Widerstände, gegen die Peggy zu kämpfen hat, sind groß, und ihre Liebe zu Max droht daran zu scheitern ... Ein einmalig berührender Roman über Peggy Guggenheim - die faszinierende und mutige Galeristin, die der abstrakten Kunst zum Durchbruch verhalf

Leah Hayden studierte Germanistik, Politikwissenschaft und Philosophie in Heidelberg und den USA, wo sie lange Zeit in der Nähe von New York lebte. Durch ihren Onkel, der Maler war, spürte sie schon früh die Faszination der Welt der Kunst. Heute wohnt Leah Hayden mit ihrem Mann und zwei Hunden als freie Autorin in Salerno bei Neapel. Für die Recherche zu diesem Roman kehrte sie nach New York zurück und erlebte die Stadt aus dem Blickwinkel Peggy Guggenheims noch einmal ganz neu.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 448
    Erscheinungsdatum: 18.08.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841225849
    Verlag: Aufbau Verlag
    Größe: 2394 kBytes
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Miss Guggenheim

1

Der Hang wurde immer steiler, und Peggy atmete schwer. Jetzt machte der Weg eine Biegung. Sie blieb stehen. Zu ihrer Rechten fiel die mit niedrigen Pinien bewachsene, steinige Landschaft zum Meer hin ab. Peggy konnte sich kaum sattsehen: das helle Grau der Felsen, das satte Grün der Bäume und dahinter das dunkelblaue Meer ... Tief sog sie die würzige Luft ein. Wilder Thymian, Rosmarin und Lavendel. Wie sie diese Küste liebte! Peggys Blick wanderte weiter an den steil abfallenden Felsen entlang und glitt über die leuchtend weiße Stadt. Um diese Uhrzeit döste Marseille schläfrig in der kräftigen Mittagssonne, nur ein graues Kriegsschiff im Hafen erinnerte daran, dass der friedliche Eindruck täuschte. Peggy riss sich von dem Anblick los, sah auf die Uhr und erschrak. Sie war viel zu spät! Sandiger Staub wirbelte auf, als sie schnellen Schritts der Straße folgte. Jetzt konnte es nicht mehr weit sein. Hier, vor den Toren Marseilles, lag die Villa Bel Air, wo sie eigentlich schon vor fünf Minuten einen Termin gehabt hätte. Aber ihrer Meinung nach wurde Pünktlichkeit ohnehin überschätzt. Sie lächelte bei dem Gedanken. Es gab nicht viele in ihrer Familie, die das ähnlich sahen.

Jetzt lag die Villa vor ihr. Ein solider dreistöckiger Bau mit großen Fenstern, eingefasst von einem Garten und hohen Platanen. Die Gartenpforte öffnete sich quietschend, und sie trat ein. Der Garten war verwildert, unter ihren Schuhen knirschte der von Unkraut durchwachsene Kies. Von der rötlichbraunen Fassade des Hauses und seinen grünen Fensterläden blätterte der Putz. Mit einer Hand strich sich Peggy den knielangen Rock glatt, während sie mit der anderen die Glocke läutete. Sie musste nicht lange warten.

»Peggy!« Ein schlanker, dunkelhaariger Mann mit runder Brille öffnete die Tür. »Kommen Sie rein. Wir haben Sie schon erwartet.«

»Ich hatte unterschätzt, wie lange ich bis hierher brauchen würde.« Peggy lächelte entschuldigend, und Varian Fry lächelte zurück.

»Wir haben hier nichts so viel wie Zeit.«

Peggy wusste, was er meinte.

»Max erwartet Sie schon. Ich glaube, er ist im Garten. Einen Augenblick.« Fry ließ sie in der düsteren Eingangshalle allein. Peggy näherte sich dem Spiegel über einem steinernen Kamin und musterte sich. Für eine Frau knapp über vierzig sah sie jung aus. Die schwarzen Haare fielen ihr bis kurz über die Schultern, Gesicht und Arme waren sonnengebräunt, was gut zu ihren dunkelbraunen Augen passte. Auch ihre etwas zu große Nase wirkte im düsteren Licht der Vorhalle weniger auffällig. Peggy strich sich eine Strähne aus der Stirn. Wenn ihre große Schwester Benita sie so gesehen hätte! Die schlichte Kleidung, die einfache Halskette, der gelbe Staub auf den ausgetretenen Schuhen mit den niedrigen Absätzen ... So kleidete sich keine Guggenheim. Aber ihre Lieblingsschwester war tot, gestorben bei der Geburt ihres Kindes, und Peggy selbst legte keinen Wert auf teure Kleidung oder Schmuck. Sie brauchte ihr Geld für anderes. Für Kunst ...

»Kommen Sie, Peggy, ich habe ihn gefunden.« Fry war zurückgekehrt und begleitete sie durch einen großen Speisesaal hinaus in den Garten.

Max Ernst stand unter einer der großen Platanen an seiner Staffelei. Er wandte ihnen den Rücken zu.

»Er arbeitet ununterbrochen. Angeblich, um sich davon abzulenken, dass ihm der Magen knurrt. Unsere Rationen sind knapp bemessen.« Fry lachte, doch Peggy wusste, dass es kein Scherz war. Sie berührte kurz Frys Arm, dann stieg sie die steinernen Stufen in den Garten hinunter. Sie trat vorsichtig auf, um ihn nicht zu stören.

»Ich weiß, dass Sie da sind.« Max setzte einen letzten Akzent, stellte den Pinsel in einen Becher mit Terpentin und drehte sich um.

Peggy reichte ihm die Hand. »Herr Ernst, ich wollte Sie nicht unterbrechen.«

»Das haben Sie nicht. Wir waren verabredet, und ...«, er sah auf die Uhr, »Sie haben mir schon mehr Zeit gelassen als erwartet.«

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