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Interview mit dem Teufel von Böttcher, Jens (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.08.2013
  • Verlag: Brendow
eBook (ePUB)
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Interview mit dem Teufel

Ein geheimnisvoller Fremder, der allen Ernstes behauptet, der Teufel persönlich zu sein, lädt zu einer Pressekonferenz. Eine Handvoll neugieriger Journalisten erscheint. Natürlich rechnet keiner von ihnen damit, dass dieser Aufschneider tatsächlich der Teufel ist. Doch sie alle werden eines Schlechteren belehrt: Der Leibhaftige - charmant, boshaft und zynisch - eröffnet ihnen, dass er gekommen ist, um endlich einmal die 'Ganze Wahrheit' über sich selbst und sein Wirken in der Welt zu offenbaren. Die meisten der Anwesenden ergreifen bald die Flucht. Nur der mutige Journalist Richard Kolbach bietet dem Teufel die Stirn und bringt ihn mit klugen Nachfragen immer wieder an den Rand seiner düsteren Fassung.

Böttcher, Jens, Jahrgang 1966, ist Autor, Musiker, Dichter, Nachdenker, Folkrocker und Überlebenskünstler. Er schreibt fürs Fernsehen und erfand mit dem Reverend Eminent eine der erfolgreichsten und langlebigsten Radiocomedys. Seine Musik begeistert und seine Texte berühren zutiefst.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 23.08.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783865066008
    Verlag: Brendow
    Größe: 804kBytes
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Interview mit dem Teufel

Ein überraschendes Geständnis

Auftaktszene, Bühnenbild. Das Konferenzzimmer eines Hotels. Hinter den Fenstern mit üppigen Vorhängen ein trübes Herbstszenario. Nachmittagslicht. Eine beinahe leere Bühne: nur ein Rednerpult mit Mikrofon, davor platziert ein Dutzend Stühle. Getragene, etwas schräge Kammermusik erklingt. Reporter Richard Kolbach betritt das Podium. Er geht zum vorderen Bühnenrand und wendet sich direkt an das Publikum. Die Musik endet.

KOLBACH
Guten Abend, meine Damen und Herren. Gestatten Sie, dass ich mich vorstelle: Mein Name ist Kolbach, Richard Kolbach, ich bin Journalist. Zugegeben, nicht gerade einer von Weltruf. Also, ich meine, keiner von denen, die in nächster Zeit für den Pulitzerpreis nominiert werden. Oder für irgendeinen anderen Preis. Ich schreibe für den Mühlhofener Merkur. Das ist eine sehr kleine Zeitung. Aber Mühlhofen ist ja auch ein kleiner Ort. Normalerweise ist nicht viel los hier. Es ist beschaulich und ruhig, eine fromme Gegend mit einfachen Menschen. Aber ich lebe gerne hier. Und ich mag meinen Job. Oder besser: Ich hab ihn gern gemocht, bis vor Kurzem. Alles hat sich verändert. An jenem Tag. Genau deshalb möchte ich Ihnen von dieser eigentlich ganz unglaublichen Begebenheit erzählen.

Er geht unruhig auf der Bühne umher und wirkt sehr konzentriert.

Alles begann, als eines Morgens eine dpa-Meldung in unserer Redaktion eintraf. Da hieß es schlicht, dass eine berühmte Persönlichkeit im Hotel Mühlhof zu einer Pressekonferenz einlädt. Jetzt denken Sie bestimmt: Eine berühmte Persönlichkeit in Mühlhofen? Wen könnte es wohl ausgerechnet hierher verschlagen haben? Brad Pitt und Angelina Jolie werden es kaum sein, wir sind ja nicht Berlin oder Hamburg. Dann also vielleicht irgendeiner von diesen C-Promis, der gerade mal zwischen vierzehn Kochshows im Fernsehen Zeit gefunden hat, uns zu beglücken? Genau das dachte ich auch zunächst. Aber: Nein, von denen war es auch keiner. Es war, und verzeihen Sie, wenn ich zögere, es auszusprechen - es hat mich damals sehr erschreckt, wenn auch aus einem anderen Grund als heute. Es war, also, es handelte sich bei dieser berühmten Persönlichkeit um, ja, um: den Teufel.

Pause und Schweigen.

Ja, meine Damen und Herren, genau dieses Schweigen überkam auch mich, als ich die dpa-Meldung betrachtete. 13. Oktober, 16 Uhr. Pressekonferenz mit dem Teufel. Weitere Informationen waren nicht zu bekommen.
Ich wollte die Mitteilung gerade zerknüllen und einfach wegwerfen, als mein Chefredakteur, Herr Westphal, lachend in mein Büro kam und sagte (ahmt ihn burschikos und autoritär nach) : "Da gehen Sie hin, Kolbach! Ist doch herrlich, dass hier mal wieder was los ist in unserem Kaff! Irgend so'n Spinner, der einen wirklich witzigen Weg gefunden hat, auf sich aufmerksam zu machen. Das ist doch mal was anderes, als immer diese spießigen Pipifax-Christenveranstaltungen!"
Mein Chef kriegte sich kaum wieder ein. Ich entgegnete ihm nur trocken, dass es sich um eine christliche Veranstaltung handeln könnte. Ich hielt das für möglich, sogar für wahrscheinlich. Die Christen in der Gegend kamen manchmal auf sonderbare Gedanken. Vielleicht war es also nur der Gag einer modernen Jugendgruppe. Wie auch immer: Ich ging hin. Und werde Ihnen jetzt berichten, was an jenem unglaublichen Tag geschah, bei diesem (er zögert kurz) Interview mit dem Teufel.

Die schräge Kammermusik setzt wieder ein, während die Bühne sich mit weiteren Protagonisten füllt. Drei Reporter, zwei Männer, eine junge Frau, nehmen auf den Stühlen vor dem Rednerpult Platz; die Mehrzahl der Stühle bleibt frei. Ein Zwei-Mann-Kamerateam, bestehend aus dem Kameramann und seinem Assistenten (mit Ton-Equipment: Mikro mit Puschel, Stativangel etc.), kommt dazu und platziert sich am hinteren Ende des Raums. Auch Kolbach setzt sich.

KOLBACH (jetzt zum Publikum gewandt)
Wir war

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