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Die Fülle des Lebens 100 Fragmente des Glücks von Schmid, Wilhelm (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.08.2015
  • Verlag: Insel Verlag
eBook (ePUB)
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Die Fülle des Lebens

Alle reden vom Glück. Nicht wenige Menschen aber werden unglücklich, nur weil sie glauben, immer glücklich sein zu müssen. Ihnen kann geholfen werden. Nach seinen letzten erfolgreichen Büchern Die Kunst der Balance und Schönes Leben . Einführung in die Lebenskunst beschreibt Wilhelm Schmid, wie das Glücksverlangen im Alltag befriedigt werden kann. Näheres unter www.lebenskunstphilosophie.de Wilhelm Schmid, geb. 1953, lebt als freier Philosoph in Berlin und lehrt Philosophie als außerplanmäßiger Professor an der Universität Erfurt. Viele Jahre lang war er als Gastdozent in Riga/Lettland und Tiflis/Georgien, sowie als "philosophischer Seelsorger" an einem Krankenhaus bei Zürich/Schweiz tätig. Umfangreiche Vortragstätigkeit, seit 2010 auch in China und Südkorea. 2012 wurde er mit dem Meckatzer-Philosophie-Preis und 2013 mit dem Egnér-Preis ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 168
    Erscheinungsdatum: 08.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783458743729
    Verlag: Insel Verlag
    Größe: 4762 kBytes
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Die Fülle des Lebens

Frühlingsmorgen:
Die Fülle der Sinne

1 Aufstehen und Auferstehung

Aufwachen, aufstehen: Wie schwer das immer wieder fällt, heute Morgen zum Beispiel. Als würden Klötze an den Gliedern hängen, auch an den Gedanken: So früh am Morgen bin ich geistig unzurechnungsfähig. Sie kennen das? Warum ist das so?

Vielleicht, weil wir beim Aufwachen aus einer anderen Welt kommen: Aus der Welt der Möglichkeiten, unendlich weit und reich wie die Träume, die uns Nacht für Nacht dorthin entführen. Jeden Morgen fallen wir zurück in die Welt der Wirklichkeit: Die ist, wie sie ist, mit eng begrenzten Spielräumen für ein Anderssein. Möglich ist prinzipiell alles, wirklich hingegen nur das, was ist. Der Wechsel der Welten könnte dramatischer nicht sein.

Aufwachen und Aufstehen sind an dieser Schnittstelle, diesem Interface angesiedelt, und das ist das Problem. Es handelt sich um keine Kleinigkeit, sondern um den Übergang von einer Dimension des Seins zu einer anderen. Was uns morgens abverlangt wird, ist nichts anderes als die immer neue Inkarnation , ganz im Wortsinne: Wir müssen wieder ins Fleisch, das von dieser Welt ist, während wir seelisch und geistig noch in jener Welt weilen, die voller Möglichkeiten ist.

Die Lebenskunst kann dabei behilflich sein, den Übergang zu bewältigen, vor allem mithilfe von Ritualen: Wenn es "so wie immer" abläuft. Beispielsweise langsam sich aufzurichten, nur allmählich sich daran zu gewöhnen, dass der Tag bestimmter und begrenzter ist als die diffuse, nebulöse Welt der Nacht. Laut und vernehmlich zu ächzen und zu stöhnen, damit die Mühsal adäquaten Ausdruck findet. Sich ausgiebig der Körperpflege im Bad zu widmen, sich auch fürs Frühstück alle Zeit der Welt zu nehmen, ganz allein vielleicht mit der Zeitung. Der immer gleiche Ablauf, die eingeübte Reihenfolge sorgen dafür, nichts neu entscheiden zu müssen, sich einfach nur hingeben zu können. Das kostet zu viel Zeit? Zumindest am Sonntag haben wir sie.

Eine andere Art des Aufstehens aber ist die Auferstehung . Was an Ostern eigentlich gefeiert wird, wieder mit einem Ritual, ist der umgekehrte Übergang, nämlich von der Wirklichkeit zurück zur Welt der Möglichkeiten, der göttliche Weg zu einem neuen und anderen Leben. So weit sind wir Menschen freilich jetzt noch nicht. Durch das wirkliche Leben müssen wir erst noch hindurch. Also noch etliche Male aufstehen.
2 Gelassenheits-Gebet

"Lebenskunst", klingt gut. Aber kann man wirklich über sein eigenes Leben bestimmen? Immer aktiv am Leben arbeiten? Stets mit seiner Gestaltung beschäftigt sein? "Ach", stöhnen Sie, "schön wär's!" Sie haben keine Zeit dafür. Andere Dinge drängen sich vor, Geldverdienen zum Beispiel, Ärger mit der Familie. Aber könnte ein Problem auch darin liegen, die Dinge stets anders haben zu wollen, als sie sind? Was wäre, wenn wir beliebig über unser Leben verfügen könnten? Es wäre anstrengend.

Lebenskunst kann daher nicht nur aus Selbstbestimmung bestehen. Die Gestaltung des Lebens kann nicht nur eine Aktivität sein. Ergänzend zum weit verbreiteten Aktivismus wäre eher ein "Passivismus" zu pflegen: Nicht immer alles beeinflussen zu wollen, vielmehr einiges auch auf sich beruhen lassen zu können. Es ist das Lassen, das für die Gelassenheit sorgt, ohne die eine Lebenskunst nicht denkbar ist: Offen lassen, zulassen, geschehen lassen, wachsen lassen, jemandem etwas überlassen, und, wenn möglich, auch auf andere sich verlassen.

Die Gelassenheit ist, wie so vieles, eine Frage der Übung: Sich immer wieder versuchsweise dem Leben zu überlassen, diesem unentwirrbaren Durcheinander von Freuden und Ängsten, Begegnungen und Erfahrungen, Ereignissen und Überraschungen, äußeren Notwendigkeiten und eig

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