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Zwei Welten: Ein Marco Polo Roman von Colerus, Egmont (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.03.2014
  • Verlag: e-artnow
eBook (ePUB)
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Zwei Welten: Ein Marco Polo Roman

Dieses eBook: 'Zwei Welten: Ein Marco Polo Roman' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Egmont Colerus von Geldern (1888-1939) war ein österreichischer Schriftsteller. Colerus behandelte in seinen Romanen aus einer zutiefst humanistischen Weltsicht in impressionistischer, teilweise auch expressionistischer Art vielfältige Problemstellungen der Zwischenkriegszeit, teils in der Form von Zeitromanen, teils in historischer Einkleidung. Er zählte damit in der Zwischenkriegszeit zu den erfolgreichsten deutschen Schriftstellern, seine Werke wurde teilweise in bis zu zehn Sprachen übersetzt. Der große Wurf gelang Egmont Colerus mit seinem Marco Polo Roman 'Zwei Welten' (1926). Die Leser erleben Marco Polos Jugend in Venedig, seine Reise in den Fernen Osten und seine Wiederkehr als scheinbarer Triumphator und erfolgreicher Handelsherr, hinter dessen sichtbarem Erfolg sich jedoch die Niederlage im persönlichen Bereich verbirgt. 'Die eine Welt wird Tat, die andre Reue', lässt Colerus zum Schluss seines Romanes den Dante Alighieri dem in Zweifel grübelnden Marco Polo zusprechen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 30.03.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026809173
    Verlag: e-artnow
    Größe: 772 kBytes
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Zwei Welten: Ein Marco Polo Roman

Erste Epoche

Inhaltsverzeichnis

Göttin Ungewißheit

Inhaltsverzeichnis

Plötzlich stand das Haus vor ihnen. So plötzlich, daß sie erschraken, wiewohl sie es schon seit unzähligen Tagen fiebernd ersehnt hatten. Die schwarze, klotzige Fassade wuchs aus dem trägen Braun des Kanales und starrte mit erblindeten Spitzbogenfenstern in das milchige Licht eines reglosen Augustmittags.

Irgendwo am Rande der Lagune zerbrach schellend der Ton eines Kirchengeläutes.

Die Gondel knirschte schon an die schrägen Piloten, die das Haus sockelten und, mit halbnassen Algen bedeckt, scharfen Geruch entströmten.

Niemand sah die beiden Männer, niemand achtete ihrer, obgleich alles ungewöhnlich war, was die Gondel barg.

Einer von ihnen, lang und hager, saß steif und starrte gegen die schwarze Fassade. Aus verwittertem Antlitz stachen undurchdringliche Augen. Nur der spärliche Ziegenbart zuckte leise. Der andere aber war mächtig und geduckt; und lebendig in jeder Faser seines massigen, feisten Leibes. Beide staken in harten Ledermänteln, deren Säume farbloses, dichtes Pelzwerk verbrämte. Und spitze Pelzkappen gleich unbestimmter Färbung klebten wie verwachsen auf dem schmalen und dem dicken Haupte.

"Anno 1269 post Christum natum sind nach neunzehnjähriger Abwesenheit die edlen Brüder Nicolo und Maffio aus dem Geschlechte der Polo heimgekehrt, nachdem sie sich auf dem Erdkreis durch fast alle Länder schlugen! Preis, Dank und Ehre diesen großen Söhnen Venedigs!" Maffio, der Dicke, krähte es hinaus in die Mittagsstille, wie um lähmende Unruhe zu übertäuben, hob pathetisch den Arm und sprang so jäh empor, daß das Gleichgewicht der Gondel in Gefahr kam. Dann schwang er sich auf die Bohlen, die nur eine Hand breit oberhalb des trüben Wassers hingen.

Nicolo, mit der Gondel durch die Heftigkeit des Aussteigens in die Mitte des schmalen Kanales zurückgestoßen, sah ihn hart an. Dann schlug er mit eingesunkenen Lippen ein Kreuz, beugte den hageren Oberkörper zum Grund der Barke und erhob sich erst, als der Schlag des Ruders das Fahrzeug wieder an die Bohlen gejagt hatte.

Eben verwehte der Nachhall der letzten Mttagsglocke.

Die Brüder sahen sich nicht um, als der bunte Gondolier Ballen und sonderbares Gepäck emsig auf die Bohlen warf. Schon waren sie auf den steinernen Stufen und vor dem schweren Tore.

Nicolo Polo machte eine eckige Geste, als wolle er Maffio zurückhalten. Der aber hatte schon den Klopfer in der Hand und ließ ihn gegen den Flügel schmettern.

Wie in einem Gewölbe dröhnten die rücksichtslosen Hiebe durch die enge Schlucht des Kanales und brachen sich zickzack an den Fassaden.

Nicolo riß hastig die Klappen des Ledermantels zurück und hielt ein schimmerndes Kleinod in der Hand. Er murmelte in unverständlicher Sprache.

Maffios Antlitz wurde röter und röter.

Plötzlich erstarrten beide. Hoch und schrill, schnappend und knirschend, drehte sich ein Schlüssel. Und in unterbrochenen Schlägen fuhr der Riegel zurück.

Das Tor sprang auf.

"Madonna! Satan sendet die Toten!" Gellender Aufschrei eines schmierigen Weibes aus zahnlosem Munde. Klapperndes Schlagen verzerrter Kreuze. Noch einmal: "Madonna! Madonna! Helft mir!" Stets wimmernder, stets leiser.

Die alte durchäderte Hand glitt gekrallt der Kante des halboffenen Türflügels entlang und die Gestalt der Greisin, ein armes Bündel fleckiger, einst schwarzer Lappen, knickte gegen die Fliesen.

"Maddalena, ich verstehe dich!" Tief und metallisch bebend tönte es von Nicolo daß d

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