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Unser letzter Sommer mit Sophie Über das viel zu kurze Leben meiner Tochter von Barth, Renate (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.11.2018
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
8,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Ab 30.11.2018 per Download lieferbar

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Unser letzter Sommer mit Sophie

Sophie ist ein lebhaftes Kind: Sie singt, plantscht im Wasser, und am liebsten lässt sie sich vorlesen. Doch eines Tages bemerkt Renate verdächtige Knoten am Körper ihrer Tochter. Als die Ärzte eine Diagnose haben, ist es schon zu spät: Sophie leidet unheilbar an Krebs, ihr bleiben nur noch wenige Wochen. Renate verzweifelt: Sie will jetzt alles richtig machen - aber wie soll das gehen, eine Zweieinhalbjährige aufs Sterben vorbereiten? Erst Jahre nach Sophies Tod gelingt es Renate, die Zeichen der Versöhnung zu deuten, die Sophie ihr in ihren letzten Tagen gegeben hat.

Renate Barth ist Diplom-Psychologin, Familientherapeutin und Psychoanalytikerin. 1983 wanderte sie nach Australien aus. Dort bekam sie ihre Tochter Sophie, die als Kleinkind an Krebs erkrankte und starb. Renate Barth hat diverse deutsch- und englischsprachige Artikel in psychologischen und medizinischen Fachzeitschriften und Fachbüchern veröffentlicht sowie 2008 den Ratgeber WAS MEIN SCHREIBABY MIR SAGEN WILL.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 220
    Erscheinungsdatum: 30.11.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732560646
    Verlag: Bastei Lübbe AG
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Unser letzter Sommer mit Sophie

1

Den 5. November 1986 werde ich nicht vergessen. Nie mehr. Mein ganzes Leben lang nicht. An diesem Tag erfuhren Peter und ich, dass unser Kind an Krebs erkrankt war. Mit zwei Jahren und sieben Monaten.

An Krebs.

Unsere kleine Sophie, unser Sonnenschein und ganzes Glück, sollte Krebs haben. Das konnte doch gar nicht sein. Aber es war so. Und die merkwürdigen Symptome, die uns seit vielen Wochen beunruhigten, hatten plötzlich einen Namen. Aber keinen, der dem Spuk ein Ende bereitet hätte. So, wie das der Fall ist, wenn man nach einem Arztbesuch mit einem Medikament nach Hause geschickt wird oder, im schlimmeren Fall, einer Operation ins Auge blicken muss. Wir hatten jetzt zwar einen Namen für Sophies Leiden. Aber er stand nicht für Hoffnung und Heilung, sondern für Angst, Ungewissheit und Tod.

Acht Monate zuvor hatte es noch keine Anzeichen für ein drohendes Unheil gegeben. Ich lebte seit knapp drei Jahren mit Peter in seiner Heimatstadt Sydney und nahm das familiäre Glück, das ich erlebte, als etwas Selbstverständliches hin, nicht als ein kostbares Gut, das nur auf der Durchreise war und mir einen kurzen Besuch abstattete.

Die Zeit seit meiner Einwanderung aus Deutschland war schnell vergangen. Am 27. März hatten wir den zweiten Geburtstag unserer Tochter Sophie gefeiert. Noch heute sehe ich sie in ihrem weiß-rot gemusterten Kleidchen mit dem runden Kragen und den Puffärmeln vor mir stehen. Ihre schnurgeraden honigfarbenen Haare waren frisch gewaschen und so geschnitten, dass sie ihr ebenmäßiges Gesicht wie ein Bild einrahmten. Mit strahlend blauen Augen lächelte sie mich an.

"Hübsch siehst du aus", sagte ich und strich ihr über die Wange. "Jetzt können die Gäste kommen."

Da klingelte es auch schon, und Sophie sauste mit ihrem Daddy zur Haustür. Ich blickte den beiden hinterher. Peter war über ein Meter neunzig groß und sehr schlank. Sophie hatte seine Statur geerbt, genau wie Joanne, seine neunzehnjährige Tochter aus einer früheren Beziehung, die gerade eintraf und gratulierte. Als Nächstes kam Peters Mutter, Sophies Nana mit dem Silberhaar. Unsere Tochter ließ sich kurz umarmen, wandte sich dann aber gleich den kleinen Weggefährten aus der Spielgruppe zu, die in Begleitung ihrer Eltern eintrudelten. Alle hielten kleine Päckchen in den Händen.

"Geht schon mal in den Garten", rief ich den Kindern zu, als das Gedränge an der Tür zu groß wurde. Die Kleinen stürmten los. Allen voran Sophie.

Die erwachsenen Gäste sahen sich interessiert in unserem neuen Haus um. Es war schon hundert Jahre alt und etwas ramponiert. Alles musste renoviert werden. Aber Peter versicherte unseren Freunden, dass das kein Problem sei. Er würde es richten. Wichtig sei die Lage im schönen Mosman, nur wenige Autominuten entfernt von mehreren weißen Stränden, dem Sydney Harbour Nationalpark, dem Zoo und der Fähre, die in fünfzehn Minuten direkt in die City fuhr.

Dem konnte keiner widersprechen, denn Mosman gehörte zweifelsohne zu den attraktivsten Stadtteilen Sydneys.

Unsere Besichtigungstour führte über die große rückwärtige Veranda in den Garten. Dort versuchte ein kleines Mädchen gerade, zwischen den Stühlen und den mit Getränken, Obst und Kuchen beladenen Tischen Dreirad zu fahren. Ein Junge ritt ein paar Meter davon entfernt auf einem Holzpferdchen, und dazwischen liefen mehrere kleine Menschenkinder herum und untersuchten das bereitliegende andere Spielzeug. Sophie war bestens gelaunt und bewegte sich munter zwischen ihren kleinen Freunden hin und her.

Als alle Gäste versammelt waren, nahm ich sie auf den Arm, und Peter zündete die beiden Kerzen auf der mit saftigen Erdbeeren garnierten Geburtstagstorte an.

Eine für jedes Lebensjahr.

Dann sangen alle:

"Happy birthday to you,

happy birthday, liebe Sophie,

happy birthday to you."

Sophie guckte mit großen Augen in die Runde und lächelte in der ihr eigenen,

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