text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Wo die Götter wohnen Johann Gottfried Schadows Weg zur Kunst von Lindner, Joachim (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.09.2016
  • Verlag: EDITION digital
eBook (PDF)
7,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Wo die Götter wohnen

Sein berühmtestes Werk krönt das Wahrzeichen Berlins, sein schönstes stellt einen Höhepunkt der europäischen Bildhauerei dar: Johann Gottfried Schadow, Schöpfer der Quadriga und der Prinzessinnengruppe, Dieser historische Roman schildert das Leben, die Persönlichkeit und Entwicklung des Hofbildhauers am Hofe Friedrichs II. und späteren Direktors der Kunstakademie. Eine biografische Erzählung, die alle Umstände beleuchtet, auch Zweifel, Hoffnungen, Zermürbung, Umwege und schließlich die Euphorie vor der Fertigstellung. Joachim Lindner, 1924 in Gleiwitz geboren, verbrachte Kindheit und Jugend in einer in der Nähe von Ratibor gelegenen oberschlesischen Kleinstadt. 1942 wurde er zum Arbeitsdienst und darauf zum Militär eingezogen; im Februar 1945 an der Ostfront verwundet, erlebte er das Kriegsende in einem Lazarett in Ratzeburg. Er holte dann das Abitur in Delitzsch in Sachsen nach und studierte in Rostock und Leipzig Germanistik und Geschichte. Danach arbeitete er als Lehrer im thüringischen Bad Berka und wurde Anfang 1953 Lektor im Berliner Verlag Rütten & Loening, 1955 bis zum Rentenalter Lektor im Verlag der Nation. Er war auch als Herausgeber tätig und schrieb einige Erzählungen über Persönlichkeiten des deutschen Kulturerbes, unter anderen über Annette von Droste-Hülshoff und zuletzt einen bisher unveröffentlichten biografischen Roman.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 203
    Erscheinungsdatum: 01.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783956557019
    Verlag: EDITION digital
    Größe: 1264 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Wo die Götter wohnen

Sie hocken zu dritt in der Gaststube der Baruther Grenzschenke, die der Volksmund vor Jahr und Tag in "Schenke zum fröhlichen Ehstand" umgetauft hat, weil die frisch Getrauten an diesem Ort der Freude das festliche Ereignis bei Schmaus und Tanz zu begehen pflegen. Doch die heutigen Gäste - Mutter Kathrin, Gottfried und Marianne - sind gar nicht froh und gleichen eher verregneten Hühnern. Die heimliche Trauung ist nämlich ins Wasser gefallen. Obwohl die Papiere in Ordnung waren und ein reichliches Armengeld bereitlag, musste der weißhaarige Pastor den drei Fremden aus Berlin ihren Herzenswunsch versagen, weil er kürzlich einem Schwindlerpaar aufgesessen war und daher Schwierigkeiten mit seiner vorgesetzten Behörde hatte. Eine arge Enttäuschung für die drei! Die Braut scheint seltsamerweise noch am wenigsten betroffen, sie träumt wohl schon von einem strahlenden Hochzeitsfest in Wien bei den Eltern. Ein wenig nachdenklich bemerkt sie: "Man sagt wohl: "Der Mensch denkt, Gott lenkt." Aber in diesem Fall hat das Herrgöttle gar net gut gdenkt, und mir müssen jetzt selber schaun, wie alles in die Reih kommt." Mutter Kathrin ist am meisten bedrückt, sie versucht standhaft zu bleiben, doch die Tränen kullern auf ihr Reinseidenes. Gottfried muss die tief betrübte beim Arm nehmen, als sie schweren Schrittes zu dem Bauernwägelchen des Bruders geht, um heimzukehren. Eine letzte Umarmung. "Ich schreib dir auch gleich!" Ein Tücherschwenken, dann sind die beiden jungen Leute allein. Gottfried ist noch verstimmt, als sie schon im Fond der Extrapost nach Dresden sitzen. Marianne versucht ihren Liebsten aufzumuntern: "Was ist schon groß passiert, Schatzl? Spiel'n wir halt unterwegs bis Wien a bißl Komedi akkurat wie frisch Vermählte auf der Hochzeitsreise." Sie schmiegt sich zärtlich an ihn. "Is doch net gar so schwer, oder?" Da muss der nicht legalisierte Ehemann über seine Eva lächeln und legt den Arm um ihre Schultern. Mit stiller Freude denkt er an das, was vor ihnen liegt. Er wird seine Mattel besitzen, ob sie nun im Kirchenbuch eingetragen sind oder nicht. Und dann die Reise nach Dresden! Da ist vor allem der Besuch bei Anton Graff, dem bedeutenden Porträtmaler, der ihn bei seinem Berliner Aufenthalt als einen hervorragenden Radierer bezeichnet und herzlich in sein Haus eingeladen hatte. Von dem berühmten Maler erhofft er sich wertvolle Anregungen für seine eigene Studienreise nach Rom. Marianne aber sieht dem Besuch bei Graff mit einigem Bangen entgegen, wie sie ihrem Bräutigam gesteht, denn nun muss wirklich Komödie gespielt werden. Gottfried beruhigt sie, es wird schon alles gut gehen. Ganz wohl ist auch ihm nicht zumute, doch dann verläuft alles besser, als beide es erwarten konnten. Der weit über Deutschland hinaus bekannte Professor der Bildnismalerei, der fast alle berühmten zeitgenössischen Persönlichkeiten - unter ihnen Moses Mendelssohn, Gellert, den jungen Schiller - porträtiert hat, verrät keine Spur von Neugierde, wie es zu dem plötzlichen Ausscheiden seines jungen Kollegen aus Tassaerts Atelier und zu dem rasch gefassten Plan einer Romreise gekommen ist, sondern gewährt dem jungen Paar eine weltmännisch-großzügige Gastfreundschaft. Dass die beiden sich, wenn auch mit einiger Verlegenheit, als Verheiratete präsentieren, nimmt er ebenso wie seine Frau zur Kenntnis, als verstünde es sich von selbst. Er interessiert sich mehr für Schadows "Cahier", seine Mappe mit den neuesten Porträtzeichnungen. So ziehen sich die Herren bald zu einem Gespräch bei Wein und Tabak in das Atelier des Hausherrn zurück, das einen weiten Blick auf den Schlosspark von Pillnitz freigibt, während die Frauen im Boudoir der Professorengattin bei Kaffee und Kuchen die jüngsten gesellschaftlichen Ereignisse in der sächsischen und in der preußischen Hauptstadt erörtern. Mit wachsendem Interesse betrachtet Graff die Grafiken Schadows, Blatt um Blatt. Er nickt. "Das gilt", sagt er anerkennend, "das nenne ich en

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen