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WOLFSINSEL von Rolstad, Lajla (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.06.2019
  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
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WOLFSINSEL

Kraftvoll, persönlich und poetisch - die Erfahrungen einer jungen Frau allein in der Wildnis "Muss ich so leben, wie ich es bisher getan habe?", fragt sich Lajla eines Tages - und bucht ein Flugticket nach Kanada. In den folgenden Jahren verbringt sie lange Phasen allein in der Wildnis, trifft Trapper, Hippies, Schamanen und Abenteurer und lernt, dass die Suche nach Freiheit oft mit der Beschränkung aufs Wesentliche beginnt. Eine kraftvolle, wilde und unmittelbare Erzählung, die einen zum Nachdenken zwingt. Lajla Rolstad, geboren 1978, schrieb ihre Abschlussarbeit über Bram Stokers 'Dracula' und gehört zu den spannendsten jungen Stimmen Norwegens. Nachdem sie in ihrem Romandebüt eine wilde Mischung aus Steampunk und James Bond zu Papier brachte, verarbeitet sie ihrem zweiten Roman ihre eigenen Erfahrungen in der kanadischen Wildnis.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 10.06.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641185480
    Verlag: btb
    Serie: btb 71815
    Originaltitel: Ulveoya / Wolf Island
    Größe: 2641 kBytes
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WOLFSINSEL

Das Sicherheitspersonal streikt, ich bin fünf Stunden vor Abflug am Flughafen. Stehe um Mitternacht auf und fahre um halb eins nach Gardermoen. Es regnet und die Scheinwerfer am Auto meiner Mutter sind trüb, ihr Licht wird von dem dunklen Asphalt fast vollständig verschluckt und ich sehe fast nichts, wenn ich für die mir entgegenkommenden Autos das Fernlicht herunterschalte.

Meine Mutter und ich steigen aus, bleiben einen Moment im Regen stehen. Die glitzernden Tropfen legen sich auf Augenbrauen und Wimpern.

Mach's gut, Mama, sage ich.

Sie drückt mich an sich.

Mach du es auch gut, meine Kleine.

Im Flughafen wimmelt es schon von Menschen, aber die Sicherheitskontrolle geht schnell, anders als ich befürchtet hatte, denn ich hatte Angst, ich würde nicht durchkommen oder mein Flug könnte gestrichen worden sein, hatte eine Sterbensangst, dass ich nicht zurückfliegen könnte. Im Transitbereich warten viele auf ihren Flug, ich muss lange um Kaffee und ein Baguette anstehen. Ich trinke Kaffee und lese in "Game of Thrones", während ich darauf warte, dass wir an Bord können. Im Flugzeug sitze ich neben Ölarbeitern aus Neufundland und Nova Scotia. In London laden sie mich in die Lounge von Servisair ein. Alles ist gratis. Ich trinke frisch gepressten Apfelsinensaft und Kräutertee und esse Salat. Das tut gut nach dem Flug. Sie erzählen mir vom Leben in Nova Scotia und Neufundland und vom Leben auf der Bohrinsel. Der Jüngste, eine Art Seismologe, sagt, dass den Walen die Knallerei von den guns egal ist, dass es auf den Bohrinseln Leute gibt, die Wale und andere Tiere zählen, das ist ihre Aufgabe. Aber meistens handeln seine Geschichten vom Koch auf der Bohrinsel, der das abscheulichste Essen kocht, das man sich nur vorstellen kann, fast jede Mahlzeit schmeckt nach billigen Spaghetti Bolognese, mit einer dicken Fettschicht oben. Sie sind sehr freundlich, geben mir viele gute Ratschläge und Tipps für die Reise, und wenn du je an die Ostküste kommst, musst du vorbeischauen!

Das Flugzeug von London nach Vancouver ist fast leer. Ich habe vier Sitze für mich, kann mich ausstrecken und in eine Decke wickeln, und ich genieße. Ich genieße es einfach, unterwegs zu sein.

Es war ein langes Jahr, ein langer Winter. Im Mai des vorigen Jahres war ich von der Insel nach Hause gekommen, und jetzt ist Juni. Ich habe mit dem Rauchen aufgehört, als ich die Insel verlassen hatte. Ich brauchte mehrere Monate, um die Schulden zurückzuzahlen, die ich mit meiner Mastercard unterwegs gemacht hatte, das meiste hatte ich für Essen ausgegeben.

Noch ein Sommer zu Hause in Norwegen, während ich jeden Tag Heimweh nach Kanada hatte.

Ich wurde endlich fertig mit "Schwarze Sonne", dem Nachfolger von "Der Nekronaut", das war im Herbst. Ich wollte die Rückreise von meinem Honorar finanzieren, von dem Mindesthonorar von 80 000 Kronen würde ich bestimmt ein Jahr leben können. Ich fand es schrecklich anstrengend, fertig zu werden, aber endlich konnte ich mein Manuskript losschicken und war ungeheuer erleichtert.

Eine Woche darauf kam eine E-Mail von meiner Lektorin.

Liebe Lajla, schrieb sie. Es kann gar keinen Zweifel daran geben, dass du das Genre beherrschst. Doch trotz aller guten Dinge, die ich über dein Manuskript sagen kann, bin ich mir sehr unsicher. Dann ging sie Stärken und Schwächen des Manuskriptes ausführlich durch, so gründlich und gewissenhaft wie immer, und sie fügte allerlei Betrachtungen über den Markt für Steampunk-Romane in Norwegen hinzu, einen bisher überaus begrenzten Markt.

Die E-Mail ging so weiter: Den Nekronauten konnten wir nicht zu einem Verkaufserfolg machen, und ich kann mir nicht vorstellen, dass es bei Buch Nr. 2 sehr viel anders gehen würde. Das eine sind nun die verlagsmäßigen Überlegungen, die natürlich sehr wichtig sind und die zu meiner Verantwortung als Lektorin gehören. Das andere ist die Frage,

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