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Augenblicke mit Jean Améry Essays und Erinnerungen von Kesting, Hanjo (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.08.2014
  • Verlag: Wallstein Verlag
eBook (ePUB)
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Augenblicke mit Jean Améry

Dieses Buch bildet die Quintessenz aus 35 Jahren Beschäftigung Kestings mit Leben und Werk Jean Amérys. Jean Amérys Auschwitz-Essay "Jenseits von Schuld und Sühne' gilt als Schlüsselwerk über den Zivilisationsbruch des zwanzigsten Jahrhunderts. Es war nicht das erste Buch des Autors, aber dasjenige, das ihn schlagartig berühmt machte. Sein Nachdenken über die Folter und deren Nachwirken ist bis heute maßgeblich und in seiner Aktualität bedrängend, es wird zitiert, wann immer über dieses Thema gesprochen wird. Neben Essays hat Améry auch ein erzählerisches Werk geschaffen, etwa sein letztes Buch "Charles Bovary, Landarzt', das heute in seinem Rang vielleicht stärker erkannt ist als zu seinen Lebzeiten. Hanjo Kesting beschäftigt sich seit 35 Jahren in zahlreichen Aufsätzen, Vorträgen und Radiobeiträgen immer wieder mit dem Werk und der Persönlichkeit des Essayisten und Romanciers Jean Améry. Seit 1977 standen beide im Briefwechsel und pflegten bis zu Amérys Freitod im Oktober 1978 ein freundschaftliches Verhältnis. In diesem Band versammelt Kesting acht grundlegende Aufsätze über den Essayisten, den Erzähler, den Denker. Es sind literaturkritische Texte über einzelne Werke, über den schriftstellerischen Weg Amérys, über die Beziehung von Améry zu Jean Paul Sartre, und es sind sehr persönliche Erinnerungen und Versuche, die Persönlichkeit in all ihrem Facettenreichtum und ihrer Tragik auszuleuchten. Hanjo Kesting, geb. 1943, war bis 2006 Leiter der Hauptredaktion "Kulturelles Wort' beim NDR. Seit 2006 arbeitet er als Redakteur der Zeitschrift "Neue Gesellschaft/ Frankfurter Hefte'. Zuletzt edierte er eine "Ho?rEdition der Weltliteratur' in 50 Ba?nden. 2005 erhielt er den KurtMorawietzLiteraturpreis der Stadt Hannover und 2007 die Ehrenpromotion der Universita?t Hamburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 270
    Erscheinungsdatum: 04.08.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783835326729
    Verlag: Wallstein Verlag
    Größe: 962 kBytes
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Augenblicke mit Jean Améry

Der Tod des Geistes als Person
Erinnerung an Jean Améry

Wer war Jean Améry? Der Schriftsteller selbst pflegte, wenn man ihn um Auskunft über seine Person und sein Leben bat, mit ein paar dürren, knappen biographischen Daten zu antworten. Geboren 1912 in Wien, aufgewachsen in Oberösterreich als Sohn einer Kriegerwitwe, die in Bad Ischl eine Gaststätte und Pension betrieb; der Vater war 1916 im Ersten Weltkrieg als Tiroler Kaiserjäger gefallen. Eine kleinbürgerliche Herkunft, eine Jugend in der österreichischen Provinz – kaum tritt aus solchen Hinweisen die geistige Physiognomie des Mannes hervor, der als einer ihrer großen Essayisten zur deutschen Literatur des zwanzigsten Jahrhunderts gehört.

Als Jean Améry 1977 den Lessing-Preis erhielt, hieß es in der Preisurkunde: "... ein streitbarer Humanist ... der lebenslang Wert und Würde des einzelnen gegen eine übermächtige Gesellschaft verteidigt hat – die er dennoch nicht als dumpfe Masse verachtet."

Was erfahren wir aus solchen Sätzen? Viel und wenig zugleich, wie immer, wenn für ein großes und vielfältiges Lebenswerk die prägnante Formel gesucht wird. Gewiss trifft zu: Jean Améry war ein geistiger Nachfahr der Aufklärung, er verteidigte Wert und Würde des Einzelnen, er schlug sich auf die Seite des kleinen Bürgers und einfachen Mannes, der Namenlosen und Außenseiter. Und dennoch verstellen diese Sätze den Blick wenn nicht auf das Wesentliche, so doch auf das Charakteristische: die unverwechselbare Subjektivität, die – nach einem Wort Amérys – des Einzelnen einziges Eigentum ist. Hinter der Formel vom "streitbaren Humanisten" verschwindet das reale Lebensschicksal des Jean Améry, des Emigranten, Résistance-Kämpfers und KZ-Insassen, bis zur Unkenntlichkeit.

Noch einmal also: Wer war Jean Améry? Er war ein deutsch schreibender Jude aus Österreich, der mit Geburtsnamen Hans Mayer hieß und sich später, nach 1945, jenseits der deutschen und österreichischen Grenzen, durch Umstellung der Buchstaben in den französischen Jean Améry verwandelte. Ein Journalist, Publizist und Schriftsteller. Ein Kulturkritiker und Philosoph. Ein homme de lettres in einem in Deutschland seltenen und ungewöhnlichen Sinn. Autor eines umfangreichen politisch-schriftstellerischen Werks, bestehend aus zahllosen Zeitungsartikeln, kulturkritischen Streitschriften, Zeitanalysen, literarischen Essays, erzählerischen Reflexionen. Er war unermüdlich tätig für Hörfunk und Fernsehen, wurde oft geladen zu Vorträgen und Diskussionen. Er war schließlich der Verfasser von – wenn wir richtig zählen – achtzehn Büchern, von denen einige zu relativer (und das heißt im Zeitalter der Massenmedien bemerkenswerter) Bekanntheit gelangten: Jenseits von Schuld und Sühne, Über das Altern, Unmeisterliche Wanderjahre, Hand an sich legen. Diskurs über den Freitod .

Am 17. Oktober 1978 nahm sich Jean Améry in einem Hotelzimmer in Salzburg mit einer Überdosis Schlaftabletten das Leben. Es war der Tag der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse, zu der man ihn erwartete. Nun empfing man die Nachricht von seinem Tod mit respektvoller Erschütterung. Der Betrieb, die Geschäftigkeit, das Geschäft, all diese realen Manifestationen dessen, was Améry den "Glanz-Verfall" genannt hat, ließen ein Innehalten nicht zu. Nachrufe waren zu schreiben und Würdigungen. Und natürlich erinnerte man sich an den "Diskurs über den Freitod", worin Jean Améry geschrieben hatte: "Der

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