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Glasperlenspiel und Lebenskunst Fünf Reden über Hermann Hesse von Muschg, Adolf (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.07.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Glasperlenspiel und Lebenskunst

Adolf Muschg leuchtet das Wesentliche von Hermann Hesses Werk ebenso aus wie das Innerste des Menschen Hesse. Hesse-Exegese auf allerhöchstem Niveau.

Adolf Muschg, 1934 in Zollikon, Kanton Zürich, geboren. Romancier, Essayist und Literaturwissenschaftler. Für sein Werk wurde er mit vielen namhaften Literaturpreisen ausgezeichnet. Ausführliche Informationen über den Autor und seine Bücher finden sich auf www.adolfmuschg.com. Zuletzt erschienen beim C. H. Beck Verlag seine Romane "Löwenstern" (2012) und "Die Japanische Tasche" (2015). Adolf Muschg lebt zusammen mit seiner Frau in Männedorf am Zürcher See.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 124
    Erscheinungsdatum: 28.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783739250533
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 184kBytes
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Glasperlenspiel und Lebenskunst

SIEGFRIED UNSELDS HERMANN HESSE ODER: DIE FOLGEN EINER DOKTORARBEIT

Im Jahre 1951 promoviert ein junger Germanist an der Philosophischen Fakultät der Eberhard-Karl-Universität zu Tübingen über das Thema: "Hermann Hesses Anschauung vom Beruf des Dichters". Er ist am Datum der mündlichen Prüfung knapp 27 Jahre alt. Die der Dissertation beigefügte VITA registriert schmucklos seine Wanderjahre durch einen Weltuntergang.

In Ulm wurde ich im Jahre 1942 (also mit 18) zur Kriegsmarine eingezogen. Das Kriegsgeschehen führte mich nach Rußland, Rumänien, Bulgarien und Griechenland. Nach der Entlassung im Jahre 1946 trat ich wieder in meine alte Schule ein (das Realgymnasium Ulm), um ein vollgültiges Abitur abzulegen.

Ein vollgültiges Abitur - ich glaube, daß das Studium zur Not auch ohne möglich gewesen wäre; dieser Student ließ eine Reifeprüfung durch Hitlers Krieg nicht gelten. Die schulische Infrastruktur mochte lückenhaft sein: aber für einen jungen Deutschen galt es jetzt, ganz andere Lücken zu schließen. Und wenn er die Wahl seines Dissertationsthemas begründet, gibt er zu erkennen, was ihm fehlte und was er suchte.

Mit Hermann Hesse habe ich einen modernen Dichter zum Thema gewählt. Dies entsprach nicht nur einem aus meiner verlegerischen Arbeit erwachsenen Grundsatz, das Alte verehrend zu bewahren, für das Neue aber da zu sein; es geschah, weil Hesses Dichtung mir zu einem besonderen Erlebnis geworden ist und weil meine bei Herrn Prof. Dr. Friedrich Beißner erarbeitete ästhetische Einstellung zur Dichtkunst durch Hermann Hesses ästhetische Anschauung bestätigt wurde.

Die "verlegerische Tätigkeit", von welcher der Doktorand spricht, war diejenige der Verlagshandlung J. C. B. Mohr in Tübingen, in welcher der Kriegsheimkehrer nach dem "vollgültigen Abitur" eine Lehre absolvierte. Von einem Suhrkamp Verlag ist noch keine Rede. Und doch muß gerade an dieser Stelle von Peter Suhrkamp gesprochen werden. Denn ohne den Treuhänder des exilierten S. Fischer Verlags, der die Stellung von Goethes "Weltliteratur" in der verdunkelten Provinz des Dritten Reiches hielt, wäre kein Buch Hesses in die Hand des jungen Frontsoldaten gelangt, um ihm eine "ästhetische Anschauung" jenseits der nationalsozialistischen Mythologie zu eröffnen. Peter Suhrkamp kam dafür ins Konzentrationslager Sachsenhausen, sein Einsatz für die Erbschaft literarischer Zivilisation hat ihn um die Gesundheit und nach dem Krieg viel zu früh zu Tode gebracht. Dieser Verleger war für Hesse ein starker Grund, seine Bücher, so weit wie möglich, weiterhin im Dritten Reich erscheinen zu lassen. Als Schweizer Bürger hatte er wenigstens die Wahl, und viele emigrierte Kollegen, die sie nicht hatten, gaben ihm ihr Befremden zu erkennen. Dabei hatte Hesse keinen Zweifel, daß er, "arisch" zwar, doch nach dem Sprachgebrauch der Nürnberger Gesetze "jüdisch versippt", in seinem Tessin bei einem Einmarsch der Nazis alles andere als sicher gewesen wäre. Aber die Treue zu einer einzelnen Person galt ihm mehr als jegliches Lagerdenken, wie er auch durch die fortgesetzte Korrespondenz mit seinen Lesern im Dritten Reich bewies. Sie erlaubte ihm, auch für junge Menschen in Uniform "da" zu sein, und ihnen, wie unserem in Rußland Marinedienst Leistenden, "zum besonderen Erlebnis" zu werden. Daß sie nach Hesse verlangten, hatte sogar Goebbels dazu bewegen können, Bücher wie "Knulp" und "Unterm Rad" für den Tornister freizugeben, auf die Gefahr hin, daß sich die Front, an welche diese Jugend zum Sterben geschickt wurde, in ihren Köpfen auflöste.

Im Grunde setzte Hesse im Zweiten Weltkrieg seine Gefangenenfürsorge aus dem Ersten fort: Damals hatte er, der erklärte Kriegsfeind, verschmäht, in der sicheren Schweiz die deutsche Staatsbürgerschaft abzulegen; zum zweiten Mal Schweizer geworden, schrieb er als Weltbürger und weigerte sich abermals, hinter der Fassade von Großmannssucht und Scheinheldentum das echte Leiden zu ignori

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