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GOTT Ein Theaterstück von Schirach, Ferdinand von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.09.2020
  • Verlag: Luchterhand Literaturverlag
eBook (ePUB)
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GOTT

Richard Gärtner, 78, ein körperlich und geistig gesunder Mann, will seit dem Tod seiner Frau nicht mehr weiterleben. Er verlangt nach einem Medikament, das ihn tötet. Mediziner, Juristen, Pfarrer, Ethiker, Politiker und Teile der Gesellschaft zweifeln, ob Ärzte ihm bei seinem Suizid helfen dürfen. Die Ethikkommission diskutiert den Fall.
Ferdinand von Schirach verhandelt in seinem neuen Theaterstück das Sterben des Menschen. Und wie schon in seinem ersten Drama "Terror" müssen wir am Ende selbst ein Urteil fällen. Wem gehört unser Leben? Wer entscheidet über unseren Tod? Wer sind wir? Und wer wollen wir sein?
Ergänzt wird der Band um Essays von drei namhaften Wissenschaftlern, die das Thema der ärztlichen Suizidbegleitung aus medizinethischer, juristischer und theologisch-philosophischer Perspektive beleuchten.

Der Spiegel nannte Ferdinand von Schirach einen "großartigen Erzähler", die New York Times einen "außergewöhnlichen Stilisten", der Independent verglich ihn mit Kafka und Kleist, der Daily Telegraph schrieb, er sei "eine der markantesten Stimmen der europäischen Literatur". Die Erzählungsbände "Verbrechen", "Schuld" und "Strafe" und die Romane "Der Fall Collini" und "Tabu" wurden zu millionenfach verkauften internationalen Bestsellern. Sie erschienen in mehr als vierzig Ländern. Sein Theaterstück "Terror" zählt zu den weltweit erfolgreichsten Dramen unserer Zeit. Ferdinand von Schirach wurde vielfach mit Literaturpreisen ausgezeichnet. Er lebt in Berlin. Zuletzt erschienen von ihm sein persönlichstes Buch "Kaffee und Zigaretten" sowie "Trotzdem", ein Band mit Gesprächen mit Alexander Kluge.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 14.09.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641256067
    Verlag: Luchterhand Literaturverlag
    Größe: 974 kBytes
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GOTT

ERSTER AKT

Der Deutsche Ethikrat tagt. Die Vorsitzende, Gärtner, Brandt, Keller, Biegler, Litten, Sperling und Thiel sind auf der Bühne. Auf den Tischen stehen Mikrofone. Vor allen Beteiligten liegen Akten, Laptops und Tablets.

VORSITZENDE

Direkt zum Publikum.

Meine Damen und Herren, ich eröffne diese Sitzung des Ethikrates, sie ist öffentlich. Ganz herzlichen Dank, dass Sie heute gekommen sind. Der Rat ist dieses Mal auf eigenen Entschluss tätig geworden. Es geht um folgenden Fall: Richard Gärtner, den ich hier begrüße,

Die Vorsitzende nickt Gärtner zu.

hat beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte eine tödliche Dosis Natrium-Pentobarbital beantragt. Das ist ein Medikament, das in anderen Ländern von Sterbehilfeorganisationen eingesetzt wird. Herr Gärtner erklärte, er wolle sich das Leben nehmen. Das Außergewöhnliche an der Situation ist, dass Herr Gärtner nicht unheilbar krank ist oder an Schmerzen leidet, sondern dass er völlig gesund ist. Das Bundesinstitut lehnte die Herausgabe des Medikaments ab. Daraufhin wandte sich Herr Gärtner an seine Hausärztin und bat sie um Beihilfe bei seinem Suizid. Soweit der Sachverhalt. Nun, meine Damen und Herren, die Frage, die wir uns vorgelegt haben, klingt also recht einfach: Ein Mensch möchte nicht mehr weiterleben und bittet um ärztliche Hilfe, sich zu töten. Vor kurzem hat das Bundesverfassungsgericht dazu ein Grundsatzurteil erlassen, das die Rechte von Menschen wie Herrn Gärtner garantiert. Wir haben damit heute eine sehr liberale Regelung der Sterbehilfe. Die gesellschaftliche Diskussion wird trotzdem nicht beendet sein - im Gegenteil. Die rechtliche Frage, ob ein Arzt einem Menschen beim Selbstmord helfen darf, ist zwar geklärt. Die ethische Frage aber bleibt. Sie lautet: Soll ein Arzt einem Menschen dabei helfen? Über sie wollen wir heute sprechen.

BIEGLER

Suizid.

VORSITZENDE

Wie bitte?

BIEGLER

Wir sollten »Suizid« sagen, nicht »Selbstmord«. Sich selbst zu töten ist kein Mord.

VORSITZENDE

Gut. Richtig. Wie also ist das Problem zu entscheiden? Soll ein Arzt beim Suizid helfen? Wäre das ethisch richtig? Darüber werden wir heute diskutieren. Wir haben dazu Herrn Gärtner mit seinem Anwalt, Herrn Biegler, und seiner Hausärztin eingeladen. Wir haben auch drei Sachverständige gebeten, uns bei unserer Entscheidung zu unterstützen:

Nickt den Genannten jeweils zu.

Frau Professorin Litten von der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Freien Universität, Herr Professor Sperling von der Bundesärztekammer und Herr Bischof Thiel.

Zum Publikum.

Meine Damen und Herren, Sie sind als Mitglieder des Ethikrates unabhängig. Sie werden bei der späteren Abstimmung ausschließlich dem folgen, was Sie für vernünftig und richtig halten. Gibt es noch Fragen oder Anregungen?

Die Vorsitzende sieht ins Publikum, dann zu Brandt, Gärtner und Biegler, die alle verneinend den Kopf schütteln.

Danke. Dann beginnen wir jetzt.

Herr Gärtner, darf ich Sie hier nach vorne bitten?

Gärtner geht nach vorne und setzt sich.

VORSITZENDE

Ich danke Ihnen, dass Sie Ihren Fall öffentlich gemacht haben und uns hier Auskunft geben.

GÄRTNER

Eigentlich will ich das nicht.

VORSITZENDE

Verzeihen Sie: Was wollen Sie nicht?

GÄRTNER

Auskunft geben.

VORSITZENDE

Das verstehe ich. Aber wir wollen Ihre Situation ja begreifen. Also, Herr Gärtner, können Sie uns bitte schildern, worum es Ihnen genau geht?

GÄRTNER

Ich will sterben.

VORSITZENDE

Warum? Sie sind doch nicht krank, soweit ich weiß?

GÄRTNER

Bis auf so e

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