text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Drehe die Herzspindel weiter für mich Christine Lavant zum 100.

  • Erscheinungsdatum: 30.03.2015
  • Verlag: Wallstein Verlag
eBook (PDF)
15,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Drehe die Herzspindel weiter für mich

Zum 100. Geburtstag der großen Kärntner Autorin am 4. Juli 2015 Das Werk der Christine Lavant wurde, obwohl sie lange als Außenseiterin galt, mit den höchsten literarischen Preisen bedacht. Dass der nicht gerade für Respekt vor Kollegen bekannte Thomas Bernhard eine Gedichtauswahl besorgte, erregte Aufmerksamkeit. Heute, mehr als vierzig Jahre nach ihrem Tod, hat die Dichterin nichts von ihrer Anziehungskraft eingebüßt, ihre Erzählung "Das Wechselbälgchen' etwa (2012 neu bei Wallstein veröffentlicht) erreichte in kurzer Zeit vier Auflagen. Immer sagt es viel über den Rang von Literatur, wenn Autorinnen und Autoren nachfolgender Generationen sich anhaltend und nachdrücklich auf sie beziehen. Bei Lavant ist das in bemerkenswerter Weise der Fall. Der Band zum 100. präsentiert Originalbeiträge von Andreas Altmann, Konstantin Ames, Christoph W. Bauer, Ann Cotten, Dorothea Grünzweig, Maja Haderlap, Peter Hamm, Kerstin Hensel, Gabriele Kögl, Michael Krüger, Sibylle Lewitscharoff, Friederike Mayröcker, Julian Roman Pölsler, Steffen Popp, Teresa Präauer, Ilma Rakusa, Arne Rautenberg, Monika Rinck, Hansjörg Schertenleib, Evelyn Schlag, Ferdinand Schmatz, Kathrin Schmidt, Silke Andrea Schuemmer, Ulf Stolterfoth, Marlene Streeruwitz, Raphael Urweider und Uljana Wolf. Klaus Amann, geb. 1949, studierte Germanistik und Anglistik an der Universität Wien, ist Professor für Geschichte und Theorie des Literarischen Lebens und Leiter des Robert Musil-Instituts Klagenfurt. Er publizierte u.a. Bücher über Adalbert Stifter, Robert Musil und Ingeborg Bachmann und ist Mitherausgeber der kommentierten digitalen Gesamtausgabe von Robert Musil. Fabjan Hafner, geb. 1966, Studium der Slawistik und Germanistik. Literaturwissenschaftler, Übersetzer, Autor. Seit 1998 wissenschaftlicher Mitarbeiter des Robert Musil-Instituts Klagenfurt. Doris Moser, geb. 1965, Studium der Anglistik/Amerikanistik und Germanistik. Zunächst Radiojournalistin und Kulturorganisatorin. Leiterin des Fachbereichs Angewandte Germanistik an der Universität Klagenfurt. Veröffentlichungen u. a.: Der Ingeborg-Bachmann-Preis. Börse, Show, Event (2004); Neues vom Buch (Mithg. 2011).

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 184
    Erscheinungsdatum: 30.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783835327467
    Verlag: Wallstein Verlag
    Größe: 995 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Drehe die Herzspindel weiter für mich

I

F RIEDERIKE M AYRÖCKER

"das Selfie der Christine Lavant"

(unter Tränen unter Palmen:

ist wie Erdbeben wenn du auf

Reisen gehst und mich ver-

lassest : eruptiv, schmeckt

wie Zitronen : amour fou mit

Werner Berg, hinfällig starre

ich ins Rad der Zeit)

"eigentlich heisze ich Christine Thonhauser, trage 1 Kopftuch von Wolle gegen Kopfneuralgie, bin stigmatisiert. Meine Andacht ist eine Lanze, will nicht dasz das Lamm Gottes geschoren wird, wandele unter verdorrenden Apfelbäumen, abnehmender Tagmond und frühe Schwalben. Heute wurde ich wach ohne zu wissen wer ich sei, geblendet sind meine Augenhöhlen, der Schlange hab' ich den Schlüssel entrissen, wer haucht so kalt in mein Genick, Engel steh' auf und verschaff' mir die Ortschaft Paris, ich verlege die Ortschaft von links nach rechts, Vater ich bringe den FUNKER zurück, Kunst ist Rhythmus, so Kurt Schwitters. Bisweilen Eppich und Pfaffenhut, fremd geht der Schlaf an mir vorbei, mein Schatten kann über Wasser gehen, Liebfrauenhaar und Ingeräusch, "cool kitsch", so Martin Kubaczek, hinfällig starre ich ins Rad der Zeit, 1 feines blondes, Nest von Hahnenfusz = ich war ganz baff............

ich weisz dasz ich vergangen bin und mich

auch noch vergangen habe,"

17.7.2014
C HRISTINE L AVANT

Immer näher dem Milchstraßenrand

dreht sich der Hundsstern die Steppe zurecht,

während mein Halbtraum durch Mondviertel schleicht

und vor der Wachsamkeit flüchtet,

die im Steppenwind nachkommt.

Gestern warf ich mein Herz hinauf,

als Hundekuchen war es noch gut,

aber der Tiefschlaf verfehlte die Zeit,

weil er die Blätter der Milchsterne fragte:

Für keinmal, für einmal, für immer?

Gierig schaut mir der Hundsstern heut zu,

wie ich die Knochen des Rückgrates rüttle,

doch keiner will mir vom Leibe gehn,

denn jeder ist wachsam und listig und bellt

eine Botschaft hinauf, die der Steppenwind schluckt,

bevor er das Mondviertel abreißt.
M AJA H ADERLAP

unter dem hundsstern

nicht gottverlassen, denn gott stand

am gartenzaun, als man ihn anderswo

vermutete. nicht verrückt, auch wenn

das mädchen sah, wie der mann

die gestirne musterte und eine zigarette

rauchte. du musst gar nichts glauben,

diesen satz legte er in ihre gedanken,

ohne sich umzudrehen. er werde sich

unter die südlichen berge zum schlafen

legen wie ein hund vor sein herrenhaus,

erklärte der nächtliche gast und ging

quer über das feld. im wortfieber liegend

fand man das mädchen, kontaminiert

mit abwesenheit. ihre augen zogen den

mond als blasse worthülse an den tag

und die gräser tasteten aus dem dunkel

nach ihr. himmel und erde lasteten schwer

auf der zunge. es roch nach schnee.
C HRISTINE L AVANT

&

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen