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Was mit Jodie geschah Die tragische Geschichte meines Pflegekindes von Glass, Cathy (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.02.2019
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
8,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Ab 28.02.2019 per Download lieferbar

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Was mit Jodie geschah

Als die erfahrene Pflegemutter Cathy die kleine Jodie bei sich aufnimmt, stößt sie schnell an ihre Grenzen. Die Achtjährige ist aggressiv und provokativ, verletzt sowohl Cathy als auch deren leibliche Kinder. Nachts quälen sie schreckliche Albträume und schnell wird klar, dass ihr Furchtbares widerfahren ist. Behutsam tastet sich Cathy an ihr Pflegekind heran und schafft es, in Jodie ein nie dagewesenes Gefühl zu erwecken: Vertrauen. Stück für Stück kommt so eine grausame Wahrheit ans Licht ... Cathy Glass ist das Pseudonym einer britischen Autorin und Pflegemutter, die seit über 25 Jahren besonders herausfordernde Kinder beherbergt. Nun schreibt Cathy über ihre Erfahrungen - mit großem Erfolg. Sie erfreut sich einer großen Fangemeinschaft, viele ihrer Bücher sind Bestseller.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 312
    Erscheinungsdatum: 28.02.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732561568
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: Damaged
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Was mit Jodie geschah

1

Emotionale Erpressung

Das Telefon klingelte. Jill war dran, meine Verbindungsfrau von der Vermittlungsstelle für Pflegekinder.

"Cathy, es sind nicht zwei Pflegestellen, es sind fünf", sagte sie. "Fünf, seit sie vor vier Monaten in die Pflege vermittelt wurde."

"Um Gottes willen." Ich war erstaunt. "Und sie ist gerade mal acht? Da muss ja einiges passiert sein? Was hat sie denn gemacht?"

"Ich bin mir noch nicht sicher. Aber das Sozialamt besteht auf einem Treffen, bevor das Kind zugeteilt wird, um sicherzustellen, dass sie nicht noch einmal umziehen muss. Bist du trotzdem interessiert?"

"Ich weiß nicht genug, um es nicht zu sein. Wann?"

"Morgen um zehn."

"Okay, ich seh dich dann dort. Wie heißt sie?"

"Jodie. Danke, Cathy. Wenn du es nicht schaffst, dann schafft es niemand."

Ich war durchaus zugänglich für Schmeicheleien; es fühlte sich gut an nach all den Jahren, endlich Anerkennung zu erfahren. Jill und ich arbeiteten nun seit vier Jahren zusammen und hatten eine gute Beziehung zueinander aufgebaut. Als Verbindungsbeauftragte für die Homefinders Fostering Agency nahm Jill die Brückenposition ein zwischen den Pflegeeltern und den Sozialarbeitern, die sich eines bestimmten Falls angenommen hatten. Sie koordinierte die Anforderungen des Sozialamtes mit denen der Pflegeeltern und bot Unterstützung und Hilfe an, wenn sie nötig waren. Eine unerfahrene Pflegemutter braucht von ihrer Verbindungsperson oft einiges an Rückenstärkung und Erklärungen zum System. Da Jill und ich schon seit längerer Zeit zusammenarbeiteten und ich eine erfahrene Pflegemutter war, hatten wir uns aneinander gewöhnt und kamen gut miteinander aus. Wenn Jill der Ansicht war, dass ich einer Herausforderung gewachsen war, so war das gewiss ernst gemeint.

Aber eine Vorbesprechung vor der Platzierung? Das konnte nichts Gutes bedeuten. Normalerweise kamen die Kinder einfach nur nach einer kurzen Vorstellung an, wenn sie von anderen Pflegeeltern kamen, oder einfach in den Kleidern, die sie gerade trugen, wenn sie ihr Zuhause verließen. Ich hatte einiges an Erfahrung mit beiden Szenarios, aber eine Situation, bei der man eine Vorbesprechung für nötig hielt, war mir noch nicht begegnet. Normalerweise gab es eine Besprechung zwischen allen involvierten Parteien, sobald ein Kind bei Pflegeeltern platziert worden war, aber mehr eben auch nicht.

Dies war der erste Hinweis darauf, wie ungewöhnlich dieser Fall war.

Am nächsten Morgen starteten wir in den Tag wie gewöhnlich: die ruhige Routine, dass alle aufstanden, sich anzogen, frühstückten und die Kinder sich auf den Weg zur Schule machten. Ich hatte zwei Kinder: Adrian war siebzehn und Paula dreizehn. Lucy, die zwei Jahre zuvor als Pflegekind zu uns gekommen war, war fünfzehn und nun ein permanentes Familienmitglied, wie eine Tochter für mich und eine Schwester für Adrian und Paula. Sie war ein Erfolgserlebnis: Sie kam verletzt und wütend zu mir und hatte mit der Zeit gelernt, wieder Vertrauen zu fassen, und sich schließlich in einen normalen Alltag eingelebt, in dem sie sich nur mit den gewöhnlichen Ängsten eines Teenagers befassen musste, nicht mehr mit dem inneren Aufruhr, den sie als Kind erlebt hatte. Ich war stolz auf sie; sie war der Beweis für meine Überzeugung, dass Liebe, Güte, Zuneigung und feste Grenzen die Basis für das sind, was jedes Kind braucht, um sich entfalten zu können.

Nachdem ich die Kinder an diesem Morgen in die Schule geschickt hatte, war mir ein klein wenig mulmig zumute. Das Kind, über das ich heute informiert werden sollte, würde sicherlich all diese Dinge in Fülle benötigen, und wenn ich Jodie annehmen würde, würde ich mich sicherlich für eine Weile von meiner relativ friedlichen, etablierten Routine verabschieden müssen. Zumindest, bis sie gelernt hatte, mir zu vertrauen und sich eingelebt hatte, genauso wie Lucy. Doch gerade das war ja der Sinn und Zweck

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