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Mtitos Weg in die Freiheit Die Geschichte einer Freundschaft in Afrika von Grosse-Woodley, Nana (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.11.2014
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Mtitos Weg in die Freiheit

Leoparden gehören zu den gefährlichsten Raubtieren Afrikas und gelten als unzähmbar. Als Ranger des Tsavo Nationalparks Nana Grosse-Woodley ein verwaistes Leopardenbaby bringen, steht sie vor einer schweren Entscheidung: Will sie wirklich ihre nächsten drei Lebensjahre vollständig in den Dienst der kleinen Raubkatze stellen, um sie auf ein eigenständiges Leben im Busch vorzubereiten? Und wäre sie in der Lage, das Leopardenkind vor den lauernden Gefahren durch andere Raubtiere und Wilderer zu beschützen? Nana Grosse-Woodley nimmt die Herausforderung an. So beginnt ein großes Abenteuer - und die Geschichte einer wunderbaren Freundschaft.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 397
    Erscheinungsdatum: 14.11.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838758763
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 29330 kBytes
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Mtitos Weg in die Freiheit

3

Erste Begegnung

Unruhig schaute ich aus dem Fenster meiner Unterkunft auf dem Wilson Airport am Stadtrand Nairobis und sah den laut brummenden Buschflugzeugen zu, die zum Greifen nah auf der Landebahn direkt vor meinem Zimmer aufsetzten. Hier war ich unzählige Male zuvor mit meinem Mann Danny gelandet und gestartet, wenn wir für Einkäufe aus unserem Paradies in den Moloch der kenianischen Hauptstadt reisen mussten und im Aero Club wohnten.

Heute jedoch, am 10. Februar 2002, wartete ich nicht auf die alte Maschine am Himmel, sondern auf unseren Geländewagen, mit dem Danny Hunderte Kilometer östlich von hier zu mir aufgebrochen war. Während ich noch zu Besuch bei Freunden in Nanuyki am Mount Kenya weilte, hatte er mich an diesem Morgen am Telefon mit der Nachricht überrascht, dass Ranger im entfernten Tsavo Park ein verwahrlostes Tierkind gefunden hatten. Umgehend waren wir uns einig, uns so schnell wie möglich in Nairobi zu treffen, um den Findling von einem Tierarzt in der Metropole untersuchen zu lassen.

Denn bei uns zu Hause, in der Wildnis der Savanne, gab es keinen Veterinär. Möglicherweise hätte das hilflose Tier dort ohne medizinische Betreuung keine Überlebenschance gehabt. Nun endlich, fünf Stunden nach dem Gespräch mit Danny, erkannte ich am unverkennbar lauten Heulen unseres Geländewagens, dass er angekommen war - mit seinem vierbeinigen Passagier im Gepäck.

"Hier ist der Wildfang", rief mir Danny zu und stellte einen verschlossenen Korb vorsichtig auf den Tisch unseres Zimmers.

"Ich bin ja so gespannt!", sagte ich und begann gleichzeitig, den zugebundenen Korb zu öffnen. "Das muss ja ein Winzling sein", meinte ich, und schon schob sich mir ein gefleckter Fellball entgegen, der leise Töne von sich gab, die man durchaus als zaghaftes Fauchen bezeichnen konnte.

"Der ist ja hinreißend!", rief ich.

"Pass auf, das Kerlchen ist ziemlich kratzbürstig", warnte mich Danny.

Langsam ertastete ich die scharfen Krallen, und dann zeigte mir der Kleine auch schon leise fauchend seine spitzen Zähnchen. Viele schwarze Punkte auf hellbraunem Fell - sein Fleckenmuster verriet mir gleich: Es war ein Leopardenbaby! Ich blickte in seine blauen, milchigen Augen, die mich wie die Knöpfe im Gesicht eines Stofftieres anschauten: einfach umwerfend. Vorsichtig hob ich die kleine Raubkatze hoch, um sie mir genauer anzusehen.

Bei der Berührung des Tieres erschrak ich jedoch. Das Fell fühlte sich hart und struppig an, ich spürte die Knochen des dünnen Körpers. Unübersehbar zeigten sich nun auch Wunden am Hals und der Schulter und eine Schramme am Unterkiefer. Der kleine Kerl wirkte verwahrlost, schwach und hilfsbedürftig.

"Wo haben die Ranger ihn denn gefunden?", fragte ich Danny.

"Auf der Höhe der Stadt Mtito, nicht weit von der Grenze des Tsavo-Nationalparks. Sie waren auf Patrouille gegen Wilderer, suchten wie üblich zu Fuß in Büschen und Bäumen nach illegalen Drahtschlingen und Fallen. Auf einem schmalen Pfad sind sie dann fast über den kleinen Wicht gestolpert. Er fauchte, war ganz verschreckt und blutete. Die Männer haben das einzig Richtige gemacht: ihn sofort gepackt, in einen Korb gesteckt und zu mir gebracht."

"Gut, dass du gleich mit ihm hergekommen bist. Er braucht dringend Hilfe."

Ich wusste nicht, wie lange das Jungtier nicht mehr gesäugt worden war, und das machte mir am meisten Sorgen. Kleine Raubkatzen können nach mehr als zwei Tagen ohne Muttermilch eine bedrohliche Infektion und Würmer bekommen, was dazu führt, dass sie schnell den Appetit verlieren und letztlich verhungern. Weil ich das zuvor schon bei anderen Pfleglingen miterlebt hatte, wollte ich jetzt keine Zeit mehr verlieren.

Schnell griff ich zum Telefon und wählte die Nummer einer sehr guten Tierärztin, mit der ich befreundet war und der ich zuvor schon ein Löwenbaby namens Jipe erfolgreich anvertraut hatte.

"Diesmal ein Leopard

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