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Septemberkinder von Aernecke, Susanne (eBook)

  • Erschienen: 12.03.2015
  • Verlag: DuMont Buchverlag
eBook (ePUB)
8,99 €
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Septemberkinder

2014 fährt Susanne Aernecke mit ihrer ältesten Schwester Petra auf einem Frachter nach Brasilien. Dort traf sie mit 19 Jahren zum ersten Mal ihren Vater. Der Kapitän nahm sie mit auf sein Schiff. Die sechsmonatige Reise rund um Südamerika war für die junge Frau geprägt von Exotik und Abenteuer, aber auch von Fremdheit und Annäherung an den Vater. 33 Jahre später ist die Schiffsfahrt vor allem eine innere Reise. Susanne Aernecke versucht zu verstehen, wer ihr Vater war. Woher kommt seine Getriebenheit, seine Sehnsucht nach der weiten Welt und dem Meer? Was hat seine Unruhe und Abwesenheit aus ihr gemacht? Und so wird es für Susanne Aernecke am Ende vor allem eine Reise zu sich selbst.

Susanne Aernecke studierte Sprachen und absolvierte eine Regieausbildung. Sie drehte Fernsehdokumentationen (für ARD, ZDF, Arte, 3sat, Discovery), schreibt Bücher und Drehbücher, produziert Hörbücher und synchronisiert Filme. Bislang erschienen von ihr Komm mit, ich liebe dich. Eine Abenteuerreise in die Demut Irgendwas muss dran sein. Wahre Geschichten über Begegnungen mit Gott

Produktinformationen

    Größe: 8703kBytes
    Herausgeber: DuMont Buchverlag
    Untertitel: Eine Kapitänstochter auf den Spuren ihres Vaters.
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 288
    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet
    ISBN: 9783832188566
    Erschienen: 12.03.2015
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Septemberkinder

Prolog

EIN GANZ BESONDERES FAMILIENTREFFEN

Sommer 1984. Strahlend blauer Himmel, nicht eine Wolke war zu sehen. Die Sonne brannte vom Himmel und Travemünde, die schöne Tochter Lübecks, die Perle der Ostsee, zeigte sich von ihrer prächtigsten Seite. Ich lief vom Bahnhof durch schnuckelige Altstadtgassen und dann entlang der Trave weiter in Richtung Hafen. Über mir das durchdringende Gekreische der Möwen, die sich immer wieder ins glitzernde Wasser stürzten, um einen Fisch zu fangen. Auf meinen Lippen lag ein salziger Geschmack, die Luft roch nach Meer. Ein Tag zum Heldenzeugen, hätte mein Vater wohl gesagt.

Es fiel mir immer noch schwer zu glauben, dass ich mich gerade auf dem Weg zu seiner Beerdigung befand. Alles war so schnell gegangen. Die gemeinsame Zeit mit ihm an Bord lief noch einmal wie im Schnelldurchlauf vor meinem geistigen Auge ab. Von mir aus hätte es ewig so weitergehen können. Von einem Hafen zum nächsten, sich um nichts kümmern müssen und nach 19 Jahren endlich jenen Mann kennenlernen zu dürfen, der mein Vater war. Unsere Reise dauerte nur ein halbes Jahr. Eine verschwindend geringe Zeit in seinem Leben. Der Satz, dass man immer dann aufhören soll, wenn es am schönsten ist, hat für mich noch nie Sinn gemacht. Mein Vater war eindeutig zu früh gegangen. Und irgendwie fand ich das nicht fair.

Travemünde ist Deutschlands größter und wichtigster Ostseehafen; von hier starteten auch Fähren nach Finnland, Schweden, Lettland und Norwegen. Und an diesem Tag würde von hier die Fähre in die "Anderswelt" ablegen. Es war die erste Seebestattung, an der ich teilnahm, meine erste Beerdigung überhaupt. Ich hatte keine Routine in diesen Dingen. Vielleicht tat ich mich deshalb schwer, in die "richtige" Stimmung zu kommen. Ich habe nicht einmal geweint, als Friedgund mich angerufen und mir die traurige Nachricht vom Tod meines Vaters verkündet hatte.

Der Fährableger befand sich am Ostpreußenkai. Dort entdeckte ich die Luna , einen mittelgroßen, schmucken, blau-weißen Kutter, auf dem mein Vater seine letzte Fahrt antreten sollte. Die schwarz-rot-goldene Fahne stand auf Halbmast.

Als ich über die schwankende Gangway an Bord ging, streckte sich mir eine helfende Hand entgegen. Das musste Friedgund sein, die mich für meinen Geschmack ein wenig zu überschwänglich begrüßte. Schließlich war sie gerade erst seit zwei Wochen meine neue Stiefmutter und außer jenem Telefonat hatten wir bisher keinerlei Verbindung zueinander gehabt. Die letzte Ehefrau meines Vaters war Altenpflegerin und damit aus seiner Sicht sicher eine gute Wahl. Ich schätzte sie auf Mitte vierzig, also gute dreißig Jahre jünger als meinen Vater. Vollständig in schwarz gekleidet, gab sie die perfekte Witwe. Nur das zerknüllte Taschentuch, das sie in der Hand hielt, war weiß.

Ich war ihr gegenüber einerseits skeptisch, andererseits dankbar, dass sie während seiner Krankheit und bis ganz zum Schluss an seiner Seite war. Meist sind Menschen, die in ihrem Leben oft den Partner gewechselt haben, am Ende allein. Mein Vater hatte gerade noch einmal die Kurve gekriegt.

Die Frau, mit der er eher die guten als die schlechten Zeiten geteilt hatte, ging als nächste an Bord. Eine filigrane, hübsche Person im dunklen Trenchcoat, mit einer langstieligen Rose in der Hand. Ich kannte sie von dem Foto, das er immer in seiner Brieftasche bei sich hatte. "Mücke", wie er sie nannte, war über viele Ehen hinweg die Vertraute und Geliebte meines Vaters. Friedgund würdigte sie nicht eines Blickes.

Ein lautes Lachen riss mich aus meinen Gedanken. Ich drehte mich um und blickte in ein offenes, fröhliches Gesicht, umrahmt von schulterlangen blonden Haaren. Ich musste schlucken. Das war ja ich, nur 15 Jahre älter. Es konnte sich nur um Petra handeln, die älteste Tochter meines Vaters. Sie begrüßte mich herzlich: "Barbara, lass dich umarmen!" Es war ungewohn

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