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Franz Kafka - Gesammelte Werke von Kafka, Franz (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.07.2013
  • Verlag: Anaconda Verlag
eBook (ePUB)
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Franz Kafka - Gesammelte Werke

Das Werk von Franz Kafka ist ein Klassiker der modernen Literatur schlechthin. In sein faszinierendes Erzähluniversum führen keine Abkürzungen und Hintertürchen: Man muss es ganz für sich persönlich entdecken und lesend erkunden. Ein Glück für jeden, der diese große Erfahrung vor sich hat. Dieser Band bietet dazu die beste Gelegenheit. Er umfasst Kafkas Romane 'Der Prozess' und 'Das Schloss', den 'Brief an den Vater' sowie sämtliche Erzählungen, unter ihnen 'In der Strafkolonie' und 'Die Verwandlung'.

Franz Kafka wurde am 3. Juli 1883 als Sohn eines jüdischen Kaufmanns in Prag geboren. Von 1901 bis 1906 studierte er zunächst kurze Zeit Germanistik, dann Jura und promovierte zum Dr. jur. Nach einer einjährigen "Rechtspraxis" ging er 1907 zu den "Assicurazioni Generali" und ein Jahr später als Jurist zur "Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt", wo er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1922 blieb. Ende 1917 erlitt Franz Kafka einen Blutsturz, es war der Beginn einer Tuberkulose, an der er am 3. Juni 1924 starb.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 1008
    Erscheinungsdatum: 01.07.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783730690505
    Verlag: Anaconda Verlag
    Größe: 2133 kBytes
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Franz Kafka - Gesammelte Werke

1. Betrachtung Kinder auf der Landstraße

Ich hörte die Wagen an dem Gartengitter vorüberfahren, manchmal sah ich sie auch durch die schwach bewegten Lücken im Laub. Wie krachte in dem heißen Sommer das Holz in ihren Speichen und Deichseln! Arbeiter kamen von den Feldern und lachten, dass es eine Schande war.

Ich saß auf unserer kleinen Schaukel, ich ruhte mich gerade aus zwischen den Bäumen im Garten meiner Eltern. Vor dem Gitter hörte es nicht auf. Kinder im Laufschritt waren im Augenblick vorüber; Getreidewagen mit Männern und Frauen auf den Garben und rings herum verdunkelten die Blumenbeete; gegen Abend sah ich einen Herrn mit einem Stock langsam spazieren gehn und paar Mädchen, die Arm in Arm ihm entgegenkamen, traten grüßend ins seitliche Gras.

Dann flogen Vögel wie sprühend auf, ich folgte ihnen mit den Blicken, sah, wie sie in einem Atemzug stiegen, bis ich nicht mehr glaubte, dass sie stiegen, sondern dass ich falle, und fest mich an den Seilen haltend aus Schwäche ein wenig zu schaukeln anfing. Bald schaukelte ich stärker, als die Luft schon kühler wehte und statt der fliegenden Vögel zitternde Sterne erschienen.

Bei Kerzenlicht bekam ich mein Nachtmahl. Oft hatte ich beide Arme auf der Holzplatte und, schon müde, biss ich in mein Butterbrot. Die stark durchbrochenen Vorhänge bauschten sich im warmen Wind, und manchmal hielt sie einer, der draußen vorüberging, mit seinen Händen fest, wenn er mich besser sehen und mit mir reden wollte. Meistens verlöschte die Kerze bald und in dem dunklen Kerzenrauch trieben sich noch eine Zeit lang die versammelten Mücken herum. Fragte mich einer vom Fenster aus, so sah ich ihn an, als schaue ich ins Gebirge oder in die bloße Luft, und auch ihm war an einer Antwort nicht viel gelegen.

Sprang dann einer über die Fensterbrüstung und meldete, die anderen seien schon vor dem Haus, so stand ich freilich seufzend auf.

»Nein, warum seufzst Du so? Was ist denn geschehen? Ist es ein besonderes, nie gut zu machendes Unglück? Werden wir uns nie davon erholen können? Ist wirklich alles verloren?«

Nichts war verloren. Wir liefen vor das Haus. »Gott sei Dank, da seid Ihr endlich!« - »Du kommst halt immer zu spät!« - »Wieso denn ich?« - »Gerade Du, bleib zu Hause, wenn Du nicht mitwillst.« - »Keine Gnaden!« - »Was? Keine Gnaden? Wie redest Du?«

Wir durchstießen den Abend mit dem Kopf. Es gab keine Tages- und keine Nachtzeit. Bald rieben sich unsere Westenknöpfe aneinander wie Zähne, bald liefen wir in gleichbleibender Entfernung, Feuer im Mund, wie Tiere in den Tropen. Wie Kürassiere in alten Kriegen, stampfend und hoch in der Luft, trieben wir einander die kurze Gasse hinunter und mit diesem Anlauf in den Beinen die Landstraße weiter hinauf. Einzelne traten in den Straßengraben, kaum verschwanden sie vor der dunklen Böschung, standen sie schon wie fremde Leute oben auf dem Feldweg und schauten herab.

»Kommt doch herunter!« - »Kommt zuerst herauf!« - »Damit Ihr uns herunterwerfet, fällt uns nicht ein, so gescheit sind wir noch.« - »So feig seid Ihr, wollt Ihr sagen. Kommt nur, kommt!« - »Wirklich? Ihr? Gerade Ihr werdet uns hinunterwerfen? Wie müsstet Ihr aussehen?«

Wir machten den Angriff, wurden vor die Brust gestoßen und legten uns in das Gras des Straßengrabens, fallend und freiwillig. Alles war gleichmäßig erwärmt, wir spürten nicht Wärme, nicht Kälte im Gras, nur müde wurde man. Wenn man sich auf die rechte Seite drehte, die Hand unters Ohr gab, da wollte man gerne einschlafen. Zwar wollte man sich noch einmal aufraffen mit erhobenem Kinn, dafür aber in einen tieferen Graben fallen. Dann wollte man, den Arm quer vorgehalten, die Beine schief geweht, sich gegen die Luft werfen und wieder bestimmt in einen noch tieferen Graben fallen. Und damit w

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