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Meine Schreibmaschine und ich von Glavinic, Thomas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.03.2014
  • Verlag: Carl Hanser Verlag München
eBook (ePUB)
11,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Meine Schreibmaschine und ich

Thomas Glavinic mag den Sommer. Er mag Großzügigkeit, Mut und Taktgefühl. Und er mag Menschen, die über seine Bücher nachdenken. An diese Menschen wendet er sich nun und erzählt ihnen alles, was es über ihn als Autor zu wissen gibt. Er schreibt über die Idee, die am Beginn eines jeden Textes steht, und er verheimlicht auch nicht die Torturen, die er erlebt, während er ungeduldig darauf wartet, dass aus der Idee ein Roman wird. Thomas Glavinic, einer der faszinierendsten Autoren unserer Gegenwart, gewährt Einsicht in seine Gedanken, seine Hoffnungen und seine Ängste. Selten hat man sich einem Autor so nahe gefühlt wie während der Lektüre dieses Bekenntnisses. Thomas Glavinic wurde 1972 in Graz geboren. 1998 erschien sein Debüt Carl Haffners Liebe zum Unentschieden. Es folgten u.a. Die Arbeit der Nacht (2006), Das bin doch ich (2007), Das Leben der Wünsche (2009) und Das größere Wunder (2013). Seine Romane Der Kameramörder (2001) und Wie man leben soll (2004) wurden fürs Kino verfilmt. Thomas Glavinic erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen, zuletzt den Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft. Seine Romane sind in 18 Sprachen übersetzt. Er lebt in Wien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 120
    Erscheinungsdatum: 17.03.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783446245402
    Verlag: Carl Hanser Verlag München
    Größe: 980 kBytes
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Meine Schreibmaschine und ich

Ich mag Freiheit.

Was ich sehr mag, ist der Sommer. Ich mag es, wenn ich nicht viel anziehen muss und nie friere. Ich sitze gern am Abend draußen und rede mit Freunden. Was ich nicht so mag, sind Moskitos, ich empfinde einen großen Groll gegen sie. Moskitos, Zecken und Wespen sind unsympathische Geschöpfe, deren Existenz beweist, dass auch Gott sich irren kann.

Ich mag Menschen, mit denen zu reden keine Zeitverschwendung ist. Es gibt Menschen, mit denen verbringt man einen ganzen Abend und weiß am nächsten Tag nicht mehr, worüber gesprochen wurde. Solche Menschen machen das Leben nicht schöner. Leider trifft man sie häufig. Berufsbedingt muss ich mit vielen Menschen reden, und einige von ihnen behaupten, ich sei "schwierig". Ich finde mich gar nicht schwierig, doch das muss nicht viel heißen, wahrscheinlich hat sich auch Klaus Kinski nicht für schwierig gehalten. Ich finde vielmehr, ich bin genügsam. Wenn man mich zu Lesungen einlädt, verlange ich nicht viel. Ich will ein anständiges Hotel, das ist mal das erste. Nein, das zweite. Das erste ist das anständige Honorar. Je höher, desto besser, das mag ich. Und das zweite ist das anständige Hotel. Problematisch wird es, wenn die Einladenden einen rustikalen Geschmack haben und der Meinung sind, die Zweisternpension mit dem charmanten Familienanschluss anstelle des Fernsehers sei eine anständige Unterkunft. Ich mag es, wenn sich Veranstalter in meinem Fall auf das Eintreffen des Fürsten Blagojew vorbereiten. Eine Sauna im Hotel freut mich, ebenso eine Minibar und eine rund um die Uhr besetzte Rezeption, weil ich mich wohler fühle, wenn unten im Haus jemand ist, dem ich auch die verquersten Wünsche vortragen könnte, außerdem fürchte ich mich dann weniger vor nächtlichem Geisterspuk. Wenn ich mich in einer minibarlosen Privatpension wiederfinde, mache ich Dienst nach Vorschrift. Ein Schriftsteller hat auf Lesereisen so gut wie keine Privatsphäre, also muss das Hotel in Ordnung sein.

Ich mag es nicht, wenn ich nach der Lesung in einer verranzten Weinschenke von einem Kettenraucher 1 mit schmutzigen Nägeln und flackerndem Blick in einem langen Monolog demonstriert bekomme, dass er viel von Literatur versteht, während ich Bratwurst esse, weil alles andere schon aus ist. So etwas lasse ich mir teuer bezahlen. Wer etwas von mir will, muss mir etwas geben. Ich mag es nicht, wenn Zeitschriftenredakteure mich bitten, einen Beitrag für sie zu verfassen, und kein Wort über die Bezahlung verlieren. Was soll denn das? Will man nobel wirken? Bei Lesungen das Gleiche, Veranstalter, die man eigens dazu auffordern muss, mit dem Honorar rauszurücken, gehören auf eine Schwarze Liste gesetzt, die unter anständigen Autoren zirkuliert.

Ich mag kein Lamm, keine Innereien, keine Meeresfrüchte und keine Pilze. Ich mag Fisch, ich mag Gemüse, ich mag Huhn und Rind und Schwein.

Ich mag Großzügigkeit. Ich spreche hier nicht von Honoraren. Die können anständig sein, aber nicht großzügig, denn ich bekomme bei einer Lesung ja nichts geschenkt, ich biete eine Leistung. Ich mag Großzügigkeit bei Menschen. Großzügigkeit im Verzeihen, Großzügigkeit im Schenken von Aufmerksamkeit, von Zeit, von Herzenswärme, ja, auch von Geld, ich persönlich lade gern Menschen ein und mag keine Geizkragen.

Ich mag Taktgefühl. Ich mag es, wenn Menschen wissen, was in welcher Situation angebracht ist, die wissen, wann sie den Mund halten sollen und wann es wiederum wichtig ist, etwas zu sagen. 2

Ich mag Zivilcourage. Ich mag Mut. Ich mag keine Feiglinge.

Ich mag Menschen, die ihr Leben der Literatur widmen und sich mit Respekt und Beharrlichkeit in Romane hineinarbe

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