text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Lucas weint nicht von Maurer, Marc (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.07.2015
  • Verlag: novum premium Verlag
eBook (ePUB)
14,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Lucas weint nicht

Nur ihr neunjähriger Sohn Lucas ist anwesend, als seine Mutter Lydia nach langem Leiden stirbt. Am Abend nach der Trauerfeier erscheint sie ihm ein letztes Mal. Sie liegt mit ihm im Bett und hält ihren geliebten Sohn in ihren Armen. Dabei erzählt sie ihm die Geschichte ihres Lebens. Lydias Eltern, Geraldine und Riccardo Belloni, waren bereits früh auf die außerordentliche Begabung ihrer Tochter aufmerksam geworden. Lydia hatte schon mit vier Jahren die Fähigkeit, ein genaues, detailliertes Bild einer komplexen Materie in ihrem Gedächtnis zu speichern. Die Bellonis lebten in bescheidenen Verhältnissen. Trotzdem hatte Vater Riccardo einen Weg gefunden, für seine talentierte Tochter Lydia ein eigenes Klavier anzuschaffen. Doch schnell bekam die Familienidylle Risse: Lydias Mutter erlebte eine traumatische Geburt. Ihr zweites Kind, ein Sohn, war mit einer angeborenen Gehirnstörung zur Welt gekommen. Zudem stürzte das mysteriöse und bösartige Verhalten ihres Klavierlehrers Lydia in eine tiefe kindliche Depression. Auch als Erwachsene erfuhr Lydia schwerwiegende Turbulenzen und Demütigungen, die nicht ohne Folgen blieben. Marc Maurer, geboren 1948, verbringt den größten Teil des Jahres in seinem Landhaus in der Südschweiz. Er hält sich aber auch regelmäßig in Brasilien und seiner geliebten Toskana auf. Es sind jene Orte, die sein Leben geprägt haben und seinen Geschichten immer wieder neue Nahrung geben. Eine persönliche Tragödie hat Marc Maurer nach Jahren wieder zur Schriftstellerei zurückgebracht. Seine persönlichen Schicksalsschläge und reichen Lebenserfahrungen spiegeln sich in seinen Romanen wider.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 430
    Erscheinungsdatum: 07.07.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783990388808
    Verlag: novum premium Verlag
    Größe: 497 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Lucas weint nicht

Vor achtzehn Jahren

Es war der fünfte Tag im Monat Juni des Jahres 1954. Lydia hatte die Zahl auf dem Abreißkalender in der Küche mit dicker, roter Farbe eingekreist. Heute war ihr vierzehnter Geburtstag. Das Besondere daran war, dass für sie ausgerechnet an diesem Tag ein lang ersehnter Wunsch in Erfüllung gehen sollte. Lydia hielt das wichtige Schreiben in ihren Händen. Die nervenaufreibende Zitterpartie, die sie seit Monaten in Schach gehalten hatte, war für immer vorbei und endgültig überstanden.

"Ich kann es immer noch nicht glauben!", sagte sie überglücklich. Aber da stand es schwarz auf weiß geschrieben: Sie gehörte der Gruppe Auserwählter an, die sich um einen Platz an einer der renommiertesten Musikschulen der Schweiz bewerben durfte.

Im Gegensatz zu ihrer Tochter hatte ihre Mutter keinen Augenblick daran gezweifelt, dass Lydia die Vorausscheidung überstehen würde.

Es war ein Zeichen der Zeit, dass die Verantwortlichen des Konservatoriums bereits zum zweiten Mal den allseits geächteten "Numerus clausus" anwenden mussten. Aber in diesem Jahr war die Ursache des Übels für einmal nicht finanzieller Art. Die Kredite für den Um- und Ausbau des schon lange geplanten Schulgebäudes waren gesichert. Sie waren schon vor Monaten durch die Eidgenossenschaft und den Kanton Zürich gesprochen worden.

Diesmal war die Beschneidung der Studienplätze zum einen beim fehlenden Lehrpersonal, und zum anderen bei der beschränkten Raumkapazität der Schule zu suchen. Die Hauptschuld trugen die festgefahrenen Verhandlungen im Zusammenhang mit der Vergabe der Neu- und Ausbauarbeiten der bestehenden Gebäude. Auch Interessenskonflikte, unnötige Einsprachen, und andere, weniger wichtige Probleme, hatten schon seit Längerem die definitive Vergabe der Aufträge blockiert. Man hoffte jetzt, mit dem Anrufen eines Schiedsgerichts, endlich einen Ausweg aus der verfahrenen Situation zu finden. Aber bis es so weit sein würde, würden bestimmt noch mehrere Monate ins Land gehen.

Das für die Auswahl der Kandidaten zustehende Gremium befand sich in einer noch schwierigeren Lage als im Jahr zuvor. Man suchte angestrengt nach einem Ausweg, um sich nicht erneut der öffentlichen Kritik aussetzen zu müssen. Nur zugut erinnerten sich die Verantwortlichen der gehässigen Artikel, die im Vorjahr die lokale Tagespresse während Tagen beherrscht hatten. Von Misswirtschaft, Nepotismus und fehlender Transparenz war die Rede gewesen. Geblieben waren viele unbeantwortete Fragen und ein verständliches Misstrauen der Bevölkerung gegenüber dem Führungsteam des öffentlich-rechtlichen Instituts.

Der Geistesblitz, die angehenden Studenten mithilfe eines Wettbewerbes auszuwählen, stammte von einem aktiven Schüler des Konservatoriums. Im ersten Moment wurde seine Idee belächelt und als schwer realisierbar, oder zu aufwendig abgetan. Der Dekan war der Einzige gewesen, der ein Ohr für den Studenten gehabt, und seinen Vorschlag nicht vorzeitig zur Makulatur hatte verkommen lassen. Obwohl die Zeit relativ kurz bemessen war, war er der Ansicht gewesen, man sollte sich dennoch mit der Eingabe befassen. Nach einigen Überlegungen hatte er seine Lehrkräfte angewiesen, ein Konzept in diesem Sinne auszuarbeiten. "Sollte der Wettbewerb tatsächlich durchführbar sein, werde ich die Sache selbst in die Hand nehmen und in die Tat umsetzen", hatte er dem Studenten versprochen. Mit seinem ansteckenden Enthusiasmus war es ihm schließlich gelungen, auch den Skeptikern vorerst den Wind aus den Segeln zu nehmen. Verständlicherweise hatten es seine Untergebenen nicht gewagt, ihrem ranghöchsten Vorgesetzten zu widersprechen, und dies, obwohl sich zuvor eine Vielzahl gegen das Projekt ausgesprochen hatte. Nach einer turbulenten und selten langen Nachtsitzung, an der auch der Direktor des Konservatoriums und ein Mitglied der kantonalen Behörde teilgenomm

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen