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Das Lachen der Wale Eine ozeanische Reise von Garde, François (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.03.2016
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Das Lachen der Wale

Man muss sich Jonas als einen glücklichen Menschen vorstellen, schreibt François Garde über den biblischen Propheten, den ein großer Fisch verschlang und vor Ninive wieder ausspuckte - immerhin war dieser Fisch ein Wal. Ein Wesen, das die Phantasie, die Jagdlust, den Hunger, das Sprachvermögen und die Abenteuersehnsucht der Menschheit seit jeher befeuert, ein mythisches Tier. François Garde erzählt in seinem charmanten, kurzweiligen, klugen und durchaus auch komischen Buch alle erdenklichen Geschichten und Kuriositäten über den Wal. Er reist dem Meeresriesen nach, zu den Walhäfen und dem einzigen Walrestaurant, aber er mustert auch Straßenschilder und Sternenbilder und die literarischen Spuren, die das gewaltige Tier hinterlassen hat. Ein glänzend geschriebenes, ebenso lehrreiches wie unterhaltsames Buch über eines der spannendsten und mysteriösesten Wesen der Natur. François Garde, geboren 1959 in Le Cannet, nahe der französischen Mittelmeerküste, war als hoher Regierungsbeamter u. a. auf Neukaledonien tätig. 2012 erschien bei C.H.Beck auf Deutsch sein Roman 'Was mit dem weißen Wilden geschah', für den Garde in Frankreich mit acht Literaturpreisen ausgezeichnet wurde, darunter der Prix Goncourt für den ersten Roman. 2013 erschien bei Gallimard der Roman 'Pour Trois Couronnes'. Thomas Schultz, geboren 1957, lebt in Berlin und ist als Übersetzer aus dem Französischen und Spanischen tätig. Neben zahlreichen Dokumentarfilmen und Essayfilmen übersetzte er Kunst-Essays für das Museo Thyssen-Bornemisza. Für den Verlag C.H.Beck übersetzte er u. a. Werke von Elisabeth Badinter, Marie-France Hirigoyen, Norberto Fuentes und François Cheng.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 231
    Erscheinungsdatum: 15.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406689581
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Originaltitel: La Baleine dans tous ses États
    Größe: 2690 kBytes
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Das Lachen der Wale

II
DIE JAGD

18
Im Baskenland

43° 29' N. - 1° 34' W.

Die verschiedenen Walarten tragen einfallslose, schlicht zusammengesetzte Namen: Blau- oder Grauwal, Buckelwal, Glattwal.

Einzigartig im Meer wie auf dem Land ist der Atlantische Nordkaper ( Balaena glacialis ), im Französischen als "baleine des Basques" (Baskenwal) bekannt. Er ist nicht nach einer Gegend oder Stadt benannt, sondern nach dem Volk, das sich mit seiner Jagd einen Namen gemacht hat. Ich kenne kein anderes Beispiel eines zoologischen Namens, der nach diesem Modell gebildet wurde. Diese Walrasse und dieses Volk bleiben für alle Zeiten vereint, wie die Spitze einer Harpune und das Ende der Leine, an der sie hängt.

Die in der Sprache bestehende Verbindung zwischen dem Wal und den Basken ist auch in den Landschaften der Provinz Labourd sichtbar. Auf Anhöhen entlang der Küste hatte man kleine, dem Meer zugewandte Türme errichtet, auf denen ein Posten Wache hielt und Alarm schlug, indem er eine Glocke läutete oder ein Feuer anzündete, wenn sich ein Wal oder sein Blas zeigte. Unmittelbar nach dem Signal gingen die Seeleute an Bord und begaben sich auf die Jagd. Sie umzingelten ihre Beute, versuchten ihr den Weg aufs offene Meer zu versperren, stellten ihr nach, harpunierten sie und schleppten sie schließlich an den Strand, um sie dort zu zerlegen.

Diese besonderen Türme heißen atalayes . Heute existiert anscheinend nur noch ein einziger zwischen Bidart und Guéthary. Und die Landzunge Pointe de l'Atalaye in Biarritz bewahrt nicht mehr als die Erinnerung daran. Die meisten Touristen, die dort spazieren gehen, um den Sonnenuntergang über dem Meer zu bestaunen, haben keine Ahnung von der einstigen Funktion dieses Ortes noch von dem verschwundenen Bauwerk, dessen Namen er trägt, in einer Sprache, die sie nicht kennen.

Dennoch beansprucht Biarritz in seinem Wappen die Rolle eines bedeutenden Walfängerhafens: "Auf Blau das Boot mit fünf Mann besetzt, von denen zwei sich anschicken, einen Wal zu harpunieren, der in die Fluten abtaucht, alles in natürlichen Farben; im Haupt auf Gold drei Muschelschalen, in natürlichen Farben, die linke verschwindend unter einem roten Obereck mit silbernem Stern."

Das Wappen von Hendaye zeigt einen Wal unter einem Bündel Harpunen und einer Krone, flankiert vom Anfangs- und Endbuchstaben des Namens der Gemeinde. Aber diese Beschreibung muss an Genauigkeit wie an Poesie der Heraldik den Vorrang lassen: "Auf Blau der silberne Wal, schwimmend in einem ebensolchen Meer, überragt von drei Harpunen, zwei schragenweise, eine pfahlweise, und im Haupt von einer königlichen Krone begleitet, flankiert von den Großlettern H rechts und E links."

Und hier das Wappen von Guéthary: "Auf Silber ein blaues Meer, belegt mit einem silbernen linksgewendeten Wal und einem goldenen Boot mit rotem Segel ins obere Feld ragend, besetzt mit sechs Fischern in natürlichen Farben, rechts der erste linksgewendet, links der letzte, den Wal harpunierend; das Ganze rechts begleitet von einer Klippe in natürlichen Farben, auf der ein Sandwachtposten steht."

Ich verharre einen Moment nachdenklich vor diesem Sandwachtposten auf seinem natürlichen atalaye , als der ihm die Klippe dient - bevor ich nachschlage und feststelle, dass in der französischen Heraldik "Sand" die Bedeutung von "schwarz" hat ...

Was die "Liebeskammer" in Anglet betrifft, soll sie ihren Namen den Liebesspielen der Wale verdanken, die von der Küste aus zu beobachten waren, und nicht jener Legende eines in einer Grotte von der Flut überraschten Liebespaares, die erst im Second Empire mit dem Tourismus aufkam ...

Das Walfleisch war für diese Küstenbewohner lange Zeit eine wichtige Proteinquelle, und so verdanken sie es ihrer eigenen Unerschrockenheit und Entschlossenheit zur Jagd, dass ihre Be

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