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Mimenmord Ein Mannheim-Krimi von Hoffmann, Oliver (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.01.2014
  • Verlag: Verlag Waldkirch
eBook (PDF)
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Mimenmord

Während einer Aufführung von Wagners Walküre im neuen Mannheimer Ring wird der Sänger des Siegmunds auf offener Bühne ermordet. Das ist jedoch erst der Anfang einer unheimlichen Mordserie, die die Quadratestadt erschüttert. Scheinbar wahllos schlägt der Mörder zu, und erst nach und nach fügen sich die Puzzleteile zum Bild einer unbewältigten braunen Vergangenheit. Einer jedoch will unbedingt hinter die Fassade der Wohlanständigkeit blicken. Leo Lessing, Deutschlehrer am gleichnamigen Mannheimer Gymnasium und Gourmet aus Leidenschaft, bleibt hartnäckig auf der Spur und muss verstört erkennen, dass sein geliebter Bertolt Brecht recht hatte: 'Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.' Ein Kriminalroman um einen unkonventionellen Ermittler und das Mannheimer Nationaltheater - spannend, sinnlich, kultiviert. Oliver Hoffmann, geboren 1965 in Mannheim, studierte Germanistik, Politische Wissenschaft und Medienwissenschaft und arbeitete anschließend als wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem Forschungsprojekt zum Thema Mediengewalt an der Universität Mannheim. Sein Studium finanzierte er sich als Texter und Übersetzer, danach gründete er mit anderen Phantastik-Begeisterten den Verlag Feder&Schwert. Feder&Schwert ist ein unabhängiger Spezialverlag für alle Bereiche der Phantastik. Seit 1989 veröffentlicht er Bücher in den Bereichen Dark Fantasy, Urban Fantasy, Fantasy, Steampunk, Horror, Science-Fiction und seit neuestem auch Krimis. Seine Debüt-Romantrilogie Hiobs Botschaft - zusammen mit dem Kölner Autor Severin Rast - erschien 2001. Seit 2007 bricht sein Boulevard-Theaterstück Alla Gut - Verliebt ins Quadrat alle Rekorde auf Mannheimer Kleinkunstbühnen. Oliver Hoffmann lebt mit wachsender Begeisterung und entschieden zu vielen Büchern in der Quadratestadt. Oliver Hoffmann ist Krimi- und Fantasy-Autor mit Herz und Seele. Bisher bei Waldkirch erschienen: Der Facebook-Killer gemeinsam mit Thommy Mardo Sein aktuelles Werk als Autor ist 'MIMENMORD'.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 17.01.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783864766190
    Verlag: Verlag Waldkirch
    Größe: 1923 kBytes
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Mimenmord

Klinikum

Station 17-3 des Universitätsklinikums

Theodor-Kutzer-Ufer 1-3

Mannheim

Sonntag, 4. 12. 2011 - zweiter Advent

Kurz nach 22 Uhr

Der Greis starrte an die Zimmerdecke seines Einzelzimmers: weiße, mit dem Grauschleier der Jahre überzogene Platten aus einem Kunststoff, dessen Namen er nicht zu sagen wusste. Pockennarbig waren sie und gerillt, als nage unmerklich der Zahn der Zeit an ihnen, doch stets nur des Nachts, wenn er schlief. Seine Hände ruhten auf der fadenscheinigen Klinikbettdecke, sie waren vom gleichen Weiß. Nur waren die Venen seiner Hände nicht schmutziggrau, sondern dunkelviolett.

Fünf Wochen lag er nun schon hier. Palliativstation. Vollstationäre Behandlung wegen einer fortgeschrittenen Tumorerkrankung. Das Team, das ihm umgab, umfasste Ärztinnen und Ärzte, Krankenschwestern und Krankenpfleger, zwei Seelsorger, eine Psychologin, eine Sozialarbeiterin und eine Physiotherapeutin. Darüber hinaus gab es allerlei ehrenamtliche Helfer sowie eine Musik- und eine Maltherapeutin. All diese Menschen, sie kamen und gingen. Der Greis hatte es längst aufgegeben, sich ihre Namen zu merken, denn für ihn waren sie austauschbar - bis auf die Psychologin, die Honigblonde, die ehrenamtlich hier Dienst tat. Das Sterben sei Teil des Lebens, hatte sie gesagt, als wäre das ein Trost. Doch das hatte er längst gewusst, und es half ihm nicht weiter, kein bisschen. Dennoch, sie hatte sich bemüht, hatte seine Hand gehalten, wie es sonst nur die Mädchen taten, mit dem Daumen seinen Handrücken gestreichelt, beinahe zögerlich, und gute Worte für ihn gehabt. Das hatte ihm wohlgetan. Ihren Namen hatte er sich gemerkt.

Sicher, sie versuchten nach Kräften hier, all das zu lindern, was ihn belastete. Gegen die Schmerzen bekam er Morphium. Es kam aus dem Gerät neben seinem Bett, und er wusste, er war schon lange nicht mehr ohne dieses süße Gift. Wie lange, das wusste er nicht, doch seit das stete Tropfen seine Nächte und Tage begleitete, war er in diesem Dämmerzustand, der ihm manchmal angenehm, zu Zeiten regelrecht segensreich, in den meisten der langen Stunden aber vor allem ängstigend und unwirklich war.

Immer häufiger wünschte er sich, er habe die Kraft, die matte, geäderte Hand zu heben und die Dosis zu erhöhen. Zur tödlichen Dosis. Sich fortschlafen, sich wegstehlen aus diesem Leben, diesem Elend, diesem Drecksdämmer. Doch nein. Er war noch nicht am Ende. Er durfte nicht gehen. Noch war es nicht vollbracht.

Essen konnte er schon lange nicht mehr aus eigener Kraft. Er wurde künstlich ernährt, hatten die Mädchen ihm gesagt, und vage war er sich bewusst, dass unter seiner Bettdecke etwas war, das nicht zu seinem Körper gehörte. Abgemagert war er, fast zu einem Skelett, ein Knochenmann. Siebenundvierzig Kilo bei knapp einem Meter achtzig Größe, er, der doch immer ein so stattlicher Mann gewesen war ... nun sah er fast so aus wie seine Mutter, seine geliebte Mutter, auf den Bildern, den grauenerregenden, mit der Zeit vergilbten, mit den teilnahmslos starrenden, halbtoten Gefangenen und den Lagerzäunen ...

Der Greis träumte von Gas und von Leichenbergen, und mit der Zuverlässigkeit, die am Ende nur das Grauen zu entwickeln vermag, kamen die Ängste.

Die Ängste waren das Schlimmste. Wie wollten sie das in den Griff bekommen, diese Halbgötter in Weiß? Überhaupt, was wussten sie von den Ängsten des alten Mannes auf Zimmer Zwei, von den Nachtschrecken, die über ihn kamen, wann immer er träumte, die wie ein Albdruck auf seiner Brust hockten und ihm die Luft raubten, von der Atemnot und dem eisigen Schweiß?

Die Chemotherapie hatte nicht angeschlagen. Die Strahlen, denen man

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