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Oscar Wilde - Gesammelte Werke von Wilde, Oscar (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.07.2013
  • Verlag: Anaconda Verlag
eBook (ePUB)
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Oscar Wilde - Gesammelte Werke

Oscar Wilde war der wohl schillerndste Kopf unter den Schriftstellern des 19. Jahrhunderts. Von seinen Lesern geliebt wie wegen seines Lebenswandels von vielen verachtet, ging der Dandy einen tragischen Weg vom gefeierten Erfolgsautor zum ausgestoßenen Gefängnisinsassen. Dieser Band vereinigt sein faszinierendes, vielgestaltiges Werk: den Roman Das Bildnis des Dorian Gray, seine besten Geschichten, Märchen und Essays, das Theaterstück Lady Windermeres Fächer und seine Gefängnisschriften wie die Ballade vom Zuchthaus in Reading.

Oscar Wilde wurde 1854 in Dublin geboren. Der Vater war Leibarzt der Königin Viktoria, seine extravagante Mutter führte einen intellektuellen Salon nach französischem Muster. Wilde studierte erst am Trinity College in Dublin, dann in Oxford, wo er sich mehr und mehr einem Ästhetizismus zuwandte, den er nicht nur in der Kunst, sondern auch im Leben zum Maß aller Dinge machte. 1884 heiratete er in London; 1885 und 1886 kamen seine beiden Söhne zur Welt. In den folgenden Jahren entfremdete er sich zunehmend von seiner Frau und wurde sich wohl auch seiner homoerotischen Neigungen deutlicher bewußt. Gleichzeitig nahm sein Ruhm stetig zu; in rascher Folge entstanden Essays, sein einziger Roman 'Das Bildnis des Dorian Gray', die Märchen, Erzählungen und mehrere Theaterstücke.
1895 wurde er wegen seiner Liebesbeziehung zum jungen Lord Alfred Douglas in einen Prozeß mit dessen Vater verwickelt, der ihm zum Verhängnis wurde: Wilde wurde zu Zwangsarbeit verurteilt und war nun gesellschaftlich, aber auch künstlerisch mit einem Schlag erledigt. 1897 aus seiner Einzelzelle entlassen, floh er nach Frankreich, unternahm noch einige Reisen in die Schweiz und nach Italien und starb 1900 resigniert in einem Pariser Hotel.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 800
    Erscheinungsdatum: 01.07.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783730690536
    Verlag: Anaconda Verlag
    Größe: 3110 kBytes
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Oscar Wilde - Gesammelte Werke

ERSTES KAPITEL

Das Atelier war erfüllt von starkem Rosenduft, und wenn der leichte Sommerwind die Bäume im Garten draußen bewegte, drang durch die offene Tür der schwere Geruch des Flieders oder der zartere Duft der Rotdornblüten.

Lord Henry Wotton lag auf einem Diwan mit persischen Satteltaschen und rauchte, wie gewöhnlich, unzählige Zigaretten. Von seiner Ecke aus konnte er gerade noch den Schimmer der honigsüßen und honigfarbenen Goldregenblüten sehen, deren zitternde Zweige kaum noch die Last ihrer flammenden Schönheit zu tragen schienen; dann und wann grüßten auch durch die langen Seidenvorhänge, die vor das große Fenster gezogen waren, fantastische Schatten vorbeifliegender Vögel. Das gab einen Augenblick eine japanische Stimmung und ließ den Liegenden an die Maler von Tokio denken mit den, wie aus blassem Bernstein geschnitzten Gesichtern, die mit den Mitteln einer Kunst, die nur unbeweglich sein kann, die Empfindung von Schnelligkeit und Bewegung hervorzubringen suchen. Das dumpfe Summen der Bienen, die ihren Weg durch das hohe, ungemähte Gras suchten oder mit zäher Beharrlichkeit um die goldbestäubten Trichter des wuchernden Geißblatts kreisten, ließ die Stille noch drückender erscheinen. Das dumpfe Brausen Londons wirkte wie die Basstöne einer fernen Orgel.

In der Mitte des Raumes lehnte auf einer aufrechten Staffelei das lebensgroße Bild eines ganz außerordentlich schönen Jünglings, und vor der Staffelei saß, ein paar Schritte weit entfernt, der Maler Basil Hallward, dessen plötzliches Verschwinden vor einigen Jahren so viel Aufsehen gemacht und zu so vielen merkwürdigen Vermutungen Anlass gegeben hat.

Während der Maler die graziöse und anmutige Gestalt ansah, die seine Kunst so kunstvoll gespiegelt hatte, schien ein heiteres Lächeln über sein Gesicht zu gehen und dort zu verweilen. Plötzlich aber fuhr er auf, schloss die Augen und presste die Finger auf die Lider, als fürchte er, aus einem seltsamen Traum zu erwachen, und suche, ihn im Gehirn festzuhalten.

»Es ist Ihr bestes Werk, Basil, das beste, was Sie je gemacht haben«, sagte Lord Henry matt. »Sie müssen es nächstes Jahr unbedingt in die Grosvenor-Galerie schicken. Die Academy ist zu groß und zu gewöhnlich. Immer, wenn ich hingegangen bin, waren entweder so viel Leute da, dass ich die Bilder nicht sehen konnte, was schlimm, oder so viel Bilder, dass ich die Leute nicht sehen konnte, was noch schlimmer war. Die Grosvenor-Galerie ist der einzig richtige Platz.«

»Ich glaube nicht, dass ich es überhaupt ausstellen werde«, antwortete der Maler und warf den Kopf in jener merkwürdigen Weise zurück, über die schon seine Freunde in Oxford gelacht hatten. »Nein - will es nicht ausstellen.«

Lord Henry zog die Augenbrauen hoch und sah den anderen durch die dünnen blauen Rauchwolken, die in fantastischen Wirbeln von der starken, opiumhaltigen Zigarette aufstiegen, erstaunt an.

»Überhaupt nicht ausstellen? Ja warum, mein Lieber? Haben Sie irgendeinen Grund dafür? Was für Käuze ihr Maler doch seid! Ihr tut alles Erdenkliche, euch einen Namen zu machen - habt ihr ihn dann endlich, scheint ihr nur das eine Bedürfnis zu haben, ihn wieder loszuwerden. Das ist sehr dumm von Ihnen, denn es gibt nur eine Sache auf der Welt, die peinlicher ist, als in aller Mund zu sein, und das ist: in niemandes Mund zu sein. Ein Bild wie das da gäbe Ihnen eine Stellung weit über allen jungen Leuten in England und würde die alten rasend machen, soweit alte Leute überhaupt noch einer Empfindung fähig sind.«

»Ich weiß, dass Sie über mich lachen werden, aber ich kann es nicht ausstellen. Wirklich nicht. Es ist zu viel von mir selbst darin.«

Lord Henry streckte sich auf dem Diwan und lachte.

»Ich habe ja gewusst, dass Sie lachen würden; es bleibt aber doch wahr.«

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