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Mit Mutter ans Meer Für alle Frauen, die ihre Mutter lieben und sie dennoch oft zum Mond schießen könnten von Einhart, Edith (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.04.2014
  • Verlag: Diana Verlag
eBook (ePUB)
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Mit Mutter ans Meer

Ich schaue in den Spiegel und sehe meine Mutter
Warum tun Mütter so, als könnten sie kein E-Ticket ausdrucken, verabscheuen Wasserhähne mit Bewegungsmeldern und reisen nur mit Schirm? Warum plaudern Mütter so gern mit wildfremden Menschen und hören der eigenen Tochter nicht zu? Während der einwöchigen Reise mit ihrer Mutter muss Edith Einhart so manches aushalten. Wie jede Frau kennt sie die nervigen Auseinandersetzungen, spürt, wie alte Wunden aufreißen, und kann sich oft selbst nicht leiden. Doch während Edith noch an Flucht denkt, lernt sie ihre Mutter immer besser kennen. Unverhoffte Momente, in denen beide sich vorsichtig einander anvertrauen, lassen diese Reise zum Erlebnis werden ...

Edith Einhart, geboren 1969 in München, ist Journalistin und Buchautorin ('Die Champagnerkönigin', 'Kleine Liebesschule für Frauen', 'Die Todesgärtnerin'). Sie arbeitet derzeit bei der 'freundin' in München.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 29.04.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641131876
    Verlag: Diana Verlag
    Größe: 368 kBytes
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Mit Mutter ans Meer

Tag 2 – Sonntag

"Sag ihm, wir sind Schwestern!"

Meine Mutter legt viel Wert auf ihr Aussehen, flirtet gern und will auf gar keinen Fall als Neunundsechzig jährige identifiziert werden. Ich frage mich, wie gut ich selbst mit dem Älterwerden klarkomme und ob die ersten Wehwehchen für immer bleiben und alles nur noch schlimmer wird.

K iek mol, das Licht! Ein wundervoller Sonnenaufgang war das heute", sagte der Hotelhausmeister am anderen Morgen. Wir standen vor dem Abstellraum für die Leihfahrräder. Der Hausmeister war ein kleiner schmächtiger Mann in den Sechzigern mit leicht geröteten Augen. Vermutlich trank er gern den einen oder anderen Schnaps.

"Haben wir hier auch nicht alle Tage", plauderte er mit norddeutschem Akzent weiter.

Ich verstand ihn gut. Mein Großvater mütterlicherseits, der wie meine Mutter in Heiligenhafen aufgewachsen war, hatte zeitlebens Plattdeutsch gesprochen.

"Haben Sie den herrlichen Sonnenaufgang nicht gesehen?"

Nein. Hatte ich nicht.

Ich hatte den ersten Sonnenaufgang am Meer seit Jahren ver schlafen. Schuld war Heidi, meine Mutter. Schließlich hatte sie kurz vor zehn das Licht ihrer Nachttischlampe ausgeknipst ... Egal.

Der Hausmeister zeigte mir einige Fahrräder, und ich suchte für meine Mutter das mit dem niedrigsten Sattel aus. Ein Rad mit kleinerer Rahmenhöhe war nicht mehr da, und ich konnte ihr schlecht ein Kindermodell andrehen. Obwohl sie etwas größer ist als ich, fühlt sie sich sicherer, wenn sie mit den Füßen auf den Boden kommt.

Nachdem ich auch für mich ein passendes Rad entdeckt hatte, schob der Sonnenaufgangsenthusiast die beiden Bikes vor die Garage. Vorsichtshalber probierte ich die Bremsen aus, schließlich wollte ich nicht, dass meine Mutter versehentlich in die Dünen rauschte. Sie funktionierten leidlich, aber für ihr Tempo musste es reichen. Das Vorderlicht hatte, soweit ich das bei dem Sonnenschein ausmachen konnte, auch einen Wackelkontakt. Aber bis der Hausmeister das repariert hätte, wäre die Woche vermutlich herum. Und im Dunkeln würde meine Mutter ohnehin nicht radeln. So früh, wie sie in die Federn kroch.

Dagegen war ich heute erst um neun aufgewacht, im wahrsten Sinn des Wortes leicht gerädert. Die Vorhänge waren schon zurückgezogen, und das Nächste, was ich gesehen hatte, waren die nackten Brüste meiner Mutter. Rasch schloss ich meine Augen wieder, dann versuchte ich sie noch einmal zu öffnen. Meine Mut ter war anscheinend schon im Bad gewesen, ich hatte, gut abgeschirmt, nichts gehört. Jetzt spazierte sie oben ohne im Zimmer herum.

"Guten Morgen, Mädschi! Heute wird es ein herrlicher Tag! Es ist übrigens Viertel nach neun. Gleich gibt's Frühstück", rief sie.

Ob sie sich dann anzog?

Oh, bitte!

Doch davon konnte keine Rede sein. Meine Mutter fühlte sich offensichtlich ganz wie zu Hause, sie hantierte auch oben ohne in der kleinen Küche herum. Ich nutzte die Gelegenheit, mich anzuziehen. Ich musste hier raus.

Jetzt.

Sofort.

"Ich geh zum Bäcker, Mama. Frische Brötchen holen, ja?"

"Aber bleib nicht so lange weg, der Kaffee wird sonst schal!"

Am liebsten hätte ich am Strand gefrühstückt, mit einem Papp becher-Cappuccino, einer eiskalten Cola light, einem Croissant und der ersten Zigarette des Tages. Und das würde ich auch tun. Wenn auch nur für zehn Minuten, weil meine Mutter und der Kaffee nicht länger warten konnten.

"Ich mach uns in einer Viertelstunde ein

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