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Worte ins Leere

  • Erscheinungsdatum: 23.03.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Worte ins Leere

Als die Herausgeberin Heide Kampffmeyer von ihrer Mutter alte Tagebuchaufzeichnungen und Briefe bekam, die diese während der Nachkriegsjahre 1945/46 von ihrer Großmutter erhalten hatte, wurde schnell klar, wie wichtig es war, diese Zeitdokumente zu erhalten. Sie gibt damit einen Einblick in die Nachkriegszeit aus der unmittelbaren Sicht ihrer Urgroßmutter: Helene Nowacki erlebte das Kriegsende auf Rügen von 1945 bis 1946 im K.d.F-Seebad Prora und Binz. Sie hat ihre Erlebnisse in aufwühlenden Tagebuchaufzeichnungen und vielen erschütternden Briefen dokumentiert. Die Handschriften wurden abgeschrieben und der Inhalt im Original belassen. Diese Zeitdokumente spiegeln das Elend, die Hoffnungen, Sorgen und Nöte dieser Zeit wider. Weitere Informationen zur Zeit und Umgebung runden das Werk ab.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 148
    Erscheinungsdatum: 23.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783741217050
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 5646kBytes
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Worte ins Leere

V Briefe

KdF Seebad Rügen, d. 5.3.45

am Vorabend von Vatis 50. Geburtstag

Liebe Inge!

Da hast Du einen guten Gedanken gehabt, einmal an Deine alten Großeltern zu schreiben, aber nun bist Du mir 25 Std. zuvor gekommen, ich hatte mir Deine neue Anschrift schon v.d. letzten Brief an Mutti notiert u. Briefpapier zurechtgelegt, denn es drängte mich, Dir in dieser schweren Zeit, wenn auch nicht räumlich, nahe zu sein. Du hast doch eine zu grausame Zeit Dir zu den "Weltreisen" ausgesucht und hast es möglich gemacht, alle Verkehrsunbilden und - hindernisse mit Glanz auszukosten. Ich kann mir denken, wie schlimm und gefährlich Deine Fluchtreise aus dem Schlamassel für Euch Mädel gewesen ist. Und wie lang dauerte nun sogar der lange Spaziergang in Eis und Schnee und Angst und Not über Eure hinterlassenen Besitztümer. Opa und ich haben viel daran gedacht. Und nun bist Du schon wieder woanders und kommst vielleicht bald an die 3. Stelle. Da wünsche ich Dir nun endlich eine gute Bleibe, und dass es endlich der Ort sein möge, der Dir zusagt. Schön wäre es ja, Du könntest mal eine längere Weile hier zu uns, ... daran ist ja nicht zu denken, - schade! - Wer weiß, wann es nun endlich mal klappen könnte.

...

Mein Brief ist durch Behinderungen etwas liegen geblieben, heute noch etwas zur Fortsetzung.

Nun ist Vatis Geburtstag auch vorüber, gestern Abend waren H. und F. Anton noch bei den Eltern, dann um 8 h gings Licht aus, wir legten uns zu Bett, mit dem Weihn. Licht ists zu langweilig, auch die Stummels muss man sparen. Und dann kam Großalarm auf Saßnitz, da muss die Hölle gewesen sein. Dort lagen 28 Schiffe im Hafen, auf die es sicher abgesehen war. Vati und Mutti sind heute nachmittag hingefahren, wirst Du sicher auch noch erfahren. Die Detonationen waren doll. Unser Haus zitterte in seinen Grundfesten u.d. Luft war ein Donner. Was sollten wir Alten machen, wenn eben eingeschlafen, d.h. Opa schlief schon, ich döste nur noch u. überlegte: Stehst Du nun auf? Aber zum L.Sch.K. (Luftschutzkeller) im Nebenhaus wären wir doch nicht mehr gekommen. Im Bett war es am besten, um 12 wars zuende. Mit den Geb.feiern ist es jetzt auch zuende. Mutti hat gebacken, auch zur Silberhochzeit, da waren Antons auch da. Wir Alten wurden sogar von Mutti ins kl. Z. gebeten zu einem Glas Wein zum Anstoßen.

An Helmut will ich auch d. Tage schreiben. Aber nun muss ich zum Schluss eilen. Ich bin Invalide, meine rechte Hand wird immer krummer v. d. Gicht und schmerzhaft sehr, dann wickle mit Einreibung von Jodöl, das auch nicht mehr zu haben ist. Und meine "Gebrüder Beenekens" haben Muskelrheumatismus. Ich bin sehr schlecht zu Fuß, habe immer dolle Fuß- und Beinschmerzen. Mache jetzt auf Muttis Rat Kreidebäder, die sich M. hat schicken lassen, mal sehen, obs hilft. Unser Opa hält sich gut, seine schwere Darmsache hat er nun überstanden.

Bleibe Du gesund, liebe Inge. Es gehe Dir gut. Schreibe auch mal wieder.

Oma und Opa grüßen Dich herzlich

Der Brief vom Anfang Mai an ihre Enkelin war der letzte, den Helene Nowacki an eine ihr bekannte Adresse schicken konnte. Inge Kruse musste immer wieder fliehen, und dadurch brach der Kontakt für mehrere Monate ab.

Der folgende Brief einer ehemaligen Nachbarin von Wilhelm und Margarete Kruse in Braunschweig stellte den Kontakt zwischen meiner Mutter und ihrer Großmutter wieder her:

Es schließen sich die Briefe an, die Inge von ihrer Großmutter Helene Nowacki erhalten hat.

Braunschweig, 2. November 1945

Liebes Fräulein Inge!

Da die Postschranken jetzt zwischen den einzelnen Besatzungszonen gefallen sind, möchte ich Ihnen, liebes Frl. Inge, sofort Nachricht zukommen lassen. Ich hatte von mir aus schon den Versuch gemacht, mit Ihren Eltern in Verbindung zu treten. Nachricht erhielt ich aber keine. Nun kam vor 14 Tagen eine Frau Schröder aus Rügen; sie hatte sich mit 2

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