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Nichts ist wahr, alles ist erlaubt Eine Anthologie von Nietzsche, Friedrich (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.11.2015
  • Verlag: Edition Erdmann in der marixverlag GmbH
eBook (ePUB)
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Nichts ist wahr, alles ist erlaubt

'Das Erdbeben der Epoche und seit Luther das größte deutsche Sprachgenie.'Gottfried Benn über Friedrich NietzscheObwohl Friedrich Nietzsche kein einheitliches philosophisches System hinterlassen hat, ist sein Einfluss auf die Ideengeschichte nicht hoch genug einzuschätzen. Viele seiner zentralen Gedanken und Begriffe sind zu Leitideen der Moderne geworden und wurden von Legionen von Künstlern und Intellektuellen weiterentwickelt. Wer sich mit Nietzsches radikaler Interpretation von Aufklärung vertraut machen will, wird hier die wichtigsten und prägnantesten Passagen aus seinem Gesamtwerk finden und entdecken, wie viel Spaß es machen kann, mit dem Hammer zu philosophieren. Der Band enthält in Auswahl Aphorismen und Essays aus Jenseits von Gut und Böse, Ecce homo, Morgenröte und andere Schriften. Friedrich Nietzsche (1844-1900), den Paul Valéry einen 'Exzess des Bewusstseins' nannte, war bereits zu Lebzeiten eine ebenso legendäre wie tragische Figur: Von seinen Zeitgenossen weitgehend unverstanden und schon früh durch immer wieder ausbrechende Krankheitsschübe in seinem Lebenswandel beeinträchtigt, erlitt er mit fünfundvierzig Jahren einen psychischen Zusammenbruch, dem die vollkommene geistige Umnachtung folgte. Er war bis zu seinem Tod auf die Pflege seiner Mutter und seiner Schwester angewiesen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 17.11.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843802970
    Verlag: Edition Erdmann in der marixverlag GmbH
    Größe: 958 kBytes
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Nichts ist wahr, alles ist erlaubt

Wahrheit oder Leben

Es ist immer wieder vorgeschlagen worden, sich Nietzsches Philosophie über den Begriff des "Lebens" zu erschließen. Nietzsches Lehrmeister Arthur Schopenhauer ging davon aus, dass das Leben etwas sei, das eigentlich nur Leid hervorruft und besser gar nicht existieren sollte. Gegen diesen pessimistischen Ansatz wendet sich Nietzsche mit einer radikal lebensbejahenden Philosophie: Alles was ist, was gedacht oder getan wird, hat sich für Nietzsche in den Dienst des Lebens zu stellen. Da Nietzsche mit "Leben" aber mehr meint, als bloße organische Existenz, hat sich das Lebendige wiederum nach "Schönheit" (oder sagen wir besser einer "Ästhetik") bzw. einer selbstgewählten Ordnung zu richten. Diesem Primat des gelingenden Lebens ist so auch das Konzept von "Wahrheit" unterzuordnen. Wahrheiten, aber auch die damit zusammenhängenden Begriffe und Institutionen wie "Erkenntnis" und Wissenschaft haben für Nietzsche keinen Selbstzweck, sondern sind nur mögliche Mittel der Daseinsbewältigung. Sowieso ist für Nietzsche alles, was ihm als "Wahrheit" begegnet, suspekt. In Nietzsches Lebensphilosophie sind Wahrheiten immer das Produkt eines kreativen Aktes und immer das Resultat eines individuellen oder kollektiven Wollens, ein "Für-wahr-halten-Wollen" eines Vorurteils, das sich - im weitesten Sinne - aus einer politischen Agenda oder Ideologie speist.

In irgendeinem abgelegenen Winkel des in zahllosen Sonnensystemen flimmernd ausgegossenen Weltalls gab es einmal ein Gestirn, auf dem kluge Tiere das Erkennen erfanden. Es war die hochmütigste und verlogenste Minute der "Weltgeschichte": aber doch nur eine Minute. Nach wenigen Atemzügen der Natur erstarrte das Gestirn, und die klugen Tiere mussten sterben. - So könnte jemand eine Fabel erfinden und würde doch nicht genügend illustriert haben, wie kläglich, wie schattenhaft und flüchtig, wie zwecklos und beliebig sich der menschliche Intellekt innerhalb der Natur ausnimmt. Es gab Ewigkeiten, in denen er nicht war; wenn es wieder mit ihm vorbei ist, wird sich nichts begeben haben.

Ich will, ein für alle Mal, Vieles nicht wissen. - Die Weisheit zieht auch der Erkenntnis Grenzen.

Vom Baum der Erkenntnis . - Wahrscheinlichkeit, aber keine Wahrheit: Freischeinlichkeit, aber keine Freiheit, - diese beiden Früchte sind es, derentwegen der Baum der Erkenntnis nicht mit dem Baum des Lebens verwechselt werden kann.

Wir nennen einen Menschen "ehrlich". Warum hat er heute so ehrlich gehandelt? fragen wir. Unsere Antwort pflegt zu lauten: seiner Ehrlichkeit wegen. Die Ehrlichkeit! Das heißt wieder: das Blatt ist die Ursache der Blätter. Wir wissen ja gar nichts von einer wesenhaften Qualität, die "die Ehrlichkeit" hieße, wohl aber von zahlreichen individualisierten, somit ungleichen Handlungen, die wir durch Weglassen des Ungleichen gleichsetzen und jetzt als ehrliche Handlungen bezeichnen; zuletzt formulieren wir aus ihnen eine qualitas occulta mit dem Namen: "die Ehrlichkeit". Das Übersehen des Individuellen und Wirklichen gibt uns den Begriff, wie es uns auch die Form gibt, wohingegen die Natur keine Formen und Begriffe, also auch keine Gattungen kennt, sondern nur ein für uns unzugängliches und undefinierbares X.

Letzte Skepsis . - Was sind denn zuletzt die Wahrheiten des Menschen? - Es sind die unwiderlegbaren Irrtümer des Menschen.

Es ist furchtbar, im Meere vor Durst zu sterben. Müsst ihr denn gleich eure Wahrheit so salzen, dass sie nicht einmal mehr - den Durst löscht?

Der Intellekt, als ein Mittel zur Erhaltung des Individuums, entfaltet seine Hauptkräfte in der Verstellung; denn diese ist das Mittel, durch das die schwächeren, weniger robusten Individuen sich erhalten, als welchen einen Kampf um die Existenz mit Hörnern oder scharfem Raubtier-Gebiss zu führen versagt i

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