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Kleines Brevier für Reisende und Sommerfrischler von Fontane, Theodor (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 09.11.2018
  • Verlag: Aufbau Verlag
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Kleines Brevier für Reisende und Sommerfrischler

Ein wahres Trost- und Erbauungsbuch für alle Reisenden. Aus Fontanes Briefen und seinen unterhaltsamen Reiseschilderungen hat der Fontane-Experte Gotthard Erler die schönsten Äußerungen zum Thema Lust und Last des Reisens ausgewählt. Was den großstadtgestreßten Schriftsteller erboste, was ihm die Laune gründlich verdarb und woran er sich wieder aufrichtete, all das präsentiert er mit einer selbstironischen Brillanz, die dem Leser nichts als Vergnügen bereitet. Bei aller Sesshaftigkeit war Fontane ein reiselustiger Mensch. In europäischen Hauptstädten tat er sich ebenso um wie in unbedeutenden Provinznestern. Luxuriöse Badeorte boten ihm die Gelegeneheit, seiner Meisterschaft der Menschenbeobachtung zu frönen, während er sich in einfachen Sommerfrischen bei guter Luft und ausreichender Bewegung am besten erholte. Stoßseufzer über grobe Kellner, schändliches Essen und prmitive Quartiere wechseln mit dem Lob des wohltätigen Klimas und einer angenehmen Tischgesellschaft. Auch wenn er sich über manche Unzumutbarkeit erboste, so stand ihm doch der Gewinn des Reisens für Körper, Geist und Seele ganz außer Zweifel. Schließlich stärkten ihn ausreichender Schlaf und die Abwesenheit von Ärger so, dass er selbst über gewisse Eisenbahnzustände oder das schröpfende Gebaren bestimmter Kur- und Badeplätze hinwegsah. Was es allerdings mit dem Lokus im Levkojenbeet und ähnlichen 'Örtchen' auf sich hat, erfahren wir nur aus den Briefen an Ehefrau Emilie. Anderen Adressaten sind andere Themen vorbehalten. 'Ich glaube, daß das ganze moderne Reisewesen sehr reparaturbedürftig ist; auszuhalten ist die ganze Geschichte nur von denen, die so gesund und kreuzfidel sind, daß sie füglich auch zu Hause bleiben können.' Fontane an den Chefredakteur der 'Vossischen Zeitung' Friedrich Stephany, 28. Juli 1886

Theodor Fontane wurde am 30. Dezember 1819 im märkischen Neuruppin geboren. Er erlernte den Apothekerberuf, den er 1849 aufgab, um sich als Journalist und freier Schriftsteller zu etablieren. Ein Jahr später heiratete er Emilie Rouanet-Kummer. Nach seiner Rückkehr von einem mehrjährigen England-Aufenthalt galt sein Hauptinteresse den 'Wanderungen durch die Mark Brandenburg'. Neben der umfangreichen Tätigkeit als Kriegsberichterstatter, Reiseschriftsteller und Theaterkritiker schuf er seine berühmt gewordenen Romane und Erzählungen sowie die beiden Erinnerungsbücher 'Meine Kinderjahre' und 'Von Zwanzig bis Dreißig'. Fontane starb am 20. September 1898 in Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 159
    Erscheinungsdatum: 09.11.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841216267
    Verlag: Aufbau Verlag
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Kleines Brevier für Reisende und Sommerfrischler

Vorwort

Topographie eines Reiselebens

"Mehr als Weisheit aller Weisen galt mir reisen, reisen, reisen", bekennt der alte Fontane in dem melancholischen Gedicht "Meine Reiselust (früher und jetzt)". Möglicherweise hatte er etwas von der ewigen Unrast seines Vaters geerbt, der ja, nach der spöttischen Meinung seines Sohns, am liebsten immer umhergefahren wäre, um eine neue Apotheke zu finden, ohne sie wirklich finden zu wollen. Vielleicht treibt Fontane auch eine psychische Disposition zu Veränderung und Ortswechsel, und nicht zufällig hat er hinreißend beschrieben, wie er schon als kleiner Junge eine nächtliche Fahrt im offenen Wagen als etwas Außerordentliches empfand: "mir war, als reisten wir in den Himmel". Wie dem auch sei: sein ganzes Leben vollzieht sich in der Spannung von "unterwegs und wieder daheim", und so ist er, verglichen mit den schreibenden Kollegen seiner Zeit, ein Autor, den es nie lange an seinem Schreibtisch hält. Auch der tägliche Spaziergang im Tiergarten, den er in den späten Tagebüchern penibel vermerkt, kann als Teil dieser Umtriebigkeit gelten.

Nach den Lehr- und Wanderjahren in Berlin, Burg, Leipzig, Dresden und Letschin (in deren Verlauf ein vierzehntägiger Abstecher nach England ihm 1844 erstmals einen Blick in die "Welt" verschafft) zwingt ihn zunächst die existentielle Sorge um den Unterhalt der Familie, sich "draußen" umzutun; denn ohne eigne Apotheke ist von der erlernten Pharmazie nicht zu leben. Er versucht es 1852 als Journalist in London, und von 1855 bis Anfang 1859 lebt er erneut, diesmal sogar im offiziösen Auftrag der preußischen Regierung, in der kritisch bewunderten britischen Metropole. Berufsbedingte Aufenthalte anderswo von dieser Dauer kommen später nicht mehr vor; allenfalls schickt ihn 1863 die Redaktion der "Kreuzzeitung" für ein paar Tage als Berichterstatter zu einer europäisch bestückten Landwirtschaftsausstellung nach Hamburg. Die meisten Reisen, schon in der England-Zeit beginnend, unternimmt Fontane, wie er das nennt, "von Metiers wegen": also wegen konkreter Recherchen für schriftstellerische Arbeiten. Dazu gehören 1856 der Besuch in Oxford und 1857 der Ausflug nach Manchester, wo er sich eine ambitionierte Kunstausstellung ansieht, um darüber in der "Zeit" zu berichten; 1858 besucht er "sein" von Jugend an historisch-romantisch verklärtes Schottland. In den Jahrzehnten von 1859 bis 1889 durchstreift er die heimatliche Mark Brandenburg, und dazwischen, von 1864 bis 1871, lernt er Dänemark, das damals österreichische Böhmen und vor allem Frankreich kennen, wo er jeweils die Schlachtfelder der Bismarckschen Kriege besichtigt und beschreibt. Dabei greifen im Herbst 1870 französische Freischärler höchst unsanft in die sorgsam vorbereiteten Reisepläne des Schlachtenbummlers und Hobbystrategen ein; als vermeintlicher preußischer Spion wird er gefangengenommen und nach einem demütigenden Transport auf Oléron an der Westküste interniert; um ein Haar wäre er standrechtlich erschossen worden, denn immerhin führte der Zivilist einen geladenen Revolver bei sich.

Mit Beginn der siebziger Jahre, als sich Fontane als freier Schriftsteller durchzuschlagen beginnt, treten in zunehmender Dichte "Sommerfrischen" an die Stelle all solcher "Dienstreisen": er muß seine strapazierten Nerven entspannen, seine durch winterliche Erkältungskrankheiten geschwächten Kräfte erneuern. Aus dem sommerlich-schwülen Berlin mit seiner "typhösen Kanalluft" flieht er regelrecht ins Gebirge oder an die See und gelegentlich nach Kissingen und Karlsbad. Auch zwei "Bildungsreisen" leistet er sich: 1874 hält er sich mit Frau Emilie fast ein Vierteljahr in Italien auf und kommt bis Neapel, 1875 fährt er allein nach Oberitalien. Allerdings sind diese Reisen immer Arbeitsurlaube: eine Novelle wird entworfen, ein Romanmanuskript überarbeitet, Druckfahnen sind zu korrigieren.

Von beruflichen und privaten Reisen her kennt Fontane mithin beträchtliche Teile

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