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Willkommen im Café Zahav Meine israelische Mischpoke und ich von Grieshaber, Kirsten (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.02.2019
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Willkommen im Café Zahav

Im kleinen israelischen Restaurant von Kirstens Mann ist das Tohuwabohu programmiert. Während die Gäste ihren Hummus mit Pinienkernen löffeln, wächst der Familie schon wieder der Alltag über den Kopf: Mal will ein wildfremder Geistlicher Kirsten ungefragt zum Judentum konvertieren, dann wünscht sich Töchterchen Miri nach dem Kindergarten eine neue Hautfarbe, und im wenig mediterranen Berliner Winter nimmt auch noch der Gatte Reißaus. WILLKOMMEN IM CAFÉ ZAHAV erzählt die oft komischen, manchmal schockierenden und immer überraschenden Geschichten aus dem Leben einer ganz normalen deutsch-israelischen Familie. Kirsten Grieshaber ist Deutschlandkorrespondentin für die Nachrichtenagentur Associated Press. Sie hat als freie Journalistin für NEW YORK TIMES, ZEIT und TAZ gearbeitet und die Journalistenschule an der Columbia University in New York besucht . Dort lernte sie auch ihren Mann kennen, mit dem sie zwei Kinder hat. Willkommen im Café Zahav ist Kirsten Grieshabers erstes Buch.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 28.02.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732560721
    Verlag: Bastei Lübbe AG
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Willkommen im Café Zahav

2. Familienbesuch im Heiligen Land

Unser erster gemeinsamer Besuch in Israel war wunderschön. Wir waren frisch verliebt und hatten das Gefühl, dass nichts und niemand unserer glücklichen Zweisamkeit etwas antun konnte. Auch das Gelobte Land zeigte sich, durch meine rosarote Brille betrachtet, von seiner allerbesten Seite. Und so ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte.

In der Schule hatten uns die Lehrer den Eindruck vermittelt, Israel sei ein Land voll traumatisierter Holocaustüberlebender - mit Nachkommen, die als bis an die Zähne bewaffnete Soldatinnen und Soldaten in erster Linie damit beschäftigt seien, weitere Genozide an den Juden zu verhindern.

Stattdessen zeigte Eran mir ein Land, das vor Lebendigkeit und Lebensfreude sprühte. Mit Menschen, die aus der ganzen Welt hierher eingewandert waren. Juden aus Polen, Argentinien, Russland, Frankreich, USA , ja, sogar Indien, Jemen und Äthiopien. Jede Gruppe hatte ihre eigenen Traditionen und Sprachen mitgebracht. Zwar lernten die meisten schnell Hebräisch, aber als wir uns in Tel Aviv über den Lewinsky-Markt durch die Menge schoben, konnten wir in dem babylonischen Stimmgewirr auch Französisch, Russisch, Türkisch, Spanisch und Englisch hören.

Apropos Sprache: Eines der ersten hebräischen Wörter, das ich lernte, war das Wort Balagan. Chaos. Aber eine Art buntes Chaos und Durcheinander, das das Leben in Israel gut beschreibt. Ein überströmender Schmelztiegel verschiedenster Menschen, die ihrer alten Heimat den Rücken gekehrt haben in der Hoffnung auf ein besseres Leben in Israel. Ein Land, in dem vieles nicht funktioniert, aber wo jeder Neuling schnell lernt, zu improvisieren und sich irgendwie durchzuschlagen. Balagan, ein Wort, das israelischer nicht sein könnte.

Viele von Erans Freunden sind Israelis der zweiten Generation, so wie er. Sie sind in Israel geboren, aber die Kinder von Einwanderern. Ständig machen sie Witze über ihre Herkunft und necken sich gegenseitig mit den damit verbundenen Klischees und Vorurteilen. Den Polen wird aufs Brot geschmiert, dass sie immer nur meckern. Die Franzosen gelten als blasiert, die Russen als mafiöse Oligarchen und leichte Mädchen. Die Georgier, die angeblich versteckt unter ihren Hemden lange, krumme Messer am Hosenbund tragen, sind gefürchtet. Die Amerikaner mit ihrem dicken Akzent und ihrem ideologischen Eifer werden gerne verspottet.

Auch über die deutschen Juden machen sich alle lustig. Sie sind bekannt als ordnungsliebend, überpünktlich und verstockt. Solche, die selbst im israelischen Hochsommer im dunklen Anzug herumlaufen, zu Hause auch in der zweiten Generation noch lieber Deutsch sprechen und sich am Wochenende gegenseitig zum Kaffeeklatsch einladen. Menschen, die sich so gar nicht mit dem israelischen Balagan und der schwülen Hitze abfinden können. Ein bisschen eingebildet und überheblich außerdem, zumindest dem Klischee nach. Jeckes werden sie genannt. Wobei nicht ganz klar ist, woher der Spitzname eigentlich kommt. Manche sagen, die osteuropäischen Juden in Palästina hätten die deutschen Einwanderer in den Dreißigerjahren so genannt, weil sie selbst bei über vierzig Grad im Schatten immer korrekt gekleidet mit Jacketts herumgelaufen seien. Andere wiederum behaupten, die deutschen Juden hätten den Spitznamen schon früher bekommen. Noch in Europa, als sie von den traditionell mit Kaftan und Kippot bekleideten Juden aus Polen als Jeckes bezeichnet wurden, weil sie in Deutschland assimiliert lebten und westliche Kleidung, also Jacken, trugen.

Die Perser, zu denen auch Eran und seine Familie zählen, sind als geizige Händler verschrien, die ihr Vermögen am Liebsten unterm Teppich verstecken. Von Erans Verwandtschaft kann man das allerdings nicht sagen. Ich werde regelmäßig mit Goldkettchen und Armbändern überhäuft, wenn wir sie besuchen. In meinem Nachtschränkchen habe ich inzwischen eine ganze Schublade voll mit Goldmünzen, die Miri und

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