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Lob der Sprache, Glück des Schreibens von Gauß, Karl-Markus (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.03.2014
  • Verlag: Otto Müller Verlag
eBook (ePUB)
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Lob der Sprache, Glück des Schreibens

Karl-Markus Gauß, 'einer der größten Stilisten der Gegenwartsliteratur' (Günther Kaindlstorfer), verfügt über viele Formen und Tonlagen. Der 'Welt-Alltag' ist das unbekannte Terrain, das er seit dreißig Jahren literarisch erkundet, scharfsinnig, gelehrt und witzig. In dieser ersten Sammlung seiner kleinen Prosa erzählt er von den einfachen und den verwirrenden Dingen des Lebens, von den Verheißungen des Fortschritts und seinen eigenen Vorurteilen, von weltberühmten Medienfiguren und vergessenen Schriftstellern. Worüber er auch schreibt, über die Aufrüstung der Sexualität, die Abschaffung der Peinlichkeit, die Muttersprachen als Urgrund von Selbstbewusstsein, Phantasie und Revolte, stets überzeugt er mit der Originalität seiner Gedanken, der Eleganz seiner Sprache. In seinen wie mit leichter Hand verfertigten Feuilletons und seinen weitgespannten Essays wird das Bekannte fremd, das Unbekannte vertraut, und durch alle Kritik hindurch findet der Autor immer wieder zur Feier des alltäglichen Lebens, zum Lob der Sprache und zum Glück des Schreibens. Karl-Markus Gauß: 1954 in Salzburg geboren, wo er heute als Schriftsteller, Herausgeber und Kritiker der Zeitschrift 'Literatur und Kritik' lebt. Seine Reportagen über die kleinen Nationen Europas wurden in viele Sprachen übersetzt und seine Journale und erzählenden Essays mit etlichen Preisen ausgezeichnet (Prix Charles Veillon und dem Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz), zuletzt u.a. mit dem Mitteleuropa-Preis, dem Johann-Heinrich-Merck-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und dem Österreichischen Kunstpreis für Literatur (2013).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 176
    Erscheinungsdatum: 03.03.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783701362141
    Verlag: Otto Müller Verlag
    Größe: 552 kBytes
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Lob der Sprache, Glück des Schreibens

II. Vom Sex und seiner Besserung

Zwang und Ironie.

Vom Sex und seiner Besserung

1. Vorspiel

Getrieben von einem hemmungslosen Verlangen, das mich manchmal überkommt, schaltete ich vor ein paar Wochen den Fernseher an, um mich von der Sendung "Seitenblicke" in meiner Vermutung bestätigen zu lassen, dass die Welt noch die alte sei und es folglich keine Rechtfertigung gebe, meinen vorschnellen Frieden mit ihr zu schließen. Als ich in die von mir aus selbstverletzender Bosheit gewählte Sendung geriet, war eine junge, hübsche Frau gerade dabei, eine interessante Frage zu beantworten. Der Reporter, der sich womöglich bereits selber für einen solchen hielt, wollte von der Schauspielerin Elke Winkens wissen, wie ihr Traummann beschaffen sei. Sie dachte kurz nach und sagte dann schnippisch: "Halb Softie, halb Macho." Sogleich begann sie zu kichern, aber nicht so, wie in den "Seitenblicken" alle kichern, nach Art des pflichtgemäßen Frohsinns, sondern auf die nicht unsympathische Weise eines Menschen, der bemerkt, dass er gerade etwas von sich preisgegeben hat, ohne es beabsichtigt zu haben, kurz: es handelte sich um jenes Kichern, mit dem wir unsere Betretenheit übertönen wollen, aber bei Strafe, damit erst auf diese aufmerksam zu machen.

Halb Macho, halb Softie, diese Definition eines Mannes, von dem selbst eine umschwärmte Schauspielerin schwärmt, gab mir einiges zu grübeln auf. Ich drehte die Sache hin und her und konnte sie mir endlich nicht anders erklären, als dass es sich bei einem Traummann um so etwas wie ein Raubtier mit moralischen Vorbehalten handeln muss, das beim Frühstück bitterlich darüber greint, sich in der Nacht gar so wild aufgeführt zu haben. Ich überlegte, ob es sich bei Traumfrauen womöglich um ähnliche Wesen handle und versuchte ein paar meiner Freunde auszuhorchen. Ich hoffte auf Antworten wie: "Ehrlich gesagt, richtig scharf bin ich auf den unterwürfig emanzipierten Typ, wenn Du verstehst, was ich meine", aber nichts dergleichen bekam ich zu hören. Ich hatte aber auch kein Mikrophon und keine Kamera dabei, es war also möglich, dass mir meine Freunde einfach jene Wahrheit vorenthielten, die heute immer sofort heraus muss, sobald die Beichte medial abgenommen und das Private der Öffentlichkeit übergeben wird.

2. Auf geht's

Gibt man der Suchmaschine Google die Stichworte "Sex" und "Beratung" ein, tut sich vor einem das Malheur nach einem Bruchteil von Sekunden in seiner schieren Grenzenlosigkeit auf; sieht man sich doch mit der Tatsache konfrontiert, dass über das Internet eine Million dreihundert Tausend Dateien zu diesem Thema verfügbar sind. Wer sich umfassend mit ihm beschäftigen möchte, wird also mit einem Leben alleine nicht auskommen, und das ist auch nur angemessen, denn mit dem Sex haben sich ja schon Generationen vor uns beschäftigt, ohne dass die Besserung eine definitive geworden wäre, ein endgültig erreichter Standard, hinter den zurückzufallen unmöglich ist, und werden sich nach uns noch Generationen beschäftigen, selbst wenn sich ihnen vielleicht ganz andere Anforderungen stellen als uns.

Als Arbeitshypothese konnte man nämlich bisher mit der nötigen Vereinfachung sagen, dass das Problem mit dem Sex damit zu tun hatte, dass sich die Menschheit in zwei Geschlechtern materialisierte, während wir möglicherweise einer bereits hereinbrechenden Zukunft entgegengehen, in der die Zweigeschlechtlichkeit durch eine vielförmig ausgefächerte Eingeschlechtlichkeit ersetzt sein wird; was, nebenbei, dadurch vorbereitet wurde, dass die Fortpflanzung technisch von der Sexualität abgekoppelt werden konnte und sich eines Tage

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