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Valentina Roman von Stiegler, Fritz (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.03.2015
  • Verlag: Brunnen Verlag Gießen
eBook (ePUB)
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Valentina

Nächstenliebe und Zivilcourage während des zweiten Weltkrieges Valentina, die junge ukrainische Zwangsarbeiterin, kommt 1943 ins Arbeitslager Langenzenn bei Nürnberg. Sie leidet Hunger und bekommt als Frau alle Arten von Demütigungen zu spüren, bis ihr während eines Ernteeinsatzes die Flucht gelingt. Eine beherzte Bauernfamilie gewährt der Verängstigten Unterschlupf. Valentina wird als neue Magd Irmgard ausgegeben und bleibt - trotz vieler kritischer Situationen - unentdeckt, bis die Amerikaner einrücken. Fritz Stiegler beschreibt in seinem Buch den Alltag der einfachen Leute auf dem Land in den letzten Kriegsjahren. So verschieden sie in ihrer Haltung zum Staat auch sind, die Sorge um Angehörige, der Kampf ums Überleben schweißt sie zusammen. Vor allem Marie, die Bäuerin, widersetzt sich der Nazipropaganda und tut alles, um Valentina zu schützen.

Fritz Stiegler, 1962 in Fürth geboren, lebt als Landwirt im fränkischen Gonnersdorf. Seit langem ist er in der Region als Mundartautor bekannt. Zwei Musicals entstanden nach Bearbeitungen seiner Romane.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 09.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783765571886
    Verlag: Brunnen Verlag Gießen
    Größe: 1126 kBytes
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Valentina

"L ASST SIE TANZEN !"

1. S EPTEMBER 1944

D as Licht der aufgehenden Sonne verdrängte die Dämmerung. Der wolkenlose Himmel verkündete einen schönen Tag, obwohl böiger Wind die Kiefern auf der steilen Anhöhe gegenüber hin und her wogen ließ. Er strömte herunter ins Tal, verteilte den Rauch des mächtigen Feuers über das gesamte Gelände des Arbeitserziehungslagers Langenzenn, fuhr hinein in die Baracken, die Wachhäuschen, die Unterkünfte für die Wärter. Beißender Qualm kroch in jeden Winkel, jede Ritze.

Mit jeder Ladung Stroh, die die Häftlinge aus den Unterkünften schafften und ins Feuer kippten, schoss eine weitere zischende Rauchsäule in die Höhe. Glühende Halme und Asche verteilten sich in der Luft. Wie ein Schleier lag der durchdringende Geruch menschlicher Exkremente über dem Lager.

Die Sorge, Fleckfieber könnte sich erneut ausbreiten, hatte die Lagerleitung veranlasst, die Einstreu in den Männerbaracken verbrennen zu lassen. Aufgeregte Aufseher überwachten das Geschehen, während sich das heimische Wachpersonal in die Mannschaftsunterkunft zurückgezogen hatte. Die Angst, sich selbst anzustecken, beunruhigte die Posten. Ausnahmsweise durften die Häftlinge in ihren Behausungen bleiben.

Auch in der Frauenbaracke warteten die Sträflinge hustend und mit tränenden Augen auf den Pfiff zum Appell. Reglos erduldeten sie den Rauch. Die Gefangenen verharrten in der Stille, gespannt auf das, was sie erwartete.

Nur die beiden Schwalben, seit einer Woche mit der Reparatur ihres Nestes über der Eingangstüre beschäftigt, interessierten sich nicht für den Rauch. Unentwegt sammelten sie auf den umliegenden Äckern Reste von Stroh und Heu, tauchten sie in eine der Pfützen neben dem hohen Stacheldrahtzaun und klebten die braune Masse Stück für Stück an den hervorstehenden Balken des Barackendachs. Baustein für Baustein wuchs das Nest zu einem wabenförmigen Kunstwerk heran. Es war bereits der zweite Versuch.

Nastasia, die kräftige ukrainische Aufseherin mit der tiefen Stimme, dem sonnengegerbten Gesicht und den lockigen schwarzen Haaren, hatte das unfertige Geflecht schon einmal mit dem Gummiknüppel abgeschlagen, als sie merkte, dass sich die Frauen an dem Treiben der emsigen Tiere erfreuten. Nach zwei gezielten Schlägen lag es zerbrochen am Boden, nur ein wenig zerfranstes Gewebe blieb am morschen Holz kleben. Die Schwalben aber begannen ihr Werk von Neuem.

Einige Häftlinge beobachteten die Vögel schon seit Längerem. Spätabends, wenn sie erschöpft von der Arbeit zurückkamen, freuten sie sich über das Schwalbenpärchen, über ihren unermüdlichen Eifer. Sie berieten untereinander, ob das Nest je fertig sein würde, und sie sorgten sich, ob die Tiere genug Material fänden oder ob die Pfützen wohl in der Sonne vertrockneten.

Der Rauch hatte sich verzogen. Lagerkommandant Bär, ein breitschultriger, stämmiger Untersturmführer, öffnete die Tür seiner Stube. Gähnend machte er mit seinen blank geputzten Stiefeln einen Schritt hinaus auf die schmale Veranda, kratzte sich am Kinn und strich mit der anderen Hand über die streng zur Seite gekämmten schwarzen Haare.

Tiefe Furchen durchzogen seine Stirn. Bär schien unzufrieden und missmutig. Unentschlossen verweilte er an der Schwelle und ließ seinen Blick schweifen.

Alles war ruhig. Zwei Posten mit angeleinten Hunden liefen den hohen Zaun entlang, der den Innenbereich, die Häftlingsbaracken, Appellplätze, Latrinen und Sanitärräume von dem Außenlager, dem Mannschaftsheim, der Verwaltung und den neu errichteten Werkstätten trennte.

Der Kommandant sah durch die offene Tür auf die Wanduhr über seinem mahagonifarbenen Schreibtisch. Sechs Uhr in der Früh.

Einige Male atmete er tief durch, dann stopfte er das gerippte Unterhemd in die Hose und fummelte den am Boden schleifenden Hosenträger an den Knopf. Hemd und Uniformjacke hingen zerknittert über der Stuhllehne. Auf dem Tisch st

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