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Die Gefühle der Anderen von Acheronian, Galax (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.07.2018
  • Verlag: Hybrid Verlag
eBook (ePUB)
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Die Gefühle der Anderen

Justin hat eine von allen als 'krank' bezeichnete Fähigkeit: Er spürt die Gefühle der Menschen in seiner Nähe. Nach einem Nervenklinikaufenthalt des 16-jährigen zieht die verzweifelte Familie für einen letzten Therapieversuch in die Provinz. Mit seinem Schulfreund Koryu entwickelt sich bald eine Freundschaft, wie sie beide bisher nicht kannten. Schon am ersten Tag in der neuen Schule geschehen unerklärliche Dinge, die der Empath stärker wahrnimmt als alle anderen. Zusammen mit Koryu, welcher Gefühle für Justin entwickelt, macht Justin sich auf die Suche nach der Ursache der Ereignisse. Dabei stoßen sie auf ein Geheimnis, das 30 Jahre lang verborgen blieb. Schon früh widmete sich Galax Acheronian dem Schreiben. Bereits mit acht Jahren begann er, erste kleinere Erzählungen in vielen Formen zu verfassen. Seit 2009 erscheinen mehrere Kurzgeschichten, meist aus dem Genre der Science Fiction, in ver-schiedenen Anthologien. Dies ebnete den Weg in seine dystopische Sciencefiction-Reihe, die mehrere Romane umfasst und bereits teilweise veröffentlicht wurde. Der Roman 'Die Gefühle der Anderen' ist die zweite eigenständige Veröffentlichung, welche den Weg außerhalb der Sciencefiction geht.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 754
    Erscheinungsdatum: 25.07.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783946820222
    Verlag: Hybrid Verlag
    Größe: 840 kBytes
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Die Gefühle der Anderen

1.

Der trübe Himmel wurde von dichten, einen Nieselregen mit sich bringenden Wolken dominiert. Als Vorreiter des sich ankündigenden Unwetters kroch ein feuchter, vom Wind getriebener Nebel wie ein alles verschlingendes Ungeheuer über unbestellte Felder. Die dunklen Wälder dahinter hatte er bereits verschwinden lassen. Eisige Böen zerrten an den letzten Blättern der hohen Kronen alter, sich im Wind wiegender Bäume, welche entlang der gepflasterten Landstraße dem rauen Wetter trotzten.

Hunderte von Krähen saßen vereinzelt oder in kleinen Gruppen zwischen den Ästen der hölzernen Giganten. Sie krächzten sich gegenseitig an, als sprächen sie über den auf sie einstürzenden Herbst. Wie zur Betonung schüttelten sie im Wechsel ihr nasses Gefieder. Unter ihnen bedeckten modrige Schlammklumpen aus verdorrten Blättern den unbefestigten Straßenrand.

Ein altes Fahrrad mit rostigen Speichen und sich langsam lösendem Lack durchstieß den Unrat und rauschte durch eine kleine Pfütze, die sich in einer Unebenheit gesammelt hatte. Kalte Regentropfen und scharfer Wind peitschten dem Jungen auf dem Rad ins Gesicht. "Warum?", fluchte er mit zusammengebissenen Zähnen. Gedanklich hing er an seiner warmen Wollmütze, die er beabsichtigt am Kleiderständer liegen ließ, um nicht schon an seinem ersten Tag als Weichei aufzutreten. Ein fataler Fehler, wie er erkennen musste. Der kräftige Herbstwind wehte ihm ein kleines Blatt um die vor Kälte geröteten Ohren, welches sich danach unbemerkt in seinen vollen Haaren verfing.

Justin! Echte Männer frieren nicht, hatte gestern Abend sein Vater noch mit einem leichten Kopfschütteln gesagt, als er seinen Sohn dabei beobachtete, wie dieser zu seinen Schuhen noch einen Schal und die Mütze legte.

"Er vielleicht nicht", grummelte der Junge angesichts der Kälte in sich hinein, denn im Grunde war es Justin immer kalt.

Soviel zum Thema Mann, setzten seine Gedanken spöttisch nach. Die wahre Ursache seines Ärgers fand sich weniger darin, dass er fror. Es war vielmehr die Gewissheit, dass er sich noch immer durch seinen Vater so beeinflussen ließ, als sei er sehr wohl das zuvor zugunsten des echten Mannes verleugnete Kind.

Allerdings sah sich Justin schon lange nicht mehr als ein solches, auch wenn es sicher noch einige Jahre dauern würde, ehe er der kälteresistente Mann wäre, von dem sein Vater sprach. Unterdessen schützte ihn die blaue Jacke seiner Schuluniform mehr schlecht als recht vor dem unerbittlichen Herbstwetter, das ihn fest in eisigen Klauen hielt.

Ein weiterer Fluch galt dem Wind, der davon unbeeindruckt um Justins frierende Hände strich. Der Gedanke an das Paar warmer Wollhandschuhe aus seinem Schrank stand direkt hinter dem an seine Mütze. Noch viel weiter weg als jeder andere verfluchende Gedanke aber war der Selbstvorwurf. Schließlich war es seine eigene Entscheidung, heute hier auf diesem Fahrrad um diese Uhrzeit diesen Weg zu nehmen.

Seine Eltern hatten ihm vorgeschlagen, einen Privatlehrer einzustellen, was Justin einfach nicht zulassen wollte. Der Umzug und das neue Haus waren ohnehin kaum zu bezahlen. Er wollte etwas zurückgeben und entschied, die Schule zu besuchen. Da diese deutlich kleiner war, als alle, welche er aus Dover kannte, würde er es schon irgendwie schaffen. Früher oder später musste er es so oder so. Zumindest in den kommenden vierzehn Monaten. Danach war er Siebzehn und damit erlosch seine Schulpflicht.

Dies betonte auch der Direktor seiner neuen Schule, als er vorige Woche zu Besuch kam, um seinen neuen Schüler kennenzulernen. Eine Ausnahme, denn in der Regel stellte sich eine Familie mit ihrem Sprössling dem Direktor vor und im Normalfall wiederholte auch niemand im Britischen Königreich eine Klasse. Nur war Justin nicht normal, wünschte aber, es wäre so. Ebenso wünschte er, dass alles, was hinter ihm lag, nie oder zumindest ein Jahr später geschehen wäre./

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