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Die Rückkehr des Dionysos Chthonisches, Postmodernismus, Stille von Alisanka, Eugenijus (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.03.2014
  • Verlag: Athena Verlag
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Die Rückkehr des Dionysos

"Dionysos ist Energie, dazu auch Wahnsinn, Ekstase, Destruktion, er steht für das Prinzip der Metamorphose und des Wandels, er ist 'jenseits von Gut und Böse', das ist eine chthonische Kraft, die in jedem von uns pulsiert. Ihre Aktivierung wird zu einem Signum zeitgenössischer Kultur." Eugenijus Alisanka bemüht sich in seiner kulturologischen Studie auch gar nicht um eine genaue Definition von Phänomenen, die sich per se jeder Definition entziehen. Deutlich aber ist das Anliegen, einem Signum zeitgenössischer Kultur nachzuspüren. Die Studie ist in Entsprechung zu den drei Schlüsselbegriffen in drei Kapitel gegliedert: Im ersten Kapitel wird chthonische (erdverbundene) Imagination, das Eindringen des dionysischen Logos in die existenzielle Erfahrung des modernen Menschen thematisiert. Sie bedeutet zugleich eine Revolte gegen den Logozentrismus in der europäischen Kultur, wird als postmoderne Figuration gedeutet. Im zweiten Kapitel werden einige Tendenzen der Postmoderne in der litauischen Kultur aufgezeigt und diskutiert. Das dritte Kapitel behandelt das Phänomen der Stille in der zeitgenössischen Kultur. Die dionysische Ekstase hat paradoxerweise ihre Kulmination in der Stille, die chthonische Imagination findet ihre Grenze und zugleich Erfüllung im Tempel der Leere, dort, wo einst die Götter wohnten.

Eugenijus Alisanka (geb. 1960) ist Lyriker, Essayist und Übersetzer. Abgeschlossenes Studium der Mathematik an der Universität Vilnius; wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kultur und Kunst; 1994-2002 Direktor für internationale Programme beim litauischen Schriftstellerverband; Organisator des internationalen Poesie-Festivals "Frühling der Poesie". 1992 wurde Alisanka mit dem Z. Ge.le.-Preis für den Lyrikband Äquinoktium ausgezeichnet. Es folgte der Literaturpreis des Kulturministeriums der Republik Litauen für Die Rückkehr des Dionysos, der Preis des Festivals "Frühling der Poesie" für die Übersetzungen von Ales Debeljak und Zbigniew Herbert. Derzeit lebt und arbeitet er in Vilnius.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 151
    Erscheinungsdatum: 27.03.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783898968553
    Verlag: Athena Verlag
    Originaltitel: Dioniso sugr zimas. Chtoniskumas, postmodernizmas, tyla
    Größe: 901kBytes
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Die Rückkehr des Dionysos

Trends der Postmodernisierung litauischer Kultur

Ein neues Vokabular, Prämissen des Postmodernismus

Die Dynamik zeitgenössischer Kultur ist schwer zu beschreiben, vor allem deshalb, weil uns die nötige Distanz fehlt. Das Objekt, das beschrieben werden soll, ist ohne klare Konturen, hat sich noch nicht entfernt, ist noch nicht "toter" Gegenstand. So werden Kulturtheoretiker meist zu Kulturhistorikern, sie nehmen sich "abgelebte" Epochen vor, untersuchen sie mit der einen oder anderen Methode, indem sie Rückbindungen zur Gegenwart suchen. Andererseits erhellt die moderne Reflexion einen wichtigen Sachverhalt: dass nämlich die Erfahrung des Untersuchenden, bestimmt durch das eigene Zeitalter, das zu untersuchende Objekt deformiert. So kann man eben nicht objektiv über das Mittelalter sprechen, der Forscher analysiert und synthetisiert das ihm vorliegende Material und betrachtet es aus der Perspektive unserer heutigen Sprache und Bildwelt. Muss doch das Resultat seiner Untersuchungen dem Menschen unserer Tage bedeutsam und auch verständlich sein. Alle kulturellen Forschungen sind "Vergegenwärtigungen", das wird auch durch die Sprache des Anwenders bestimmt, durch seine Ideologie und andere zeitgegebene und zeitgebundene weltanschauliche Gegebenheiten.

Ein solches sich Einbringen des Subjekts in das jeweilige Objekt, dessen Teilnahme an den zu beschreibenden Prozessen entspricht ganz und gar der dionysischen Logik, die das Profil postmoderner Kultur formiert. Gerade das postmoderne Bewusstsein, indem es das Prinzip der Teilnahme anerkennt, formiert einen neuen Typ der Reflexion, der das Objektivitätskriterium in den Wissenschaften anfechtet. Äußerlich zeigt sich das in der Spannung zwischen den sich für akademisch haltenden Disziplinen und den neuen Diskursen. Letztere konstatieren, direkt oder indirekt, die auf dem logozentrischen monodisziplinären Prinzip beruhenden Denkstile als kraft- und hilflos, verwerfen deren "ultimatives Vokabular" (Richard Rorty); sie selbst erscheinen als synthetisch, interdisziplinär und direkt marginal. Beispiel eines neuen Diskurses par excellence ist der Essay, so kann auch ein akademisch erscheinender Text genannt werden (Michel Foucault) oder ein unversehens sich in Literatur verwandelnder Text (Hercus Kun?ius, Regimantas Tamošaitis). Der Erschaffer neuer Texte, das ist Rortys Ironiker, der ein neues Vokabular sucht, doch "indem er beschreibt, was er tut, wenn er dieses endgültige Vokabular sucht, ein besseres als das zur Zeit vorhandene, akzentuiert er metaphorisch die Aktion (hervorgehoben zitiert), nicht das Finden, Vielfalt und Neuheit, nicht die Annäherung an ein Gegebenes. Als endgültiges Vokabular sieht er poetische Errungenschaften an, und nicht Ergebnisse emsiger Forschung, gestützt auf im Voraus formulierte Kriterien". [1]

Eine solche Einstellung macht es möglich, diese Art Studien an der langen Leine zu halten, den Autoren ist erlaubt, sich "zu irren", ihr eigenes "ultimatives Vokabular" zu finden und zu erproben, ohne gleich ein Bild des Ganzen liefern zu müssen, eine "poetische Variante", wenn man so will. Die neuen Diskurse erzeugen vor allem jene Bereiche intellektueller Tätigkeit, die man der Kulturologie oder den cultural studies zuordnen kann. Letztere speisen sich aus den verschiedensten Disziplinen: Soziologie, Anthropologie, Semiotik, Linguistik, den Literaturwissenschaften u. a. "Häufig geradezu als Anti-Disziplin umrissen, leben die cultural studies zumindest von ihrem Unglauben an sich als akademische Disziplin, ein durchaus produktiver Zustand". [2] Gerade hier entsteht ein neues Vokabular, da, "wo die Abwesenheit jeder Methode von selbst wieder zur Methode wird

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