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Rosenkohl im Trabi - Die Geschichte einer Bäuerin von Gruber, Roswitha (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.02.2014
  • Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
eBook (ePUB)
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Rosenkohl im Trabi - Die Geschichte einer Bäuerin

Nach der Vertreibung aus ihrem Heimatdorf in der Tschechoslowakei ist Martl gezwungen sich in der DDR ein neues Leben aufzubauen. Sie heiratet den Bauern Karl, und gemeinsam treten sie in die LPG ein. Das Paar bekommt drei Kinder und verlebt glückliche, arbeitsreiche Jahre. Dann der Schicksalsschlag: Im Alter von 42 Jahren verliert Martl ihren Mann und damit den Ernährer der Familie. Dieser Situation tritt sie mit Entschlossenheit und Tatkraft entgegen. Sie putzt jahrelang Rosenkohl, um sowohl ihre Kinder als auch Vater und Schiegermutter zu ernähren. Ihr starker Familiensinn, zahlreiche Freundschaften und ein gesunder Optimismus helfen ihr, die Zeiten der Not zu überstehen. Roswitha Gruber widmet sich der Schilderung starker Frauen mit außergewöhnlichen Lebensgeschichten. Für jeden ihrer Romane recherchiert sie ausführlich und nähert sich in langen, intensiven Gesprächen dem Schicksal ihrer Protagonistinnen an. Roswitha Gruber lebt und arbeitet in Reit im Winkl. Roswitha Gruber widmet sich der Schilderung starker Frauen mit außergewöhnlichen Lebensgeschichten. Für jeden ihrer Romane recherchiert sie ausführlich und nähert sich in langen, intensiven Gesprächen dem Schicksal ihrer Protagonistinnen an. Roswitha Gruber lebt und arbeitet in Reit im Winkl.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 27.02.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783475542305
    Verlag: Rosenheimer Verlagshaus
    Größe: 376 kBytes
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Rosenkohl im Trabi - Die Geschichte einer Bäuerin

Eine glückliche Kindheit

Heute bin ich fast neunzig Jahre alt, und wenn ich so auf mein Leben zurückblicke, muss ich sagen, es hat viele Höhen und Tiefen gehabt. Aber was auch geschah, irgendwie ging's immer weiter. Ich hatte immer Glück, und Gott hat mich nie verlassen. Dafür bin ich ihm von ganzem Herzen dankbar.

Dass ich mal Bäuerin sein werde, ist mir wirklich nicht an der Wiege gesungen worden, denn zur Zeit meiner Geburt war mein Vater als braver Arbeiter in einer großen Spinnerei in Voigtsbach im Sudetenland, im damaligen Königreich Böhmen, angestellt, wo er den Lebensunterhalt für seine Familie verdiente. Böhmen hat eine wechselhafte Geschichte: Zu jener Zeit, vor dem Ersten Weltkrieg, war es noch ein Teil von Österreich-Ungarn, und ab 1918 sollte es zur Tschechoslowakei gehören. Noch später, nach Hitlers Münchener Abkommen, wurde das Sudetenland dem deutschen Reich zugeschlagen, nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte es dann wieder zur Tschechoslowakei und heute zur Tschechischen Republik.

Obwohl wir arm waren wie die Kirchenmäuse, war ich nie unglücklich. Im Gegenteil. Ich wuchs auf in dem Bewusstsein, ein glückliches Kind zu sein. Ehe ich aber über meine Kindheit berichte, sollte ich erst ein bisschen über meine Eltern erzählen. Es war schon höchst eigenartig, wie die beiden zusammengekommen sind.

Meine Mutter, Juliane, Jahrgang 1887, und ihr Bruder Franz, nur drei Jahre älter als sie, waren bei einer Stiefmutter aufgewachsen. Ihre leibliche Mutter war nämlich bei der Geburt des dritten Kindes im Kindbett gestorben. Das arme, zu früh geborene Würmchen hat sie gleich mit in den Himmel genommen. Der Witwer aber, Franz senior, sah sich genötigt, so bald wie möglich wieder zu heiraten, um seine beiden Kinder, zwei und fünf Jahre alt, versorgt zu wissen, während er in der Arbeit war. Er musste ja das Geld herbeischaffen, damit die Familie nicht verhungerte. Bruder und Schwester hatten bei ihrer Stiefmutter jedoch nichts zu lachen. Deshalb hat Franz junior wohl die erstbeste Frau geheiratet, die ihm über den Weg gelaufen ist. Zufällig hieß diese ebenfalls Juliane.

Da Franz es mit seiner Schwester gut meinte, gab er ihr noch vor seiner Hochzeit den Rat: "Juliane, such dir so bald wie möglich einen Mann, dass du auch von zu Hause wegkommst. Denn schlimmer, als wir es daheim haben, kannst du es nicht mehr kriegen."

Aber wie findet man auf Kommando einen Ehemann? Juliane blieb vorerst gar nichts anderes übrig, als es weiter bei der Stiefmutter auszuhalten. Untätig war sie in dieser Zeit aber nicht. Im Elternhaus gab es drei große Webstühle, die tagaus, tagein klapperten. An dem einen saß die Stiefmutter, an dem anderen Juliane und an dem dritten ihr Vater, wenn er von der Arbeit in einer Weberei nach Hause kam. Aus Flachs webten sie solide Leintücher sowie feine Bettbezüge und Tischdecken. Diese verkauften sie, um die Haushaltskasse etwas aufzubessern, denn was der Vater verdiente, reichte hinten und vorne nicht. Ein Teil ihrer Erzeugnisse wanderte aber auch in Julianes Aussteuertruhe.

In ihrer äußerst knapp bemessenen Freizeit pilgerte das Mädchen immer wieder hinaus zum Friedhof im benachbarten Einsiedel, wo sich das Grab ihrer Mutter befand. Während sie mit einer kleinen Hacke die Erde auflockerte und das Unkraut wegsammelte, hielt sie stets stille Zwiesprache mit ihrer Mutter, obwohl sie sich noch nicht einmal mehr an sie erinnern konnte. Auch schickte sie immer wieder stumme Gebete zum Himmel. Danach fühlte sie sich auf wunderbare Weise getröstet, und es fiel ihr leichter, wieder in ihren Alltag zurückzukehren.

Eines Tages, als sie wieder mal ganz in die Grabpflege und die Zwiesprache mit ihr

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