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ANI Essay eines Lebens von Preglau, Susanne (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.01.2014
  • Verlag: Limbus Verlag
eBook (ePUB)
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ANI

Ani kommt 1971 mit 16 Jahren allein aus Bosnien nach Österreich, ein Ziel klar vor Augen: dem Elend und der Armut zu entkommen. Unermüdlich schuftet sie für ein besseres Leben, gewinnt viel und verliert schlussendlich doch alles. Susanne Preglau zeichnet Anis Leben nach - eine Biografie stellvertretend für die der vielen Menschen, die als Gastarbeiter oder Flüchtlinge nach Österreich kommen und ein Leben lang mit schweren Traumatisierungen zu kämpfen haben, denn freiwillig verlässt keiner seine Heimat. Susanne Preglau, geboren 1955 in Wien, Studium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Wirtschaftsuniversität Wien. Seit 1991 Lehraufträge an den Instituten für Politikwissenschaft und Soziologie der Universität Innsbruck. Freiberufliche Arbeit an sozialwissenschaftlichen Forschungsprojekten. Zahlreiche Publikationen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 112
    Erscheinungsdatum: 18.01.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783990390177
    Verlag: Limbus Verlag
    Serie: Limbus Essay 4
    Größe: 722 kBytes
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ANI

Ich bin am 13. März 1954

auf die Welt gekommen.

In meinem Elternhaus,

eine halbe Stunde zu Fuß von Brajkovi?i,

einem kleinen Dorf in Bosnien.

Ich bin die Zweite von sechs Geschwistern.

Drei Mädchen und dann drei Buben.

Mein Vater ist,

da war ich sechs Jahre alt,

mit 36 Jahren gestorben,

an einer Lungenkrankheit.

Zwei Monate

vor der Geburt meiner Zwillingsbrüder.

Meine Mutter Luca hat auch

eine Zwillingsschwester gehabt:

Ana.

Sie ist immer ledig geblieben

und hat meiner Mutter geholfen,

nach dem Tod meines Vaters

die sechs Kinder durchzubringen.

Nach ihr bin ich

benannt.

Zwei Brüder meiner Mutter

sind im Zweiten Weltkrieg gefallen.

Sie waren bei der Ustascha

und sind von Partisanen erschossen worden.

Sie haben sich geweigert,

mit einer weißen Fahne zu kapitulieren.

Einige hundert Ustascha-Kämpfer

sind getötet worden.

Aber sie haben keine einzige Leiche gefunden.

Der Tod ihrer Brüder

hat meine Mutter sehr getroffen.

Ich kann mich erinnern,

dass sie immer

an den Geburtstagen ihrer Brüder ganz traurig war.

Uns Kindern hat sie gesagt, sie weint,

weil sie Zahnweh hat.

Ein anderer Bruder meiner Mutter

hat eine Getreidemühle gehabt.

Er ist von einem Muslim umgebracht worden.

Das war 1952,

zwei Jahre vor meiner Geburt.

Es ist nur darum gegangen,

das Getreide zu stehlen.

Es war nur aus Hass.

Mein Onkel war dreißig Jahre alt.

Er hat seine Frau

und zwei kleine Kinder hinterlassen.

Sie leben heute noch in Bosnien.

Ein Sohn arbeitet im Kohlebergwerk,

der andere ist Maurer.

Der Mörder ist nie vor ein Gericht gekommen.

Weil unsere Familie sich immer geweigert hat

kommunistisch zu sein,

weil für uns der katholische Glaube

alles war.

Mörder von Kroaten

hat die kommunistische Polizei nie verfolgt.

Die Kroaten haben auch keine Arbeit gekriegt.

Du hast Kommunist sein müssen,

sonst hast du keine Arbeit gekriegt.

Die muslimischen Dorfbewohner

haben den Mörder bejubelt,

weil's wieder ein Kroate weniger war.

Das hat eine Gruppe

kroatischer Arbeiter beobachtet,

die gerade nach dem Schichtwechsel

in der Kohlegrube

am Heimweg waren.

Vor dem Zweiten Weltkrieg hat mein Opa,

der Vater meiner Mutter,

auch einen Muslim erschossen -

hat meine Mutter gesagt.

Damals hat mein Opa zwei, drei Kühe gehabt

und eine Kuh verkaufen wollen,

weil er Geld gebraucht hat.

Er ist mit der Kuh nach Travnik

zum Markt gegangen,

ungefähr zwanzig Kilometer durch die Berge.

Nach zwei kroatischen Dörfern

ist er im Morgengrauen

durch ein muslimisches Dorf gekommen.

Da waren auf einmal zwei junge Männer,

die wollten,

dass er ihnen die Kuh gibt.

Mein Opa hat gesagt, nein,

aber im nächsten Dorf waren sie mit Verstärkung

wieder da,

und diesmal haben sie Gewehre gehabt.

Mein Opa hat aber eine Pistole gehabt

und hat sich gewehrt.

Ein Muslim war tot und einer verletzt.

Die Kuh haben sie ihm weggenommen,

aber mein Opa

hat davonrennen können.

Das war Ende der Zwanzigerjahre.

Meine Mutter war damals drei Jahre alt.

Meine Oma ist bei der Geburt meiner Mutter

und ihrer Zwillingsschwester gestorben.

Mein Opa hat dann fünf Kinder

allein großgezogen.

Tiere haben wir gehabt,

eine Kuh, ein Pferd und

zwei Schweine

und 15, 1

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