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Kosmopolen Essays von Becker, Artur (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.05.2016
  • Verlag: weissbooks
eBook (ePUB)
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Kosmopolen

Artur Becker ist seinen deutschen Lesern bisher als großer Erzähler und Romanautor bekannt. Doch 'dieser außergewöhnliche Wanderer zwischen seiner ursprünglichen Heimat Polen und seiner neuen Heimat Deutschland' - so Manfred Mack vom Deutschen Polen-Institut in Darmstadt, beschenkt uns seit Jahren nicht nur mit seinen Gedichten und Prosawerken, sondern auch mit Dutzenden von Rezensionen und Essays, in denen er versucht, sein polnisches Erbe seinen deutschen Lesern zu vermitteln. Nein, nicht nur zu vermitteln, Artur Becker ist ein Missionar, er ist überzeugt, fast besessen davon, seine deutschen Leser zu überzeugen, dass ihr Weltbild unvollständig bleibt, wenn sie nicht die Erfahrungen ihrer polnischen Nachbarn zur Kenntnis nehmen und in ihr Weltbild integrieren. Und er begibt sich auch auf das belastete, verminte Gebiet der deutsch-polnischen Erinnerung an die Geschichte. Souverän und mutig zeigt er Deutschen und Polen einen Ausweg aus der vermeintlichen Erbfeindschaft und ruft das gemeinsame, verbindende jenseits der nationalen Verblendung in Erinnerung.'

Artur Becker, geboren 1968 in Bartoszyce (Masuren), lebt seit 1985 in Deutschland. Becker schreibt Romane, Erzählungen, Gedichte und Essays. Zuletzt veröffentlichte er den Roman 'Sieben Tage mit Lidia'. Für sein Werk wurde er vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Adalbert-von-Chamisso-Preis und dem DIALOG-Preis.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 446
    Erscheinungsdatum: 20.05.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863370985
    Verlag: weissbooks
    Größe: 1250 kBytes
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Kosmopolen

Im Zug durch Deutschland

"Nie kochaj zadnego kraju: kraje latwo gina." -
"Liebe kein einziges Land: Länder gehen leicht unter."

Czeslaw Milosz

Im Sommer 1951 machte sich der polnische Dichter Czeslaw Milosz (1911-2004) von Paris aus auf den Weg nach La Combe-de-Lancey in den Alpen, einem Kaff bei Grenoble, um den dort lebenden Stanislaw Vincenz (1888-1971) zu besuchen, einen anderen großen Exilanten, vor allem aber einen alten weisen Mann. Milosz hatte nämlich zu Anfang desselben Jahres bei der polnischen Botschaft in Paris das Handtuch geworfen und wohnte nun im Verlagshaus der Exilzeitschrift Kultura , das 1947 von Rom in den Pariser Vorort Maisons-Laffitte umgezogen war. Man könnte sagen: Der Dichter war ein frisch gekürter Kosmopolit und - vor allem aus der Sicht der kommunistischen Machthaber - ein Verräter.

Sein Verleger, der Publizist Jerzy Giedroyc (1906-2000), kam auf die Idee, den Vierzigjährigen zu Vincenz zu schicken, da Milosz nirgendwo ein warmes Plätzchen finden konnte: Er glich einem Nervenbündel und terrorisierte mit seiner Verzweiflung und Schwarzmalerei nicht nur Giedroyc, sondern auch alle anderen Mitarbeiter und Freunde von Kultura , wie etwa Józef Czapski oder Zofia Hertz. Janina, Milosz' Frau, hielt sich mit dem gemeinsamen Sohn Piotr immer noch in den USA auf, wo ihr Mann fünf lange Jahre im diplomatischen Dienst der Volksrepublik Polen tätig gewesen war, und der polnische Dichter machte sich Vorwürfe, er hätte seine Familie in große Schwierigkeiten gebracht, da er nun über kein regelmäßiges Einkommen verfügte. Seine Flucht in die Freiheit - in das westliche Asyl - empfand er nicht als Befreiung, und die politischen, literarischen und existenziellen Konsequenzen seiner Entscheidung bereiteten ihm schlaflose Nächte.

Giedroyc tat das Richtige, als er beschloss, seinen Autor zum Meister Vincenz zu schicken, dem Kenner des Huzulenlandes in den Karpaten und dem Liebhaber der Antike, dem Erzähler und Sokratiker, dem Homer-Spezialisten und Essayisten, dem Dostojewski-Übersetzer und Philosophen. Der dreiundzwanzig Jahre ältere Vincenz war ein echter Hirte und ein leidenschaftlicher Naturverehrer, der die vorchristliche Literatur und Philosophie als Waffe gegen den modernen Nihilismus einsetzte und das Leben und seine Schönheit lobpries.

Seit Milosz die Freiheit gewählt hatte, um der Indoktrination durch die Kommunisten und ihrem "neuen Glauben" zu entkommen, schien er schwer erkrankt zu sein. Er dachte sogar an Selbstmord und fühlte sich wie ein Renegat; ein Dichter durfte doch seine Nation niemals im Stich lassen, was ihn, der ein ausgeprägtes Pflichtbewusstsein besaß, sehr bedrückte.

Die Linken in Frankreich - etwa Jean-Paul Sartre oder später Pablo Neruda - lehnten Milosz kategorisch ab. Zu dieser Ablehnung hatte natürlich auch die Veröffentlichung seines berühmten Essaybandes Verführtes Denken , der die psychologischen Verhaltensweisen von Intellektuellen im Stalinismus gnadenlos seziert, einen entscheidenden Beitrag geleistet. Der Vertrieb des Buches wurde durch den Verlag Gallimard geschickt gestört, was zur Folge hatte, dass er nie wieder bei Gallimard etwas drucken wollte. Polen, die ihrer Exilregierung in London nahestanden, fanden für den Verräter Milosz ebenso wie die Kommunisten nur Worte des Spottes, zahlreiche Pasquills wurden in dieser Zeit geschrieben, das heißt, sowohl die Marxisten wie auch Antikommunisten - zum Beispiel Sergjusz Piasecki (1901-1964) - suchten nach einem Stock, um den in Litauen geborenen "Überläufer" (einen ehemaligen Diplomaten eines stalinistischen Regimes) zu schlagen, obwohl er für viele einer der wichtigsten polnischen Dichter jener Zeit war. Man verband zumindest mit Milosz Hoffnungen auf die Wiederkehr großer polnischer Nationaldichtung, vergleichbar mit de

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