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Gelegenheit zum Staunen Ausgewählte Essays von Lenz, Siegfried (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.10.2014
  • Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
eBook (ePUB)
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inkl. gesetzl. MwSt.
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Gelegenheit zum Staunen

Die wichtigsten Essays von Siegfried Lenz zu Literatur, Gesellschaft und Politik. Ausgewählt und mit einem Vorwort von Heinrich Detering. Der Modus des Staunens ist eine Grundhaltung, die das essayistische Werk von Siegfried Lenz durchzieht. Von jeher begegnet er der Welt und der Weltliteratur mit großer Offenheit und Empathie. Deshalb sind seine Texte zu literarischen und politischen Themen wie auch seine autobiographischen Ausführungen stets Gelegenheitswerke im besten Wortsinn. "Und vielleicht ist dies das überzeugende Geschenk des Müßiggangs: die Gelegenheit zum Staunen, die uns gewährt wird. Wer aber staunt, wer sich selbst aus bescheidenem Anlaß wundert, der beginnt unweigerlich zu fragen, und wer Fragen stellt, wird zu Schlussfolgerungen gelangen: Der Müßiggang wird zu einem aufregenden Zustand." Siegfried Lenz (1926 - 2014) zählt zu den bedeutenden und meistgelesenen Schriftstellern der deutschen Literatur. Für seine Bücher wurde er mit vielen wichtigen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main, dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und mit dem Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte 2009. Seit 1951 veröffentlichte er alle seine Romane, Erzählungen, Essays und Bühnenwerke im Hoffmann und Campe Verlag.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 08.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455813289
    Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
    Größe: 761 kBytes
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Gelegenheit zum Staunen

Der demokratische Stil -
Siegfried Lenz als Essayist

Aus dem Jahr 1961 stammt der früheste Essay dieser Auswahl. Ein Jahr später, im Herbst 1962 , bricht der Schriftsteller Siegfried Lenz auf Einladung des amerikanischen Botschafters in der Bundesrepublik auf zu einer großen USA -Reise. Jetzt, auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, sollen junge und für die öffentliche Meinung wichtige Intellektuelle für den amerikanischen Weg gewonnen werden, und so stehen dem Sechsunddreißigjährigen, wohin er auch kommt, die Türen weit offen. Neugierig und unternehmungslustig reist Lenz, als Zeitzeuge und als Schriftsteller, voller Sympathie für das Land und bemerkenswert frei von Ressentiments wie von Verklärung. Und er führt während der Reise - der unter anderem auch der große Essay über die Schauplätze von Faulkners Romanen zu verdanken ist - das einzige Tagebuch seines Lebens. Genau fünfzig Jahre später hat er es erstmals veröffentlicht, mit einem Vorwort, das nun die vorliegende Sammlung beschließt und das noch einmal das damalige "Gefühl großer Dankbarkeit" wachruft. Es ist der Rückblick aus der Spätzeit eines Lebenswerks auf eine Art Urszene. Denn in der Amerikareise kulminiert jene persönliche Variante dessen, was dann "Westbindung" heißen sollte. Begonnen hatte sie schon mit dem Kriegsende, in der Kriegsgefangenschaft. Dort habe er, erinnert sich Lenz, eine englische Zeitung in die Hand bekommen; es war "die erste Zeitung, die frei war von Lüge".

Früher und leidenschaftlicher als viele seiner Generationsgenossen hat Siegfried Lenz sich Literatur und Kultur der USA erschlossen: lesend, schreibend und dank des Stipendiums auch aus eigener Anschauung. Und die richtet sich eben nicht allein auf sprachliche Kunstwerke, sondern erfährt eine wunderbare Öffnung der Welt durch eine Literatur, die Platz für viele Stimmen und Ansichten hat. Eine Literatur, die Vielstimmigkeit, Offenheit für Widersprüche, Verstehen lehrt, indem sie dies alles selbst praktiziert.

Der Kern des literarischen Kanons, auf den der Essayist Siegfried Lenz sich lebenslang beziehen wird, hat sich in dieser befreienden Nachkriegszeit herausgebildet, zwischen dem Kriegsende 1945 und der Amerikareise 1962 . Er bleibt trotz aller neuen Entdeckungen und Fundstücke bemerkenswert stabil bis in die spätesten Arbeiten hinein. Es sind die Dichtungen des französischen Existenzialismus und seiner amerikanischen Verwandten, die sein eigenes Schreiben künstlerisch und moralisch gleichermaßen imprägnieren: die Dramen und Romane Sartres, Becketts und vor allem Camus', es sind die Storys von Ernest Hemingway und die Romane William Faulkners und ihrer Vorgänger von Melville bis Mark Twain. Norddeutsche und skandinavische Autoren kommen hinzu, von Storm über Thomas Mann bis zu dem in aller Größe nie unproblematischen Hamsun und dem uneingeschränkt bewunderten Laxness, die russische Erzählkunst des 19 . Jahrhunderts und die Romane von Freunden und Weggefährten der deutschen Nachkriegsmoderne wie Wolfgang Koeppen, Heinrich Böll und Günter Grass. Nie steht Lenz dem Werk seiner Lieblingsschriftsteller in bloßer Bewunderung gegenüber, immer erweist er ihnen die Ehre der Kritik und, wo es ihm geboten erscheint, auch des Widerspruchs. Dem Stil seines Lehrers Hemingway hat der junge Siegfried Lenz eine "gewissenhafte Schlichtheit" nachgerühmt. Der Ausdruck bezeichnet, in beiden Wörtern, mindestens ebenso sehr sein eigenes Schreiben. Lenz zieht dem stilistischen Prunk das Understatement vor, und gewissenhaft ist sein Sprachgebrauch, weil für ihn, den norddeutschen Protestanten, die Literatur zuerst eine Gewissenssache ist.

Dabei wird dem neugierigen Amerikareisenden bald, auch hier ähnelt er dem Koeppen der Amerikafahrt , das komplexe Riesenwerk Faulkners wichtiger als die lakonischen Storys von Hemin

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