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In Liebe, Sheila von Tschan, Kurt (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.10.2016
  • Verlag: BookBaby
eBook (ePUB)
12,79 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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In Liebe, Sheila

Beim Basler Bankenplatz detoniert eine Bombe. Gleichzeitig stirbt vor dem angrenzenden Music Store ein Mann. Kriminalkommissär Conradin Styger übernimmt den Fall. Zur gleichen Zeit verlassen Islamisten ihr Ausbildungszentrum im Norden Afghanistans und gelangen auf abenteuerlichem Weg ans Rote Meer. Als sie dort ankommen, verbringt Sheila, die Geschäftsführerin des Music Stores, gerade Ferien. Sie lernt Leander kennen, der als Tauchlehrer im Hotel arbeitet und verliebt sich in ihn. Als Sheila schon glaubt, dass sie Leander vergessen hat, besucht er sie in Basel. Schliesslich befällt Sheila ein furchtbarer Verdacht. Leander könnte ihre Liebe missbraucht haben. Er ist im Besitz von Dokumenten, mit deren Hilfe er am Rhein eine verheerende Flutwelle auslösen kann.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 200
    Erscheinungsdatum: 09.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783952447215
    Verlag: BookBaby
    Größe: 494kBytes
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In Liebe, Sheila

2. Das Haus ist aus Stein. Es sieht so ganz anders aus, als es sich Jamil vorgestellt hat. Entweder hatte er nicht richtig zugehört, als man es ihm beschrieben hatte, oder die Informationen waren ungenau. Nicht alles ist gut. Auch wenn es den Segen Allahs hat, denkt Jamil und schaut durch sein Fernrohr. Dann nimmt er sein GPS-Gerät zur Hand und kontrolliert seinen Standort. Es gibt keinen Zweifel, dass er an seinem Ziel angekommen ist. Die Daten stimmen exakt mit jenen überein, die ihm ein anderer Gotteskrieger vor einigen Tagen im Café Cairo in Hurghada in ein kleines Notizbuch geschrieben hatte und anschliessend das Papier herausgerissen hatte. Natursteine füllen die Lücken zwischen den Baumstämmen, die als Träger dienen. Der Garten befindet sich im Winterschlaf. Jamil reibt sich die Hände. Es ist empfindlich kalt. Die Temperaturen fallen im hügeligen Hinterland des Mississippi im Januar auf neun Grad. Diese Wälder sind das Gegenteil der Wüste, die ich kenne. Alles ist zugewachsen. Die Weite wird zur Enge, die Hitze zur Kälte. Die Wüste legt alles offen - bis zum Nichts. Die Wälder verschlingen alles, was sich in sie begibt. Mag sein, dass jeder seine eigene Wahrnehmung hat, entschuldigt er sich selbst, weil er das Haus auf den ersten Blick nicht erkannt hat. Jeder sieht die Welt anders. Während sich der eine freut, grämt sich der andere. Nur vor Allah wird alles wieder so, wie es wirklich ist. "Die Reinheit kehrt zurück, der Schmutz wird weggewaschen." Die Worte laufen wenig später, als er sich vorsichtig aus dem Unterholz entfernt hat und zur Strasse zurückgelaufen ist, auf einem unsichtbaren Band über die Windschutzscheibe seines Kleinwagens. So funktionieren Teleprompter, denkt Jamil, obwohl er davon überzeugt ist, kein einziges Wort ablesen zu müssen. Gebete sind Ausdruck eines Gefühls, das zu einem Dauerzustand geworden ist, seitdem er über Ägypten, Frankfurt und Quebec in die Vereinigten Staaten von Amerika gereist ist. Gebete sind Empfindungen, keine aus Buchstaben bestehenden Worte, die auswendig gelernt werden müssen. Sie benötigen keinen äusseren Halt. Sie sind der zum Wort gewordene Ausdruck seiner Bestimmung. Jeder Märtyrer spürt das. So wie die Worte nicht lügen, ist auch an ihm nichts falsch. Seine Wahrnehmung ist bereits der Ewigkeit zugewandt. Nur sein Körper verharrt noch im Diesseits, um einen Auftrag zu erfüllen. "Das Gute entsteht erst, wenn das Böse bezwungen ist. Nur der Tod verhilft uns zu unserem wahren Leben. Gott ist die wahre Quelle des Ursprungs. Unser Leben ist wie ein Tropfen in einem riesigen Meer, das aus dieser Quelle strömt und zu einem nie versiegenden Strom der Glückseligkeit wird", hört sich Jamil sagen. Er geht in seinen Gebeten auf. Sie betören ihn auch jetzt, während er im Auto sitzt und darauf wartet, dass der Mississippi wie ein goldenes Band im ersten Hauch der Dämmerung zu glitzern beginnt. "Das Klagen hat ein Ende, die Freude strahlt wie ein wunderschöner Sonnenaufgang in der Wüste. Die Unterschiede verlieren ihre Konturen, die Demut kehrt zurück. Das Paradies ist nahe." Sobald Jamil das Wort "Paradies" ausspricht, erfasst ihn ein Kribbeln. Er atmet tief durch und wiederholt den Satz. "Das Paradies ist nahe. Die Gier verliert ihre Masslosigkeit, die Gewalt ihre Speerspitzen. Was anders war, wird gleich, was gleich ist, wird wahrhaftig." Jamils Augen glänzen. Für einen Moment wird seine Freude sichtbar. Aber nur kurz. Dann erscheinen im Rückspiegel Scheinwerfer, die von einem herannahenden Auto stammen. Während sie bereits in der nächsten Kurve verschwinden, bleiben seine Gebete hartnäckig an seiner Windschutzscheibe haften. Sie laufen weiter darauf auf ab - von rechts nach links. Der zu Ende gehende Tag wirft immer grössere Schatten. Sie reichen bis weit zu den Hügeln hinauf. An einigen Stellen ist

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