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Von Zeit und Strom Vom Hunger Des Menschen in Seiner Jugend von Wolfe, Thomas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.08.2016
  • Verlag: e-artnow
eBook (ePUB)
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Von Zeit und Strom

Dieses eBook: 'Von Zeit und Strom' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Von Zeit und Strom ist der zweiter Roman des amerikanischen Autors Thomas Wolfe. Es ist eine fiktive Autobiographie und gehört zu den bemerkenswertesten Zeugnissen amerikanischer Erzählkunst des 20. Jahrhunderts. Thomas Wolfe (1900-1938) war ein amerikanischer Schriftsteller. In dem expressionistischen Dichter Hans Schiebelhuth fand er für seine ersten beiden Romane einen kongenialen Übersetzer, der dazu beitrug, dass Wolfe sich zeitweise in Deutschland höher geschätzt fühlte als in seiner Heimat. In Amerika gehörte William Faulkner, in Deutschland Hermann Hesse zu seinen Bewunderern. Aus dem Buch: 'Immens und plötzlich und mit der abrupten Nahheit, der teleskopischen Magie, mit der sich Dinge im Traum ereignen, erschien der englische Dampfer an der Küste Frankreichs; er kam näher und ragte auf mit der eigenartigen Unvermitteltheit, mit der mächtige, riesenhafte Gegenstände, die sich mit großer Geschwindigkeit fortbewegen, näher kommen und aufragen; man hatte nicht das Erlebnis der Anlaufbewegung, des allmählichen, zunehmenden Größerwerdens, es war vielmehr so, daß das Bild des Dampfers von einer Größe übergangslos in eine andre verschmolz, so, wie manchmal im Kino die Gesichter der Menschen auf der Leinwand aus der Normalgröße in einer Kette von schnellen Überblendungen in Großaufnahme übermächtig eindrucksvoll vor den Zuschauer gebracht werden, ruckweise, schußweise, so, wie der Geist aus der entstöpselten Zauberflasche im Märchen.'

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 1146
    Erscheinungsdatum: 05.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026867340
    Verlag: e-artnow
    Größe: 1616 kBytes
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Von Zeit und Strom

II
Inhaltsverzeichnis

Die Reise von dem Gebirgsstädtchen Altamont nach der Weltstadt New York, deren Turmhäuser wie Mäste auf dem Felseiland Manhattan schwanken, dauert für amerikanische Verhältnisse nicht lange. Die Entfernung beträgt etwas mehr als siebenhundert Meilen, das sind rund elfhundert Kilometer, und für diese Strecke braucht der Zug zwanzig Stunden und ein paar Minuten. Aber die Eigenschaften von Zeit und Raum sind so relativ, und die flüchtigen, von Zeit und Raum bewirkten Eindrücke werden so vielfältig faßbar, daß ein Mensch auf dieser Reise ein ganzes Leben leben kann. Er kann ein ganzes Leben leben, und an zehn Millionen anderer Leben kann er in Augenblicken teilnehmen, und die endlose Gesamtflucht jener Bilder, die die Geschichte einer Nation darstellen, kann er beobachtend an sich vorüberziehen lassen.

Zunächst einmal bieten schon Übergang und Wechsel der Umwelt dem Reisenden Seltsames und Wunderbares genug. Er steigt nachmittags in den Zug und erlebt es mit ungläubigem Staunen, daß das vertraute Gesicht seiner Heimatgegend aus seinen festumfassenden Scheideblicken entschwindet. Im Laufe des Nachmittags ringt sich der Zug, Kurve um Kurve, durchs Gebirge und schleppt sich über Pässe. Allenthalben ragen die Berge auf, mächtige Erhebungen in der Bräune und den Schmelzgluten der Herbstfärbung. Die Gipfel, einsam und wild, freudig und verwegen, werden bereits von den Vorahnungen des Winters heimgesucht. Die Talstürze mit Klammen, Klüften und Felsrinnen schießen jäh und mit schreckhafter, schwindelerregender Steile ab. Und der Zug, die ungeheure, zählebige Schlange, windet sich langsam und mühselig über Steigung und Gefälle dahin. Diese ausgesprochen mühselige Langsamkeit des Zugs und die eindrucksvolle Stummheit und Nähe der wunderbaren Berge wirken zusammen; gemeinsam bewegen sie das Gemüt des Reisenden auf eine unerklärliche Art, und er hat Empfindungen, wie sie jedermann vertraut sind, Empfindungen des scharfandringenden Schmerzes und der wilden Lust zugleich, des bekümmerten Abschiedswehs und der sieghaften Ankunftsfreude.

Der Zug schafft sich bergan, er biegt um eine Kurve, hart und metallisch klingen die kurzen Puffstöße aus dem niedern Schornstein der Lokomotive gegen das Gefäll des Felseinschnitts. Der Reisende blickt aus dem Fenster, er sieht wie Einschnitt und Abschrägung langsam vorbeiziehen; der alte Fels glänzt feucht vom Leckwasser eines begrabenen Bergquells; der Zug fährt langsam über die Überführung einer Schlucht; tief drunten sieht und hört der Reisende das felshelle Bergwasser schäumen und tosen; neben dem Gleis steht vor seiner Bahnwärterhütte ein Weichensteller und betrachtet den Zug mit dem langsamen, verwunderten Blick, der den Bergbewohnern eigen ist. Die kleine Hütte, in der der Mann wohnt, steht hart und gefährdet am Rand der abschüssigen Steile. Schlampig, das Haar glatt über den Kopf zu einem wirren Wuschel zurückgebunden, einen Schnupfstecken im Mund, ein schmutziges Kindchen auf dem Arm, steht die Frau des Bahnwärters in der Tür der Hütte; sie hat denselben hageren, harten, langsam-verwunderten Blick wie ihr Mann.

Das alles ist so nah, fern, furchtbar, schön und wirkt so unmittelbar vertraulich, daß es dem Reisenden zumute ist, als hätte er diese Bahnwärtersleute von jeher gekannt, als müsse er ihnen nun durchs Fenster des üppig-bequemen Pullmanwagens die Hand zustrecken und mit ihnen reden. Es ist ihm, als wäre - wieso weiß er nicht - das ganze bittre und wunderbare Geheimnis des Lebens in diesem Augenblick aus Gruß und Lebewohl beschlossen. Einmal hat er dies gesehen, und im Augenblick des Sehens wurde es ihm entrückt, und es gehört ihm nun auf immerdar, und er kann es niemals vergessen. Der Zug fährt an diesen Gesichtern vorbei, der Zug fährt weiter, und im Herzen des Reisenden bleibt etwas Unsägliches zurück.

Schließlich hat der Zug die letzte Steigung überwunden, auf den glänzenden Serpentinenbogen der Gleis

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