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Mit mir an meiner Seite Die Stimme in meinem Kopf, meine Zwangsneurosen und ich von Bailey, Lily (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.07.2018
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Mit mir an meiner Seite

Wie alle kleinen Mädchen hat Lily eine beste Freundin. Leider existiert diese aber nur in ihrem Kopf. Unablässig grollt ein wahres Denkgewitter in Lily, ihre kleine Freundin zischt ihr Befehle zu, sie hält sie dazu an, sich jeden Tag hundertmal die Hände zu waschen, sie tadelt und schikaniert sie, sie ist wie ein böser Geist, der von ihr Besitz genommen hat. Bis ihr Leben fast nur noch aus Zwangshandlungen besteht - und sie sich endlich Hilfe sucht. Mit dem Humor der heute (fast) Geheilten erzählt Lily Bailey ihre eigene Geschichte.

Lily Bailey ist Model und Autorin. Sie fing 2012 an zu schreiben, als sie eine Nachrichtenseite für lokale Medien betreute und über Mode berichtete. Als Kind und Jugendliche litt Lily unter schlimmen Zwangsstörungen, die in Fachkreisen als OCD

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 27.07.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732555765
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: Because we are bad. OCD and a girl lost in thought
    Größe: 1026 kBytes
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Mit mir an meiner Seite

4
Neue Schule

Wir machen einen Neuanfang. Es ist unser erster Tag in Buxton House. Das Handbuch sagt, dass man marineblaue oder rote Haargummis tragen muss oder rote Bänder, wenn man mag. Wir haben keine roten Haarbänder, und deshalb macht Mum uns Rattenschwänzchen und nimmt die roten Bänder von unseren Schoko-Osterhasen. Wir tragen ein blau und weiß gestreiftes Kleid mit einer roten Strickjacke, einen Strohhut, weiße Socken und Schnallenschuhe.

An dieser Schule funktionieren die Dinge anders. An der alten Schule sind die Kinder über den Schulhof zum Gebäude geströmt, haben sich gegenseitig auf den Rücken geklopft, Murmeln getauscht und geschwatzt. Aber hier fährt man im Auto durch das große Tor, und die Direktorin steht an der Tür. Man muss ihr die Hand schütteln und "Guten Morgen, Mrs Woodson" sagen.

Aus irgendeinem Grund weiß Mrs Woodson, wer wir sind. Vielleicht liegt es daran, dass wir mitten im dritten Schuljahr an dieser Schule anfangen, sodass wir das einzige neue Mädchen sind. Sie bittet ein vorbeigehendes Mädchen, Fiona, uns zu unserem Klassenzimmer im obersten Stockwerk zu bringen. Fiona blickt stur geradeaus und spricht nicht mit uns, bis wir vor dem Klassenzimmer angekommen sind. Dann hakt sie sich bei uns ein und schleift uns lächelnd durch die Tür: "Guten Morgen, Miss Hodge. Lily ist die neue Schülerin in Ihrer Klasse. Mrs Woodson hat mich gebeten, sie herzubringen. Lily, ich wünsche dir einen schönen Tag."

Elf Köpfe wenden sich uns zu, und wir fragen uns, warum die Klasse so klein ist. Sind die anderen Kinder vielleicht noch nicht angekommen?

"Hallo Lily, schön, dich kennenzulernen. Sagt alle: 'Guten Morgen, Lily'. Lily, leg deinen Hut in diese Kiste." Miss Hodge zeigt auf eine Kiste voller Strohhüte.

Wir nehmen unseren Hut ab, und alle fangen an zu lachen.

Scarlett, die neben uns sitzt, flüstert uns ins Ohr: "Es sind die Bänder. In deinem Haar. Ich weiß, dass es so im Regelbuch steht, aber niemand hier trägt rote Bänder in den Haaren."

Unser Gesicht wird röter als die dummen Lindt-Bänder. Wir drehen uns um, um aus der Klasse zu gehen, damit wir sie herausreißen können, aber Miss Hodge fragt: "Lily, wo willst du denn hin?"

"Ähm, auf die Toilette?" Alle lachen. Ein Mädchen in der ersten Reihe erklärt: "Man muss fragen, wenn man gehen möchte. Und außerdem heißt es Klo. Nur gewöhnliche Leute sagen Toilette."

Jetzt können sie sich gar nicht mehr einkriegen.

Der Lärm ist zu laut für unseren Kopf.

"Ruhe bitte! Egal wie du es nennen möchtest", sagt Miss Hodge, wobei ihr Gesichtsausdruck freundlicher wird. "Maddie hat recht. Du musst um Erlaubnis bitten, wenn du den Klassenraum verlassen möchtest."

Sie erlaubt uns zu gehen. (Wozu also das ganze Theater?) Wir finden das Klo, schmeißen die Bänder weg und binden uns einen Pferdeschwanz. Wir wiederholen:

Neuanfang.

Neuanfang.

Neuanfang .

Um 11.30 Uhr haben wir Sport. Während wir uns umziehen und dabei herauszufinden versuchen, ob das B auf die Vorder- oder Rückseite unseres Sporttrikots gehört, hüpft Scarlett herum und sucht nach einem Socken. "Ich bin immer die Letzte, die fertig wird!", sagt sie und grinst.

Sie kann keine Schleife binden.

"Soll ich dir helfen?", fragen wir. Scarlett sieht erfreut aus.

Wir hocken uns hin und versuchen uns zu konzentrieren. Wir finden Schleifebinden auch schwierig, aber wir wollen es richtig machen, damit Scarlett unsere Freundin wird. Zwei Minuten später haben wir es geschafft. Wir stehen auf.

"Sollen wir gehen?"

Scarlett macht einen Schritt vor und stolpert. Oje; wir haben aus Versehen ihre Schuhe zusammengebunden. Jemand hat sich wehgetan, und es ist unsere Schuld. Wir wussten schon immer, dass wir ein schrecklicher Mensch sind, und nun ist es wahr geworden.

Scarlett kauert am Boden, schaukelt hin und her und gibt se

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