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Die Kindermörderin Ein Trauerspiel (Reclams Universal-Bibliothek) von Wagner, Heinrich L. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.04.2016
  • Verlag: Reclam Verlag
eBook (ePUB)
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Die Kindermörderin

Heinrich Leopold Wagner gehörte zum Kreis der Sturm-und-Drang-Dichter und schuf mit der 'Kindermörderin' ein Beispiel der neuen Gattung des bürgerlichen Trauerspiels, das nicht nur seine tragischen Helden aus dem Bürgertum bezieht. Darüber hinaus werden soziale Differenzen durch die Darstellung der Milieus und durch die Sprache der Personen abgebildet. Schließlich entstehen die Konflikte selber aus Standesunterschieden heraus und werden auch als Standeskontroversen bewertet. E-Book mit Seitenzählung der gedruckten Ausgabe: Buch und E-Book können parallel benutzt werden.

Heinrich Leopold Wagner (19. 2. 1747 Straßburg - 4. 3. 1779 Frankfurt a. M.) legte nach einem anfänglichen Theologiestudium in Halle sein Juraexamen in Straßburg ab und arbeitete als Advokat in Frankfurt. Sein schriftstellerisches Schaffen reichte von Romanen, Verserzählungen und Übersetzungen bis hin zu Dramen, zu deren bekanntesten 'Die Reue nach der Tat' und 'Die Kindermörderin' gehören.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 175
    Erscheinungsdatum: 21.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783159609652
    Verlag: Reclam Verlag
    Größe: 628 kBytes
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Die Kindermörderin

[5] Erster Akt.

(Ein schlechtes Zimmer im Wirthshaus zum gelben Kreutz: die Art, wie es meubliret seyn muß, ist aus dem Akt selbst zu ersehn: auf der Seite eine Thüre, die in eine Nebenkammer führt. Lieutenant von Gröningseck führt Frau Humbrecht an der Hand herein. Evchen ihre Tochter geht hinter drein: die Frauenzimmer haben Domino, Er eine Wildschur an; alle noch ihre Masken vor.)

MARIANEL.

(setzt ein Licht auf den Tisch, im Abgehn.) Sie haben schon befohlen? (Lieutenant winkt ja, Magd ab.)

FR. HUMBRECHT.

(die Maske vom Gesicht ziehend.) Herr Hauptmann! sie stehn mir doch -

V. GRÖNINGSECK

(wirft Wildschur, Maske und Hut hin.) Für alles, liebe Frau Humbrecht! für alles! - Ein Mäulchen, Kleine! das ist Ballrecht: (zieht Evchen die Maske auch ab) sey doch nicht so kleinstädtisch; ein Mäulchen! sag ich: (küßt sie; zur Mutter) Noch aber bin ich nicht Hauptmann, und ich laß mich nicht gern mehr schelten, als ich bin.

FR. HUMBRECHT

(verneigt sich) Wie sie befehlen: sie stehn mir doch, Herr Major -

V. GRÖNINGSECK.

Bravo! bravo! immer besser! ha ha ha!

EVCHEN.

Ey, Mutter, stell sie sich doch nicht so artig; Major ist ja noch mehr als Hauptmann, sie weiß ja gar nichts. - Der Herr Lieutenant wohnt schon einen ganzen Monat bey uns -

V. GRÖNINGSECK.

Einen Monat und drey Tage, mein Kind! ich hab jede Minute gezählt.

[6] EVCHEN.

Denk doch! ist ihnen die Zeit so lang geworden.

V. GRÖNINGSECK.

Noch nicht! aber bald möchte sie mirs werden, wenn du nicht -

EVCHEN.

Du! seit wann so vertraut?

V. GRÖNINGSECK.

Zank nicht Evchen! zank nicht! müßt mir heut nichts übel nehmen Leutchen, ich hab ein Gläschen Liqueur zuviel.

FR. HUMBRECHT.

Was ich fragen wollt, Herr Leutenant, sie stehn mir doch davor, daß wir in einem honetten Haus sind?

V. GRÖNINGSECK.

So soll mich der Teufel lebendig zerreißen, Frau Humbrecht! wenn hier nicht täglich alles, was beau monde heißt, zusammenkommt: - sehn sie nur an, wie schlecht das Zimmer meublirt ist. -

FR. HUMBRECHT.

Eben drum!

V. GRÖNINGSECK.

Eben drum! freilich, eben drum! Das macht die guten Zimmer sind alle schon besetzt. Meynt sie denn pardieu! der Lieutenant von Gröningseck würde sich sonst in einen solchen Stall weisen lassen. Drey Stühl, und ein Tisch, den man nicht anrühren darf! (er stößt daran, der Tisch fällt um, das Licht mit, geht aus.)

FR. HUMBRECHT.

Herr Jemine das Licht! Herr Leutenant, das Licht!

V. GRÖNINGSECK

(ihr nachäffend.) Das Licht! das Licht! hat der Henker das geholt, so gibts noch andre. - Wo ist der Leuchter? - (sucht.)

EVCHEN.

Hier hab ich ihn schon.

V. GRÖNINGSECK.

Wo? wo?

EVCHEN.

Ey hier! sie greifen ja dran vorbey - pfuy! -

FR. HUMBRECHT.

Was ist? was giebts?

V. GRÖNINGSECK.

Gar nichts! (nimmt den Leuchter ab, und geht nach der Thüre) Hola, des flambeaux! (Ein altes Weib hält ihm ohne sich recht sehn zu lassen ein Licht hin, er steckt seines an.)

EVCHEN

(sich die Hände am Schnupftuch abwischend) Ey da hab ich mir die Hände am Inschlitt beschmiert. [7] (Wirft dem Lieutenant heimlich einen drohenden Blick zu: er lächelt)

FR. H

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