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Das Lob der Torheit Mit den Holbeinischen Randzeichnungen von Erasmus von Rotterdam (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.02.2014
  • Verlag: Edition Erdmann in der marixverlag GmbH
eBook (ePUB)
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Das Lob der Torheit

Niemand ist frei davon, Dummheiten zu sagen. Das Unglück ist, sie feierlich vorzubringen' (Montaigne). In diesem Klassiker der satirisch-humanistischen Literatur kommt die Dummheit höchstpersönlich zu Wort, und lobt sich - überraschenderweise rhetorisch brillant und mit feiner Ironie - selbst. Erasmus von Rotterdams Argumentation, bzw. die der Dummheit, ist dabei so geschickt, dass man sich immer wieder dabei ertappt ihr beizustimmen. Und das nicht zu Unrecht: so ist Dummheit scheinbar für alles, was in der Welt geschieht,ein Stückchen mitverantwortlich und wohl untrennbar mit der Conditio Humana verbunden.

Erasmus von Rotterdam wurde als Gerrit Gerritszoon um das Jahr 1465 in Rotterdam geboren. 1458 trat er in das Chorherrenstift der Augustiner ein und wurde 1492 zum Priester geweiht. Er studierte Theologie in Paris und lernte bei einem kurzen Aufenthalt in England Thomas Morus kennen. In den darauffolgenden Jahren lebte Erasmus in Italien, England und Basel und veröffentlichte zahlreiche theologische Schriften. Mit seiner Schrift De Libero Arbitrio (Vom freien Willen) brach er mit der Reformation und Luther in der Frage nach dem Verhältnis des freien Willens zur Gnade Gottes. Erasmus von Rotterdam starb 1536 in Basel.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 20.02.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843804325
    Verlag: Edition Erdmann in der marixverlag GmbH
    Größe: 5859kBytes
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Das Lob der Torheit

DAS LOB DER TORHEIT

Eine Stilübung des Erasmus von Rotterdam

Die Torheit tritt auf und spricht:

Mögen die Menschen in aller Welt von mir sagen, was sie wollen - weiß ich doch, wie übel von der Torheit auch die ärgsten Toren reden -, es bleibt dabei: mir, ja mir allein und meiner Kraft haben es Götter und Menschen zu danken, wenn sie heiter und frohgemut sind. Das beweist ihr selber schon zur Genüge; denn sowie ich vor eure große Gemeinde trat, ging augenblicklich über jedes Gesicht ein ganz ungewöhnlicher, überraschender Schein, munter schnellten die Köpfe empor, und ein so ungehemmtes helles Gelächter schallte mir entgegen, daß mich wahrhaftig deucht, es sei euch allen, die ich von nah und fern versammelt sehe, homerischer Götterwein, gewürzt mit Vergißdasleid, zu Kopfe gestiegen, und saßet doch vorher so bedrückt und verängstigt da, als kämet ihr eben aus des Trophonius Höhle. Aber, wie es allemal der Welt im Frühling geht - sobald die Sonne ihr schönes goldenes Antlitz der Erde wieder enthüllt oder nach dem bösen Winter der neue Lenz mit schmeichelndem Zephyr die Fluren fächelt, steht über Nacht die ganze Natur in neuem Gewande, in neuen Farben, in neuer Jugend da -, so hat sich im Nu, sobald ich mich blicken ließ, euer ganzes Wesen verwandelt, und was gewiegte Redner mit einer langen und wohlstudierten Ansprache kaum zustande bringen - ich meine, die schlimmen Sorgen verscheuchen -, ist mir mit dem ersten Schritt vor euch hin gelungen.

Warum ich aber heute in dieser ungewöhnlichen Tracht auftrete, sollt ihr sofort vernehmen, falls ihr geruht, mir euer Ohr zu leihen - aber bitte nicht das, womit ihr euch einen frommen Prediger anhört, sondern das andere, das ihr so munter spitzt, sobald ein Marktschreier, ein Hanswurst oder ein Narr in der Schellenkappe seine Witze reißt. Es kam mich nämlich die Lust an, vor euch für ein Stündchen den Sophisten zu spielen - nicht einen von den modernen, die auf den hohen Schulen die Gelbschnäbel mit verzwicktem Unsinn stopfen und zu mehr als weibermäßiger Ausdauer im Zanken abrichten - behüte! Ich halte mich an das Beispiel jener Alten, die von dem anrüchigen Titel "der Weise" nichts wissen wollen und sich bescheiden nur Freunde der Weisheit, Sophisten, nannten. Und da sie nichts lieber taten, als auf Götter und Helden Lobreden halten, so werdet auch ihr eine Lobrede hören; nur gilt sie nicht Herkules und nicht Solon, sondern mir selbst, der Torheit. Ich pfeife nämlich auf jene Weisen, die es gleich bodenlose Dummheit und Unverschämtheit heißen, sobald sich einer selbst lobt. Sei es so dumm, wie sie wollten - wenn sie nur einräumen, es stehe mir gut. Was stimmte nun schöner zusammen, als wenn die Torheit selbst ihren Ruhm ausposaunt und selbst ihr Loblied singt? Denn wer vermöchte mich besser zu geben als ich mich selbst? Der müßte mich schon genauer kennen als ich. Ohnehin will mir das viel passender vorkommen, als was die vornehmen und weisen Herren insgemein tun. Die pflegen in einer Art Scham, die das Gegenteil ist, sich einen katzbuckelnden Redekünstler oder phrasendreschenden Poeten zu bestellen und zahlen ihm Honorar, um aus seinem Munde ihr Lob sich anzuhören, will heißen, eine Lüge dicker als die andere; dabei spreizt sich unser schamhafter Mann wie ein Pfau, und mächtig schwillt ihm der Kamm, wenn der ausgeschämte Lobhudler ihn, den Wicht, einem Gott vergleicht, wenn er ihn preist als vollendetes Muster einer jeden Tugend - himmelweit weiß sich jener selbst davon entfernt, wenn er die Krähe mit fremden Federn aufputzt, den Mohren weißwäscht, aus einer Mücke einen Elefanten macht. Und schließlich: ich halte es mit dem Sprichwort, das da sagt: "Lobe dich ruhig selbst, wenn es kein anderer für dich tun will." Freilich muß ich dabei sagen, daß die Undankbarkeit - oder ist es Faulheit? - der Menschen mich befremdet. Denn alle machen mir eifrig den H

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