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Penser Polar von Wörtche, Thomas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.10.2015
  • Verlag: Polar Verlag
eBook (ePUB)
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inkl. gesetzl. MwSt.
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Penser Polar

Seit September 2013 erscheint monatlich im Netz das Onlinemagazin Polar Gazette, das sich mit jeder neuen Ausgabe einem Thema des Genres Krimi widmet. Sei es 'Muss ein Krimi immer gut enden . . . muss er nicht!' oder 'Hat der Krimi einen Sound?' Thomas Wörtche schreibt die Kolumnen, die das Genre mal literaturwissenschaftlich, mal mit einem Augenzwinkern unter die Lupe nimmt. Alle Kolumnen erscheinen nun im Polar Verlag. Mit 'Polar Penser', deren Texte von Thomas Wörtche neu überarbeitet wurden, unterstreichen wir einmal mehr, dass der Krimi mehr ist, als er scheint.

Thomas Wörtche wurde 1954 in Mannheim geboren. Er studierte Germanistik und Philosophie in Bochum und Konstanz. 1987 promovierte er an der Universität Konstanz über phantastische Literatur. Bekannt ist er als Experte für Kriminalliteratur, Jazz, Comics und andere Künste.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 166
    Erscheinungsdatum: 06.10.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783945133309
    Verlag: Polar Verlag
    Größe: 1019 kBytes
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Penser Polar

Anfänge

Man wird kaum gefragt, wann man angefangen hat, Bücher zu lesen. Man wird jedoch relativ oft gefragt, wie man zum Lesen von Kriminalromanen gekommen ist. Da steckt schon ein klein wenig Voyeurismus drin, so etwa: Wann hast Du Deine erste Zigarette, Deinen ersten Suff, Dein erstes . . . Und so weiter. Und dann werden sie meistens auch brav abgeliefert, die kriminalliterarischen Initiationserlebnisse: Unter der Bettdecke, heimlich, meine Eltern wollten das nicht . . . Und natürlich Geständnisse, die menschlich sind, allzu menschlich. Je nach Generation "Drei Fragezeichen", Edgar Wallace, Enid Blyton, Jerry Cotton, Agatha Christie, so Sachen. Man kennt die Rituale und die pawlowschen Antworten.

Damit kann ich nicht dienen. Ich habe früh angefangen zu lesen, kreuz und quer, Akzent Stevenson, Cooper, C.S. Forester, um dann zum Snob mit viel Distinktionsgewinn in meinem Umfeld zu werden: Musil, Proust, Joyce, Thomas Bernhard, Kafka und alle Surrealisten, und Alfred Jarry und . . . Und wenn mir ein Krimi begegnete, wurde er sofort verachtet - Agatha Christie, was für arg schlichte Gemüter, Dorothy Sayers, konservativer Unfug, Jerry Cotton, was für n Wannabe-Quatsch. Und als juicy books hatte man die Mutzenbacher, Oscar Wilde, Apollinaire und Georges Bataille, Crepax und natürlich Henry Miller, da brauchte man keinen James Hadley Chase, Carter Brown und Konsorten.

Die Attitüde von damals war peinlich, der jugendliche Sturm und Drang hochfahrend und -trabend.

Aber - so falsch lag ich gar nicht. Ich kann immer noch nichts mit Krimis anfangen, die den Mörder suchen, den sie selbst versteckt haben, oder welche, die ein paar Jahre oder Jahrzehnte später auf irgendwelchen Zeitgeistwellen daher gesurft kommen, die im Nicht-Krimiland schon längst durch sind, oder die Simplifizierung zu ihrem Geschäft machen und so was dann als wahrhaft populär ausgeben, weil doch der Leser ein recht schlichtes Kerlchen oder Mädel sei, für den man alles Mündchens Maß vorkauen muss. So ein Leser wollte ich nicht sein und war es auch nicht. Deshalb war ich von Krimis wenig beeindruckt. Lange, lange Lesejahre. Dann kam die Science Fiction, so Ende der 1960s, Anfang der 1970s. Und Mitte der 1970s Eric Ambler, Ross Thomas, Chester Himes . . .

Und es gab einen herben Rückschlag, als ich an der Uni in einer Art "Literarischem Kolloquium" einen frühen Roman von -ky verteidigen musste. Man hat dort debattieren gelernt, indem man einen Roman oder Gedichtband oder was auch immer gegen die massive Kritik aller anderen auf Biegen und Brechen defendieren musste - oder man ging unter. Mit wehender Fahne oder gurgelnd. Ich hatte -ky gewählt, um zu zeigen: Hier, Leute, es gibt auch deutsche Krimis, die sogar von Hochschullehrern geschrieben werden. Leider hatte ich das Teil vorher nicht gelesen. Ich ging unter. Gurgelnd. Und vor allem zu Recht. Das Buch, ich habe verdrängt welches, war so grottig, dass meine Mitdiskutanten drüber herfielen wie ein Schwarm Wanderameisen über eine tote Maus, und das mit allen guten Gründen der Welt, und retten konnte ich es beim besten Willen nicht. Es war keine "Literatur", und es war keine keine "Literatur", also kein Pulp oder Trash oder so, was leicht zu verteidigen gewesen wäre. Es wollte Krimi und gleichzeitig literarisch sein, spannend, aber gleichzeitig ein moralischer Diskurs, es wollte links und radikal sein, und man spürte den Beamtenstatus des Autors in jeder Zeile. Und es machte es den Snobs unter den Krimiverächtern sehr, sehr leicht, es zu zernichten. Und auch das völlig zurecht.

Nun wird man aus gekränkter Eitelkeit heraus nicht unbedingt zum Fan von irgendwas. Ich wurde auch kein "Freund" der Kriminalliteratur, so wie man zum Freund dunklen Bieres wird, ihr Fan schon gar nicht. Ich "liebe" Kriminalliteratur nicht, ich liebe den einen und anderen Menschen, mehr schaff ich nicht. Und Artefakte wollen auch nicht geli

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