text.skipToContent text.skipToNavigation

Professor Bernhardi (Vollständige Ausgabe) Ein prophetisches Drama über Antisemitismus. von Schnitzler, Arthur (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.10.2014
  • Verlag: e-artnow
eBook (ePUB)
0,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Professor Bernhardi (Vollständige Ausgabe)

Dieses eBook: 'Professor Bernhardi (Vollständige Ausgabe)' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Professor Bernhardi ist ein Drama Arthur Schnitzlers, das am 28. November 1912 im Kleinen Theater, Berlin, mit Bruno Decarli als Bernhardi und Alfred Abel als Kaplan erfolgreich uraufgeführt wurde. Wegen des systemkritischen Inhalts waren Aufführungen in der Donaumonarchie bis zu deren Zerfall, 1918, verboten. In ausführlichen Dialogen adressiert es den Antisemitismus, Probleme der Ethik und der Jurisprudenz sowie des Katholizismus. Letztendlich geht es aber primär und ewiggültig um das Navigieren zwischen Ethik und dem Machbaren, die eigentlichen Spannungspunkte Juden und Christklerikale sind definitiv nur seinerzeit zeitgenössisch verständliche Instrumente des Autors, um die eigentlichen Handlungsziele zu kolorieren: Soll man individuell richtig und ethisch handeln - wie Bernhardi - oder soll man kollektive, große Ziele verfolgen. Schnitzler gibt seine Antwort so, dass Kollektivziele unter Missachtung persönlicher Ethik abzulehnen sind. Arthur Schnitzler (1862-1931) war ein österreichischer Erzähler und Dramatiker. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der Wiener Moderne. Schnitzler schrieb Dramen und Prosa, in denen er das Augenmerk vor allem auf die psychischen Vorgänge seiner Figuren lenkt.Gleichzeitig mit dem Einblick in das Innenleben der Schnitzlerschen Figuren bekommt der Leser auch ein Bild von der Gesellschaft, die diese Gestalten und ihr Seelenleben prägt. Die Handlung der Werke Schnitzlers spielt meist im Wien der Jahrhundertwende.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 130
    Erscheinungsdatum: 16.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026825111
    Verlag: e-artnow
    Größe: 459kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Professor Bernhardi (Vollständige Ausgabe)

Zweiter Akt

Inhaltsverzeichnis

Ordinationszimmer des Professor Bernhardi. Rechts Haupteingang, links Tür ins Nebenzimmer. Ein Medikamentenschrank links, Bücherregale nehmen die ganze Hinterwand ein, zum Teil grün verhängt. Auf dem Ofen, in der rechten Ecke, eine Äskulapbüste. Schreibtisch mit Sessel. Ein kleines Tischchen neben dem Schreibtisch. An dem Schreibtisch gegen den Zuschauerraum ein Diwan. Stühle. Photographien an den Wänden, Gelehrte darstellend.

Dr. Oskar Bernhardi sitzt am Schreibtisch, notiert etwas in ein aufgeschlagenes Protokollbuch, dann klingelt er. Diener tritt ein.

Oskar . Es ist niemand mehr da?

Diener . Nein, Herr Doktor.

Oskar . So werde ich jetzt weggehen. Wenn der Papa nach Hause kommt - (Klingel draußen.) Oh, sehen Sie nach.

Diener ab .

Oskar schließt das Protokollbuch, bringt den Schreibtisch in Ordnung.

Diener tritt ein, bringt eine Karte.

Oskar . Will mich sprechen?

Diener . Der Herr fragte zuerst, ob der Herr Professor zu Hause sei. Aber -

Oskar . Aber begnügt sich auch mit mir - Na, - möchte hereinkommen.

Diener ab.

Oskar, Dr. Feuermann, junger, kleiner, schwarzbärtiger, aufgeregter Mensch mit Brille. Hut in der Hand, Gehrock, Handschuhe.

Oskar ihm entgegen.

Feuermann . Ich weiß nicht, ob Sie sich meiner noch erinnern werden -

Oskar . Aber Feuermann, ob ich mich deiner noch erinnere! (Reicht ihm die Hand.)

Feuermann . Es sind immerhin acht Jahre, seit -

Oskar . Ja, wie die Zeit vergeht. Na, willst du nicht Platz nehmen? Du wolltest den Papa sprechen?

Feuermann . Allerdings -

Oskar . Ich ordiniere heute für ihn, er ist zum Prinzen Konstantin nach Baden berufen worden.

Feuermann . Ja, er hat eine schöne Praxis, dein Herr Papa. (Er setzt sich.)

Oskar . Na, und wie geht's denn dir? Als Patient kommst du wohl nicht - Wo praktizierst du denn eigentlich?

Feuermann . In Oberhollabrunn.

Oskar . Ja richtig. Also, was führt dich denn her? Machst du etwa ein Sanatorium auf, oder gehst du irgendwohin als Badearzt? Oder wollt ihr aus Oberhollabrunn einen Luftkurort machen?

Feuermann . Nichts von alledem. Es ist eine fürchterliche Geschichte. Du weißt noch nichts?

Oskar (verneinende Geste) .

Feuermann . Ich habe deinem Herrn Papa schon geschrieben in meiner Angelegenheit.

Oskar . Er bekommt so viele Briefe.

Feuermann . Wenn du nun auch noch ein Wort für mich einlegen wolltest -

Oskar . Um was handelt es sich denn?

Feuermann . Du kennst mich, Bernhardi. Wir haben zusammen studiert, du weißt, ich habe es an Fleiß und Gewissenhaftigkeit nie fehlen lassen. So ein Unglück kann jedem passieren, der gleich von der Universität weg in die Praxis hinaus muß. Es hat's nicht jeder so gut wie du zum Beispiel.

Oskar . Na, der Sohn von einem berühmten Vater zu sein, das hat auch seine Schattenseiten.

Feuermann . Entschuldige, so hab ich's ja nicht gemeint. Aber es ist doch unschätzbar, sich im Spital weiter ausbilden zu können, an den Brüsten der alma mater Kurse zu hören -

Oskar (etwas ungeduldig) . Also, was ist denn eigentlich passiert?

Feuermann . Ich bin unter Anklage wegen Vergehens gegen die Sicherheit des Lebens. Ich werde vielleicht mein Diplom verlieren. Ein Kunstfehler, ein sogenannter.

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen