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Fake und Fiktion Über die Erfindung von Wahrheit von Strässle, Thomas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.03.2019
  • Verlag: Carl Hanser Verlag München
eBook (ePUB)
13,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Ab 11.03.2019 per Download lieferbar

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Fake und Fiktion

Schluss mit dem Starren auf die Faktenchecks! Zur Halbzeit der Präsidentschaft von Donald Trump wissen alle, dass die Fiktion im Gewande des Fakes die Vorherrschaft der Fakten abgelöst hat. Die Instanz für Fragen der Fiktion, die Literaturwissenschaft, hat sich aber bislang vornehm zurückgehalten. Nun nimmt sich der Literaturwissenschaftler Thomas Strässle der Sache an. Jeder Fake ist eine Form von Fiktion, wie auch ein Roman Fiktion ist. Aber nicht jede Fiktion ist auch ein Fake. Was muss passieren, damit eine Fiktion als Fake für wahr gehalten wird? Wie lernen wir, Lügen zu unterscheiden - die schönen Lügen der Literatur von den bösen Lügen der Fakes? Davon handelt Strässles großer Essay. Thomas Strässle, geboren 1972 in Baden (CH), ist Professor für Literaturwissenschaft an der Universität Zürich und leitet an der Hochschule der Künste Bern das transdisziplinäre Y Institut. Außerdem ist er ausgebildeter Konzertflötist. Er lebt in Zürich. Bei Hanser erschien zuletzt: Gelassenheit. Über eine andere Haltung zur Welt (2013).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 96
    Erscheinungsdatum: 11.03.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783446262980
    Verlag: Carl Hanser Verlag München
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Fake und Fiktion

II
Dunkler Ursprung

Ach wie gut, dass niemand weiß ...

Die Schwierigkeiten mit dem Fake beginnen damit, dass niemand weiß, wo das Wort genau herkommt. Die Etymologie kann keine gesicherte Erklärung geben, bietet aber eine interessante Auswahl an Erklärungsmöglichkeiten. Unzweideutig scheint, dass der oder das Fake ein Anglizismus ist, der es als solcher innert kürzester Zeit in den Duden geschafft hat. 5 Im Deutschen wird das Wort seit Anfang der 1990 er Jahre verwendet 6 und ist inzwischen mehr als geläufig, auch wenn ihm seine fremdsprachige Herkunft sofort anzusehen und anzuhören ist.

'Fremd' und 'eigen' sind allerdings nicht so leicht unterscheidbar: Womöglich stammt der englische Begriff wiederum aus dem Deutschen. So behauptet es jedenfalls der Oxford English Dictionary . Auch er, selbst er, kann die Frage nach der Herkunft des Wortes nicht beantworten, wartet aber mit einer erstaunlichen Vermutung auf. Zum Verb fake , aus dem sich das gleichlautende Substantiv herleitet, schreibt er:

Of obscure origin. There appears to be some ground for regarding it as a variant of the older FEAK , FEAGUE , which are prob. ad. Ger. fegen (or the equivalent Du. or LG .) to furbish up, clean, sweep. 7

[Dunklen Ursprungs. Es scheint einigen Grund dafür zu geben, es als eine Variante der älteren FEAK , FEAGUE zu betrachten, die vermutlich auf das deutsche fegen zurückgehen (oder das niederländische oder niederdeutsche Äquivalent), herrichten, reinigen, kehren.]

Faken kommt von fegen : Das ist, auch wenn sie nicht auf sicherem Grund steht, eine ebenso überraschende wie anregende etymologische Erläuterung, da sie viele Richtungen andeutet, in die der Fake gedacht werden kann. Das deutsche Verb fegen hat, sprachgeschichtlich gesehen, selbst einen Bedeutungshorizont, der uns nur noch teilweise gegenwärtig ist. Das Grimm'sche Wörterbuch schreibt dazu:

FEGEN , purgare , mundare , rein oder schön reiben , wie purgare zu purus, mundare zu mundus, scheuern = goth. skeirjan zu skeirs, gehörig zum goth. fagrs aptus , ahd. fagar pulcher , ags. fäger, engl. fair, und nah verwandt mit fügen, aptare , ahd. fuogan, mhd. vüegen [...]. 8

Gegenstand des Fegens können zum Beispiel Waffen sein: Ein Schwert wird gefegt, damit es scharf sei, wenn es schlachten soll, und es wird gefegt, damit es blinke, wenn es Eindruck machen soll. Man kann aber auch Gold fegen, es also reinigen und läutern, Hirsche fegen ihr Geweih, indem sie es an Bäumen wetzen, wenn sie brünstig sind, mit einem Gläschen Rum kann man den Magen fegen, ihn durchputzen, oder man kann, das ist die heute gebräuchlichste Verwendung des Worts, den Staub oder Unrat fegen, ihn wegmachen, oder umgekehrt den Herd oder den Ofen, um sie von allem zu befreien, was ihre Sauberkeit stört. Ein anderes Wort für fegen in diesem Sinne wäre wischen - ein Wischen, das in seinem Bewegungsraum frei ist und nicht notwendigerweise nur zwei Richtungen kennt. Swipe or sweep, that's the question.

Gemeinsam ist all diesen Verwendungen, dass die Tätigkeit des Fegens darauf abzielt, etwas zu schärfen oder zu reinigen, um es den eigenen Vorstellungen und Zielen gemäß zu machen. Was gefegt wird, soll danach im doppelten Wortsinn besser wirken , im Interesse dessen, der fegt. Im Hinblick auf die Absichten des Fegens ist besonders der Hinweis interessant, es sei " nah verwandt mit fügen,

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